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Mitteldeutschland Sächsische Polizei rät vom Trampen ab
Region Mitteldeutschland Sächsische Polizei rät vom Trampen ab
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17:39 22.06.2018
Nach dem Verschwinden von der Tramperin Sophia L. wird das Reisen per Anhalter kontrovers diskutiert. Quelle: Leipzig report
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Leipzig

Am Reisen per Anhalter, gemeinhin als Trampen bekannt, scheiden sich die Geister. Befürworter schwärmen von neuen Freundschaften und spannenden Erfahrungen. Kritiker sehen vor allem die Gefahren. Gewalt, Raub und Entführung werde mit dem Schritt in ein fremdes Auto Tür und Tor geöffnet. Der Fall der vermissten Sophia L. hat das Thema wieder in den Fokus gerückt. Doch welche Rolle spielt Trampen in Deutschland überhaupt?

Keine offiziellen Zahlen

Offizielle Zahlen zum Thema sind Mangelware. Der Verein „Abgefahren“ versteht sich als Sprachrohr der Trampergemeinschaft, vermag die Frage nach der Zahl der Anhalter in Deutschland und ihrer Entwicklung in den letzten Jahren jedoch nicht zu beantworten. In einer Mitteilung vom Freitag heißt es nur: „Es trampen auch heutzutage noch viele Menschen.“

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Auch die Polizei kann keine greifbaren Fakten liefern, wie Tom Bernhardt, Pressesprecher des Landeskriminalamtes Sachsen, gegenüber lvz.de am Freitag bestätigte: „Es gab immer mal wieder Fälle im Zusammenhang mit Trampern, aber keinesfalls in dem Ausmaß, dass man das statistisch erfassen müsste. Das sehe ich auch als gutes Zeichen.“

Abraten, aber kein Verbieten

Grundsätzlich rate die Polizei zwar vom Reisen per Anhalter ab. Bernhardt fügt jedoch hinzu: „Wir raten aber auch von Alkohol ab. Es geht nicht darum, etwas zu verbieten, sondern darum, die Menschen zu sensibilisieren, dass sie sich der Risiken bewusst sind und diese im besten Fall minimieren.“ Gleichwohl sei man sich auch bei der Polizei über das positive Lebensgefühl, welches häufig hinter dem Wunsch zu trampen steckt, im Klaren – auch darüber, dass Reisen per Anhalter in anderen Regionen der Welt viel verbreiteter ist.

Auf der „Abgefahren“-Webseite wird mit eben diesem Lebensgefühl, positiven Erfahrungsberichten, Umweltfreundlichkeit und Kostenersparnis geworben. Mit dem Fakt, dass die unkonventionelle Reiseform auch Gefahren mit sich bringt, geht der Verein offen um. Unter dem Punkt „Sicherheit“ heißt es auf der Webseite: „Wer trampt, riskiert in einen Verkehrsunfall verwickelt oder Opfer von Kriminalität zu werden.“ Damit es dazu im schlimmsten Fall nicht kommt, listet der Verein Sicherheitshinweise auf: Wenn möglich sollten Anhalter nicht allein unterwegs sein. Frauen wird – auch wenn sie zu zweit sind – empfohlen, nur bei Frauen oder Paaren einzusteigen. Wertsachen sollten am Körper getragen, Verwandte oder Bekannte über die Mitfahrgelegenheit, also Nummernschild und Autotyp, per Handy informiert werden.

Tramperverein und Polizei geben ähnliche Tipps

Als Grundregel empfiehlt „Abgefahren“, die Fahrer nach einem kurzen Gespräch bewusst auszuwählen. „Falls Du ein schlechtes Gefühl hast, lass es einfach sein. Es gibt genügend andere“, heißt es auf der Seite.

Ähnliche Hinweise formuliert auch die Polizei auf ihrem Portal „polizei für dich“. Pressesprecher Bernhardt schränkt jedoch ein: „Auch wer all diese Tipps beachtet, schließt das Risiko nicht komplett aus.“ Das gelte ebenso für die großen Internetportale, bei denen Mitfahrgelegenheiten vermittelt werden.

Von anzi