Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Sächsische Kliniken rüsten auf
Region Mitteldeutschland Sächsische Kliniken rüsten auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:01 30.11.2019
Schauplatz Notaufnahme: Die Zwischenfälle häufen sich.Foto: Markus Scholz/dpa
Leipzig

Ärzte, Pfleger und Helfer in der Notaufnahme sächsischer Krankenhäuser werden immer wieder zur Zielscheibe von Pöbeleien, Beleidigungen und sogar gewalttätigen Übergriffen. Attacken von Wut-Patienten stehen auf der Tagesordnung. In Sachsen liegt die Anzahl dieser Übergriffe konstant auf dem Niveau des Vorjahres, so der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen (KGS), Stephan Helm. Die Sensibilität für das Thema sei aber gestiegen.

Er erinnert daran, dass Aggression aber auch Ausdruck eines vorhandenen Krankheitsbildes sein kann, beispielsweise beim Delir, einer akuten Störung der Hirnfunktion, oder nach der Einnahme von Drogen oder Alkohol. Die Krankenhäuser wüssten um diese Problematik und seien dennoch bestrebt, Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Patientenbehandlung zu schaffen. „Das allein ist keine leichte Aufgabe angesichts knapper Fachkräfteressourcen, der anhaltenden Unterfinanzierung bei den Krankenhausinvestitionen und einer eklatanten Unterfinanzierung der Notfallleistungen“, konstatiert Helm.

Notknöpfe an Telefonen und Fluchträume

Eine Umfrage unter den sächsischen Kliniken bestätigt das. „In unserer Notaufnahme im Helios Park-Klinikum Leipzig nimmt die verbale und körperliche Gewalt gegen unsere Mitarbeiter zu. Dabei werden Ärzte und Pfleger teilweise arg beschimpft und beleidigt“, sagt Sprecher Stefan Möslein für die Helios-Gruppe, die in Sachsen Kliniken in Leipzig, Schkeuditz und Leisnig betreibt. Im Falle eines Übergriffs werde eine systematische Alarmierungskette in Gang gesetzt. So seien die Mitarbeiter der Notaufnahme mit Notknöpfen an tragbaren Telefonen ausgestattet. Außerdem gebe es spezielle Fluchträume, die nur von innen zu öffnen sind.

Quelle: Repro: LVZ

Für das Uniklinikum Leipzig (UKL) sieht der Ärztliche Leiter der Zentralen Notaufnahme, Professor André Gries, zumindest keine Zunahme der körperlichen Übergriffe. „Ich glaube, wir waren früher nicht so sensibilisiert. Das Thema verbale Gewalt wurde nicht so zur Kenntnis genommen.“ Wenn sich aber in der gesamten Gesellschaft die Aggressivität im Umgang verstärke, dann merke man das zwangsläufig besonders dort, wo viele Leute unterwegs seien.

Die Sprecherin des Klinikums St. Georg, Dagmar Schulze, sagt, die Mitarbeiter der Zentralen Notaufnahme seien durch spezielle Deeskalationsschulungen auf den Umgang mit kritischen Situationen vorbereitet worden. Darüber hinaus stünden speziell geschulte Sicherheitsdienstleute zur Verfügung. „Innerhalb kürzester Zeit sind die Sicherheitskräfte mindestens zu zweit, oft auch zu dritt, in der Zentralen Notaufnahme vor Ort.“

Nicht alle sind gleichermaßen betroffen

Aus dem Dresdner Uniklinikum Carl Gustav Carus dagegen verlautet, „einen dramatischen Anstieg gewalttätiger Übergriffe können wir nicht bestätigen“. Verbale Angriffe würden bisher nicht dokumentiert, körperliche Übergriffe seien eher selten. Dennoch wurde die bauliche Struktur der chirurgischen Notaufnahme unter Sicherheitsaspekten konzeptioniert, so Sprecher Holger Ostermeyer. Das Dresdner St. Joseph-Stift führt nach eigenen Angaben Deeskalationsschulungen für Mitarbeiter durch, betreibt externe und interne Notrufsysteme sowie eine Schließanlage zur Steuerung des Zutritts ins Gebäude.

„Wir denken in diesem Zusammenhang über eine Personalverstärkung nach“, sagt der Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken, Reiner E. Rogowski. Diese verfügen über Standorte in Bischofswerda und in Bautzen. Vor allem in Bautzen habe die Gewalt spürbar zugenommen. Das reiche von Bedrohungen wie „Ich weiß, wo du wohnst“ und „Ich steche dich ab“ bis hin zu rechtsradikalen Parolen und Sachbeschädigungen, so Rogowski. Das Krankenhaus sah sich deshalb unter anderem gezwungen, eine Kameraüberwachung zu installieren und den Kontakt zur Polizei zu verstärken.

„Leider häufen sich die Vorfälle“

Videoüberwachung wird auch in Zwickau eingesetzt, teilt Uta Ranke, Klinikmanagerin der Paracelsus Klinik mit. Zusätzlich biete man für die Mitarbeiter Deeskalationstrainings an. „Leider häufen sich die Vorfälle zunehmend“, bedauert Ranke. In Chemnitz haben die Zeisigwaldkliniken im Sommer einen Vertrag mit einer Sicherheitsfirma abgeschlossen. Der Personalaufenthaltsraum ist zugleich Sicherheitsraum und mit extra Telefon ausgestattet. Dazu wurde ein Notrufschalter installiert, so Geschäftsführerin Cornelia Schricker.

Das Klinikum Oberlausitzer Bergland und das Kreiskrankenhaus Weißwasser erklärten, man habe an allen Standorten zusätzliche Sicherheitsdienste im Einsatz, besonders in den Nachtzeiten und an Wochenenden. Die Notfallaufnahmen seien mit Notknöpfen versehen worden. Auch im Krankenhaus in Großschweidnitz ist die Pforte nunmehr rund um die Uhr besetzt und verfügt über Notfallknöpfe.

Für das Landkreis-Mittweida-Krankenhaus betont Sprecherin Ines Schreiber: „Es gibt klar festgelegte Prozesse und Alarmketten, die im Notfall greifen und die zügige Verständigung von Kollegen bis hin zur Polizei gewährleisten.“ Dieses Konzept soll künftig auch in der Notfallambulanz umgesetzt werden.

Sozialministerium gibt finanzielle Hilfen

Das Sächsische Sozialministerium weist derweil auf finanzielle Unterstützung hin. Sprecher Jörg Förster sagt, soweit bauliche Sicherungsmaßnahmen zur Ertüchtigung von Notaufnahmen dienten, gebe es dafür auch Krankenhausinvestitions-Fördermittel des Freistaates. Die Entscheidung, ob und welche Gegenmaßnahmen notwendig seien, müssten die Krankenhäuser als wirtschaftlich selbstständige Unternehmen jedoch eigenständig treffen.

Die Bundesregierung will die Strafen bei Gewalt gegen Ärzte, Rettungssanitäter und Pflegepersonal in ärztlichen Notdiensten und Notfallambulanzen verschärfen. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beklagen drei von vier Krankenhäusern Übergriffe in den Notfallambulanzen. UKL-Mediziner Gries hält dagegen eine solche Verschärfung für nicht erforderlich: „Der gesetzliche Rahmen, den wir heute haben, reicht aus.“

Von Roland Herold

Der Görlitzer Notarzt Mark Frank hat viel erlebt. Auch, dass diejenigen, denen er helfen wollte, oder deren Angehörige gewalttätig wurden und ausrasteten. Dafür hat er sogar Verständnis.

30.11.2019

Sachsens CDU, SPD und Grüne stehen bei ihrem Ringen um einen Koalitionsvertrag offenbar kurz vor dem Abschluss. Eigentlich sollte die Vereinbahrung schon am Freitag präsentiert werden. Doch der Termin wurde verschoben.

29.11.2019

Trotz ihres Einfallsreichtums ist eine Drogenbande aufgeflogen, die Crystal Meth von Tschechien nach Deutschland geschmuggelt hat. Die Täter versteckten die Drogen in Feuerlöschern. Zu den Zielen soll auch Thüringen gehört haben.

28.11.2019