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Mitteldeutschland Sächsische Impfkommission will Corona-Kinderimpfung empfehlen
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Sächsische Impfkommission will Corona-Kinderimpfung empfehlen

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09:40 28.11.2021
Ab 20. Dezember will Biontech den Kinderimpfstoff in Europa ausliefern / Siko-Chef Dr. Thomas Grünewald empfiehlt die Impfung bei 5- bis 11-Jährigen mit gesundheitlichen Problemen.
Ab 20. Dezember will Biontech den Kinderimpfstoff in Europa ausliefern / Siko-Chef Dr. Thomas Grünewald empfiehlt die Impfung bei 5- bis 11-Jährigen mit gesundheitlichen Problemen. Quelle: dpa / André Kemner
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Leipzig

Der Chef der Sächsischen Impfkommission (Siko), Dr. Thomas Grünewald, befürwortet Corona-Impfungen für 5- bis 11-Jährige. Wie er am Donnerstag in einer Talkrunde der Leipziger Volkszeitung erklärte, sollten nach einer Freigabe des Impfstoffs durch die Europäische Union auf jeden Fall Kinder mit gesundheitlichen Risiken gegen das Corona-Virus geimpft werden. Auch in dieser Altersgruppe gebe es zum Teil erhebliche Erkrankungen in Folge der Infektion, wie schwere Covid-19-Fälle, aber auch das Multiorgan-Entzündungssyndrom (Pims). Diese Probleme könnten mit einer Impfung verhindert werden. Wie Grünewald am Donnerstag durchblicken ließ, werde sich die Siko demnächst auch offiziell entsprechend positionieren.

Wer kann geimpft werden?

Neben den Kindern mit Vorerkrankungen könnten aber auch alle anderen in der Altersgruppe der 5- bis 11-Jährigen auf diese Art geschützt werden, wenn die Impfung nach reichlicher Überlegung der Eltern mit dem Kinderarzt besprochen wird. Er persönlich würde kein Elternteil wegschicken, dass sein Kind impfen lassen möchte, „auch wenn das Kind keine offensichtlichen Risiken hat. In der Pandemie kann man keine Altersgruppen auslassen, was Impfungen oder Präventionsmaßnahmen betrifft“, so Grünewald weiter.

Wer profitiert von der Kinderimpfung?

Für Kinder mit gesundheitlichen Risiken bestehe durch eine Corona-Schutzimpfung tatsächlich ein individueller Vorteil, begründete der Siko-Chef die Empfehlung. Für allen anderen gebe es auch ohne konkrete Risiken mindestens einen pandemischen Vorteil durch die Immunisierung.

Wie Professor Michael Borte vom Klinikum St. Georg ergänzte, der ebenfalls Mitglied der Siko ist, gebe es diese gesamtgesellschaftlichen Gründe für eine Impfentscheidung bei Kindern unter anderem auch beim jährlichen Grippe-Schutz. „Bei der Influenza sind Kinder das Feuer in der Epidemie. Man kann dies durchaus auch auf die Sars-Cov-2-Pandemie übertragen“, so Borte. Wenn es nun gelinge, alle zu impfen, könnte die Corona-Pandemie gestoppt werden.

Wie wurde der Impfstoff für Kinder getestet?

Bisher ist ein Kinderimpfstoff von Hersteller Biontech verfügbar, der etwa ein Drittel der Dosis beinhaltet, die bei Erwachsenen verwendet wird. Wie Grünewald erklärte, hätten die Testreihen mit 1500 Kindern klar nachgewiesen, wie wirksam das Vakzin auch bei den 5- bis 11-Jährigen ist. Bezüglich der Analyse von seltenen Nebenwirkungen müssten nun aber noch Sicherheitsdaten von Hunderttausenden oder einer Million geimpfter Kinder ausgewertet werden. Dies habe die Siko bei ihrer Entscheidung, die Impfung für kleine Kinder mit gesundheitlichen Problemen zu empfehlen, auch berücksichtigt. In den USA und in Israel wird der Corona-Kinderimpfstoff bereits seit einigen Wochen verimpft – bisher ohne Probleme.

Welche Formalien bremsen die Impfung noch?

Am Donnerstag hatte die Europäische Arzneimittel Agentur (EMA) ihre Empfehlung ausgesprochen, den Kinderimpfstoff von Biontech für die EU zuzulassen. Die Entscheidung muss von der Europäischen Kommission getroffen werden. Danach will sich die bundesdeutschen Ständige Impfkommission (Stiko) näher mit dem Thema beschäftigen und ebenfalls über eine Empfehlung beraten. Bei einer Zulassung in der EU wäre ein Start der Impfungen in dieser Altersgruppe aber auch ohne Stiko-Empfehlung möglich. Schon jetzt gibt es eine Initiative von 60 deutschen Kinderärzten, die bundesweit Termine für Impfungen vergeben.

Wann ist der Impfstoff lieferbar?

Wie Hersteller Biontech angekündet hat, könnten ab 20. Dezember alle europäischen Länder mit dem Produkt beliefert werden. Laut Bundesgesundheitsministerium sind etwa 2,5 Millionen Dosen bereits bestellt. In Deutschland leben etwa vier Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren.

Von Matthias Puppe