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Mitteldeutschland Sachsens Ministerpräsident Kretschmer ist Ehrengast der 475. Schaffermahlzeit in Bremen
Region Mitteldeutschland Sachsens Ministerpräsident Kretschmer ist Ehrengast der 475. Schaffermahlzeit in Bremen
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21:56 23.01.2019
Der altehrwürdige Bremer Rathaussaal während des Schaffermahls. Michael Kretschmer wird am 8. Februar Ehrengast sein. Quelle: „Haus Seefahrt“
Bremen/Leipzig

„Für uns Bremer Kaufleute ist das ein bisschen wie Weihnachten“, sagt Thilo Schmitz und umschreibt damit „den Zauber“, der für ihn von der Schaffermahlzeit ausgeht. Nun schon zum 475. Mal findet dieses gesellschaftliche Ereignis am 8. Februar in der altehrwürdigen Hansestadt Bremen statt – und in diesem Jahr gibt es einen starken Bezug zu Mitteldeutschland, denn ein Sachse ist Ehrengast: Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

Die Schaffermahlzeit war in der alten Zeit der christlichen Seefahrt das Abschiedsessen, das begüterte Kaufleute und Reeder alljährlich am Ende des Winters ihren Kapitänen gaben, wenn diese nach der durch Sturm und Eis erzwungenen Liegezeit wieder in ferne Länder aufbrachen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist am 8. Februar Ehrengast beim Schaffermahl der Bremer Kaufleute. Quelle: Anja Schneider

Das Wort „Schaffen“ hat nichts mit sächsischer Betriebsamkeit zu tun, sondern kommt aus dem Niederdeutschen und bedeutet so viel wie „Essen fassen“. Heute könnte man sagen, das Schaffermahl ist ein karitatives Festessen, bei dem Geld gesammelt wird für in Not geratene Seeleute oder deren Witwen.

Am Schaffermahl nehmen rund 100 Kaufleute, 100 Seeleute und 100 auswärtige Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Wissenschaft teil. Letztere dürfen aber nur einmal in ihrem Leben teilnehmen, wie Thilo Schmitz betont. Er ist Inhaber der Carpe Diem GmbH Bremen, die Handel bis nach Südamerika betreibt, und er ist einer der drei amtierenden Kaufmännischen Schaffer, die für 2019 als Gastgeber des Mahls fungieren und es auch bezahlen.

Die Speisekarte des Schaffermahls

Essen: Bremer Hühnersuppe

Stockfisch, Senfsauce und Kartoffeln

Braunkohl, Pinkel, Rauchfleisch, Maronen, Bratkartoffeln

Kalbsbraten, Selleriesalat, Katharinenpflaumen, gedämpfte Äpfel

Rigaer Butt, Sardellen, Wurst, Zunge, Chester- und Rahmkäse

Getränke: Rotwein: ein Bordeaux, Weißwein: ein deutscher oder Elsässer Weißwein; Seefahrtsbier: ein vitaminreiches Bier, das extra für die Schaffermahlzeit nach alten Überlieferungen gebraut wird; Mineralwasser

Nach dem Essen: Mokka, dazu Tabak und Tonpfeifen

Kleiderordnung: Frack, weiße Weste und Fliege

Über die Höhe der Kosten wird traditionell Stillschweigen bewahrt, aber Schmitz verrät, dass es von der Regel der Einmaligkeit der Gäste doch zwei Ausnahmen gegeben hat: Theodor Heuss (1884-1963) bat nach seiner Wiederwahl als Bundespräsident erneut um seine Teilnahme, was man ihm nicht abschlagen wollte.

Und Horst Köhler, der 1994 als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes teilnahm, kam 2009 ein zweites Mal zum Zuge – als Ehrengast, wie nun Michael Kretschmer.

Der sächsische Regierungschef sagte der LVZ, er habe die Einladung zur Schaffermahlzeit sehr gerne angenommen. Kretschmer: „Das ist eine große Ehre für mich persönlich aber auch stellvertretend für die Menschen in ganz Sachsen. Ich freue mich auf meinen Besuch in Bremen und bin neugierig darauf, hanseatische Traditionen kennenzulernen.“

Zu diesen Traditionen gehört die Stiftung „Haus Seefahrt“, die letztlich auch Veranstalter der Schaffermahlzeit ist und der auch die Einnahmen aus der Spendensammlung, die während des Essens stattfindet, zufließen.

Die Stiftung betreibt in Bremen-Grohn mit dem Seefahrtshof auf einem 20 000 Quadratmeter großen Parkgelände eine Wohnanlage, in der Seeleute mit ihren Frauen den Ruhestand verleben können. „Haus Seefahrt“ betreut derzeit 90 Witwen von Seemännern, die dort auch mietfrei wohnen können, wenn eine Bedürftigkeit vorliegt.

Beim Schaffermahl, traditionell eine Herrenveranstaltung, wenngleich die Satzung Frauen nicht völlig ausschließt, wird kräftig gegessen und getrunken und es werden Reden gehalten.

Neben dem Willkommensgruß elf Stück an der Zahl, so die „Rede auf Bundespräsident und Vaterland“, die „Rede auf Handel, Schifffahrt und Industrie“ oder die „Rede auf Haus Seefahrt“ – ganz zum Schluss: die Rede des Ehrengastes.

Man darf gespannt sein, was Kretschmer vor hanseatischen Fahrens- und Kaufleuten sagen wird. Im Vorfeld ließ er durchblicken: „Tradition und Brauchtumspflege sind wichtig in einer globalisierten Welt. Das wird in Bremen nicht anders sein als in Sachsen.“

Und er freut sich auf die Diskussion mit den Jugendlichen, die nach der Schaffermahlzeit den Seefahrtsball eröffnen. Kretschmer: „Ich bin gespannt, was sie bewegt und was sie für Fragen stellen werden.“

Übrigens: Sachsen war schon zwei Mal vertreten beim Schaffermahl: 2005 und 2013 - jeweils mit den damaligen Ministerpräsidenten Georg Milbradt beziehungsweise Stanislaw Tillich.

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