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Mitteldeutschland Sachsens Konjunktur verliert weiter an Schwung
Region Mitteldeutschland Sachsens Konjunktur verliert weiter an Schwung
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14:39 28.05.2019
Der Bau bleibt auch in Sachsen die Konjunkturlokomotive Quelle: Volkmar Heinz
Chemnitz/Leipzig

Die Konjunktur in Sachsen verliert weiter an Schwung. Im Frühjahr kühlte sich das Geschäftsklima im Freistaat erneut ab. Das geht aus der Frühjahrsumfrage der drei Industrie- und Handelskammern (IHK) hervor, die am Dienstag vorgestellt wurde. Gegenüber dem Rekordwert von Anfang 2018 ging der Geschäftsklimaindex, den die Kammern dreimal im Jahr ermitteln, von 138 auf 128 Punkte zurück. Das war bereits er vierte Rückgang in Folge. Dieter Pfortner, Präsident der IHK Chemnitz und derzeit Sprecher der drei IHKs im Freistaat ist, sprach von „einer sich verfestigenden Flaute“. Zuvor war der Wert fast vier Jahre lang kontinuierlich gestiegen.

„Das Fahrwasser für die sächsische Wirtschaft wird schwieriger“, sagte Leipzigs IHK-Präsident Kristian Kirpal. „Bei einer immer noch guten Geschäftslage nehmen die geschäftlichen Risiken im In- und Ausland erkennbar zu. Nicht überall und in jeder Branche, aber Fachkräfteengpässe, steigende Kosten, der ungelöste Brexit und internationale Handelskonflikte verunsichern die Unternehmen inzwischen stark.“ Hinzu kämen die Probleme der gerade in Leipzig starken Autoindustrie. „Strukturbestimmende Branchen wie der Kraftfahrzeugbau stehen aktuell vor besonderen Herausforderungen, nicht zuletzt durch das Thema Elektromobilität“, so Kirpal weiter.

Mehr Investitionen in Bildung und Infrastruktur gefordert

„Angesichts einer sich verfestigenden Flaute brauchen wir verbesserte Standortfaktoren, von denen alle profitieren“, forderte der Chemnitzer IHK-Präsident Dieter Pfortner im Namen der drei Kammern. „Jetzt sind beschleunigte Investitionen in Bildung und Infrastruktur, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, eine Unternehmenssteuerreform, die steuerliche Forschungsförderung, Entlastungen bei den Strompreisen und vor allem ein wirklicher Bürokratieabbau ein Muss.“

Vor allem mit der aktuellen Lage zeigte sich die 1892 befragten Betriebe unzufrieden. Zwar zeigte sich weiter 58 Prozent der Unternehmen mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden. Bei der vorigen Umfrage zum Jahresbeginn waren es aber noch 63 Prozent gewesen. Für die kommenden Monate herrsche dagegen verhaltener Optimismus, so die drei Kammern: 88 Prozent der Betriebe rechnen mit guten oder sogar besseren Geschäften, nur 12 Prozent mit einer Verschlechterung. Und: 21 Prozent gehen sogar von einer Verbesserung aus, ein Prozentpunkt mehr als noch zu Jahresbeginn.

Industrie lahmt, Bau boomt

Vor allem in der Industrie kühlte sich die Stimmung deutlich ab. Und auch die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate zeigen nach unteren. Grund: Aus dem In- wie Ausland gehen weniger Aufträge ein. Nur noch jeder siebente Betrieb rechnet binnen Jahresfrist mit steigenden Umsätzen, nur jeder zwanzigste mit einem Anziehen der Exporte. Vor einem Jahr hatten beide Wert noch mehr als doppelt so hoch gelegen.

Das Baugewerbe läuft dagegen weiter auf Hochtouren. „Hohe Umsätze, eine gute Ertragsentwicklung und eine sehr positive Tendenz der Auftragseingänge sorgen für Hochstimmung“, so die drei Kammern in Ihrem Bericht. 82 Prozent der Betriebe beurteilen ihre derzeitig Lage als gut – ein neues Allzeithoch.

Und eine Eintrübung ist nicht in Sicht. Die Zuversicht, dass der Bauboom weitergeht, hat sich sogar wieder etwas erhöht. Bei den beiden vorherigen Umfragen hatten sich die Stimmen gemehrt, die vor einem baldigen Ende des Booms warnten. Jetzt stieg die Zuversicht wieder, dass es am Bau weiter gut laufen werde.

„Jammern auf hohem Niveau“

Insgesamt sei die Stimmung aber noch weiter von echter Alarmstimmung entfernt, so die Kammern. „Die Wirtschaft in Sachsen befindet sich weiterhin in einer guten Verfassung“, so das Fazit der Kammern. Sie habe aber im Frühjahr nochmals an Schwung verloren.

„Das ist Jammern auf hohem Niveau“, hatte Dresdens IHK-Chef Andreas Sperl, im Hauptberuf Chef der Elbe-Flugzeugwerke, schon bei der Vorstellung der vorigen Umfrage im Februar gesagt. Da hatte das Geschäftsklimaindex mit 130 Punkten noch zwei Punkte höher gelegen als jetzt. Anfang 2009 hatte er nur bei 79 Punkten gelegen, beim bisherigen Bestwert Anfang 2018 bei 138.

Von Frank Johannsen

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