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Mitteldeutschland Sachsens Industrie pessimistisch: Fast jede vierte Firma plant Kurzarbeit
Region Mitteldeutschland Sachsens Industrie pessimistisch: Fast jede vierte Firma plant Kurzarbeit
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18:27 31.01.2020
Montage von Golf-Karosserien im VW-Werk in Zwickau. Das Werk stellt komplett auf die Produktion von E-Autos um. 2021 sollen nur noch Elektrofahrzeuge vom Band rollen. Quelle: AP
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Leipzig

Sachsens Metall- und Elektroindustrie schaut pessimistisch in die Zukunft. Weil weniger Aufträge eingehen, plant fast jedes vierte Unternehmen mit Kurzarbeit. „Auch wenn sich der sächsische Arbeitsmarkt im Jahresvergleich weiterhin positiv zeigt, sehen wir die schwierige Entwicklung in der Metall- und Elektroindustrie, dem wichtigsten Industriezweig im Freistaat, mit großer Sorge“, sagt Sandra Lange von der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW).

Auch aus Bayern und Baden-Württemberg kommen Signale, dass insbesondere die Automobil- und Zuliefererbranche über Einbußen in Produktion und Export klagt. Schuld am Auftragsrückgang hat die weltweite konjunkturelle Eintrübung, infolge derer weniger Autos nachgefragt werden, sowie der Strukturwandel hin zur Elektromobilität. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sieht zudem in der Transformation in der Automobilindustrie eine große Herausforderung für Unternehmen und Beschäftigte.

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Mehr als 1700 Firmen von schacher Nachfrage betroffen

In Sachsens Metall- und Elektroindustrie hat laut VSW die Auslastung im Januar nur bei 84 Prozent gelegen und damit unter dem Durchschnitt der letzten Jahre. „Der Auftragsbestand wurde zum Jahresanfang von den sächsischen Firmen so ungünstig wie seit vier Jahren nicht mehr bewertet“, sagt die Sprecherin beim VSW, dem Dachverband der sächsischen Arbeitgeber und Wirtschaftsverbände, weiter. Über 1700 Betriebe spürten die weltweit schwächere Nachfrage bereits deutlich.

3000 Zeitarbeitsplätze bereits abgebaut

Trotz der zunehmenden Schwierigkeiten seien die Stammbelegschaften mit 190 000 Mitarbeitern erfreulicherweise noch stabil, da die Unternehmen alles tun würden, um ihre Fachkräfte an Bord zu halten. „Allerdings kann erstmals seit 2009 kein Beschäftigungsaufbau mehr verzeichnet werden“, so Lange weiter. „Stattdessen ist die Beschäftigung von Zeitarbeitern in diesen Branchen zum Jahresende 2019 um über 3000 gegenüber dem Vorjahr auf zuletzt noch rund 15 000 gesunken.“

Die Landesarbeitsagentur Sachsen bestätigt, dass die Anzeigen auf Kurzarbeitergeld in diesem Jahr zugenommen haben. „Wir spüren ein leicht steigendes Interesse der Unternehmen“, sagt Agentursprecher Frank Vollgold. Aber von einer Krise wie 2009 sei man noch weit entfernt. Aktuell sei einer von 500 Beschäftigten in Sachsen von Kurzarbeit betroffen. Während der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 hat es einen von 20 Beschäftigten getroffen.

In Krisenzeiten 65 000 Beschäftigte betroffen

Konkret waren damals rund 65 000 Beschäftigte in 3800 Betrieben betroffen. Im Vorjahr verzeichnete man für 3256 Beschäftigte in 121 Firmen – überwiegend im verarbeitenden Gewerbe – einen Arbeitsausfall, der über Kurzarbeitergeld ausgeglichen wurde. Rund 1,6 Millionen Männer und Frauen im Freistaat sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Der sächsische Arbeitsmarkt sei in einer guten Verfassung, sagt Vollgold weiter. Die Arbeitslosenquote werde dieses Jahr auf einem niedrigen Niveau verbleiben.

Ziel von Kurzarbeit ist es, die Mitarbeiter nicht zu kündigen. Sie sollen dem Betrieb erhalten bleiben und könnten in dieser Zeit sogar weiterqualifiziert werden. Die Weiterbildungskosten übernehmen Arbeitsagenturen oder Jobcenter. Die Berliner Koalition hat jetzt die Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds bei lang anhaltendem Arbeitsausfall auf betrieblicher Ebene verlängert. Und zwar von 12 auf bis zu 24 Monate, sofern die Beschäftigten während der Kurzarbeitsphase qualifiziert werden.

Dulig: Kurzarbeit hilft in Krisenzeiten

Das Instrument der Kurzarbeit habe bereits bei der Bewältigung der Finanzkrise einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass Deutschland die darauffolgende Konjunkturkrise so schnell überwinden konnte, sagte Minister Dulig. Die Verlängerung auf zwei Jahre komme vor allem den Beschäftigten der Automobilindustrie zugute. Denn die Branche stehe vor gewaltigen Herausforderungen wie „die Digitalisierung der Fertigung, der Aufbruch in die Elektromobilität und die neuen Anforderungen an eine umweltverträgliche Mobilität“. Mit rund 100 000 Beschäftigten ist die Branche laut Dulig schon aufgrund ihrer Größe von immenser Bedeutung für den Freistaat als Automobilland und für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland.

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