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Mitteldeutschland Sachsens Handwerker laufen Sturm gegen Mindestlohn für Azubis
Region Mitteldeutschland Sachsens Handwerker laufen Sturm gegen Mindestlohn für Azubis
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15:55 21.11.2018
Nur 200 Euro pro Monat: Friseur-Azubis sind in Sachsen Schlusslicht bei der Bezahlung. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
Dresden

Die Zeiten, in denen Schulabgänger kaum eine Lehrstelle fanden, sind eigentlich längst vorbei. Doch das könnte sich bald ändern, warnt jetzt Sachsens Handwerkspräsident Roland Ermer. Sollte es zu der von der Bundesregierung geplanten Mindestausbildungsvergütung kommen, dann könnten sich viele Betriebe komplett aus der Berufsausbildung zurückziehen.

Das, so warnt Ermer, könnte eine neue Abwanderungswelle junger Menschen von Ost nach West auslösen. Wie in den Jahren kurz nach der Wende müssten Schulabgänger für Ausbildung in die alten Bundesländer gehen. „Wir haben nach der Wende schon eine ganze Generation an den Westen verloren. Das darf sich nicht wiederholen.“

GroKo plant 504 Euro Mindestlehrgeld

Hintergrund sind Pläne der Großen Koalition, ab 2020 eine bundeseinheitliche Mindestausbildungsvergütung einzuführen. 504 Euro sollen es im ersten Ausbildungsjahr sein. Damit, so Ermer, würde auch für Azubis eine Art Mindestlohn eingeführt. Von der seit 2015 geltenden Lohnuntergrenze sind Lehrverträge bisher ausdrücklich ausgenommen.

Gerade im Osten würden viele das höhere Ausbildungsentgelt nicht bezahlen können, kritisiert Ermer. Denn wegen der Nähe zu Polen und Tschechien mit seinen deutlich niedrigeren Löhne könnten hiesige Handwerker die höheren Kosten nicht so leicht auf die Preise umlegen, wie ihre Kollegen in Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen. Da hätten es die Betriebe im Westen leichter.

Ermer selbst, der eine Bäckerei in Bernsdorf bei Hoyerswerda mit drei Filialen und 32 Mitarbeitern betreibt, ist von den Plänen zwar nicht betroffen. „Für Bäcker gilt ein Tarifvertrag. Und da liegt die Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr bei 565 Euro – also über den geplanten 504 Euro.“ Doch viele andere Azubis erhalten deutlich weniger.

Friseure und Fotografen erhalten nur 200 Euro

Friseure und Fotografen etwa, die im ersten Jahr mit 200 Euro starten, oder Zweiradmechaniker, die auch im letzten Ausbildungsjahr noch keine 300 Euro erhalten. Mit der Mindestausbildungsvergütung würde sich ihr Verdienst mehr als verdoppeln – und damit auch die Kosten des Lehrbetriebes. Keine Probleme hätte dagegen die boomende Baubranche: Dachdecker, Gerüstbauer und andere Bauhandwerker erhalten schon jetzt im dritten Lehrjahr mehr als 1000 Euro, Maler und Elektriker mindestens 850. Das geht aus einer aktuelle Aufstellung der Handwerkskammer Leipzig hervor.

Fast die Hälfte der Lehrstellen wäre aber von der neuen Mindestvergütung betroffen, sagt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. „45 Prozent der Lehrverträge liegen aktuell unter der geplanten Grenze.“ Und das seien vor allem Kleinstbetriebe, die sich eine deutliche Anhebung kaum leisten könnten. Vor allem für Handwerker mit bis zu zehn Beschäftigten werde die Mindestvergütung zur Herausforderung.

Dabei haben viele Handwerker derzeit eher das Problem, überhaupt Lehrlinge zu finden. Die berufliche Ausbildung müsse daher attraktiver werden, räumte Ermer ein. Das gelte auch für die Bezahlung. „Wir haben nichts gegen eine entsprechend hohe Vergütung.“ Das Entgelt dürfe aber nicht bundesweit einheitlich und für alle Berufe gelten. „Hier müssen regionale und branchenspezifische Besonderheiten berücksichtigt werden.“ Und das würde er lieber nicht gesetzlich, sondern per Tarifvertrag regeln.

DGB weist Kritik zurück

Beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), der sogar eine noch höhere Mindestausbildungsvergpütung von 635 Euro fordert, stößt die Kritik des Handwerks auf Unverständnis. „Wir würden gern mehr Tarifverträge abschließen. Doch dem verweigern sich die Handwerker seit Jahren“, sagt Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach. Daher bleibe gar nichts anderes übrig, als per Gesetz einzugreifen.

Dass dies für die Betriebe nicht zu stemmen wäre, glaubt der Gewerkschafter nicht. „Ich bin verwundert, dass in Zeiten des Fachkräftemangels die Handwerker so aufs Geld schauen und ihre Azubis knapp halten wollen“, so der DGB-Mann „Azubis sind keine billigen Arbeitskräfte. Sie sind die Fachkräfte von morgen. Und wer sie gewinnen will, muss von Anfang an gute Bedingungen bieten.“

Von Frank Johannsen

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