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Mitteldeutschland Sachsens Grüne ziehen mit Leipziger Ärztin auf Platz 1 in den Wahlkampf
Region Mitteldeutschland

Sachsens Grüne ziehen mit Leipzigerin Piechotta in den Wahlkampf

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15:44 24.04.2021
Das Spitzentrio der sächsischen Grünen zur Bundestagswahl mit Paula Piechotta (M) auf Listenplatz eins, Bernhard Herrmann (l) auf Listenplatz zwei und Merle Spellerberg auf Platz drei freut sich über die Wahl auf dem Landesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen.
Das Spitzentrio der sächsischen Grünen zur Bundestagswahl mit Paula Piechotta (M) auf Listenplatz eins, Bernhard Herrmann (l) auf Listenplatz zwei und Merle Spellerberg auf Platz drei freut sich über die Wahl auf dem Landesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen. Quelle: Hendrik Schmidt
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Leipzig

Sachsens Bündnis 90/Grüne ziehen wieder mit einer Leipzigerin auf Listenplatz 1 in den Bundestagswahlkampf. Die Ärztin Paula Piechotta (34) wurde auf der Landesdelegiertenversammlung in der Leipziger Kongreßhalle mit 83 Prozent gewählt und folgt damit Monika Lazar (53), die nach 16 Jahren im Bundestag wie Stephan Kühn (seit sechs Monaten Baubürgermeister in Dresden) nicht mehr antritt. Lazar, die sich als Anti-Rechts-Kämpferin einen Namen gemacht hatte, wurde nach ihrer Abschiedsrede („Es gab Höhen und Tiefen und ich habe viel dazu gelernt“) von den Delegierten mit stehenden Ovationen gefeiert.

Piechotta setzt auf Gesundheitspolitik

Nachfolgerin Piechotta, die als Fachärztin (Radiologie) an der Leipziger Uniklinik arbeitet, hatte sich zuvor quasi in einem Medizinerinnen-Duell im Stadtverband Leipzig gegen die Ex-OBM-Kandidatin Katharina Krefft in einer Abstimmung klar durchgesetzt. Piechotta war die einzige Bewerberin für den Top-Platz und punktete mit ihrer Rede bei den rund 110 Delegierten in der Kongreßhalle. Vor allem für eine bessere Gesundheitspolitik wolle sie sich einsetzen, sagte die gebürtige Thüringerin (Gera), die als Fachärztin „das System mit Nachtdiensten und all seinen Tiefs von innen erlebt“.

Bernhard Hermann gewinnt Kampfabstimmung

Auf Platz 2 setzte sich unter vier Bewerbern und Bewerberinnen, darunter der Eilenburger Enrico Kunze vom Kreisverband Nordsachsen, der Chemnitzer Bernhard Hermann (55) klar durch. Damit tritt die traditionelle Grünen-Arithmetik mit Frau und Mann wechselnd dann doch wieder in Kraft. Am Beginn der Versammlung war noch die Wahlordnung geändert worden, demnach standen die geraden Listenplätze auch für Bewerbungen von Frauen offen. Annett Jagiela vom Kreisverband Görlitz schaffte es aber nicht auf Listenplatz 2, auch bei der Abstimmung um Platz 3 verlor die Büroleiterin von Fraktionschefin Franziska Schubert.

Jugendsprecherin Spellerberg auf Platz drei

Auf den aussichtsreichen dritten Platz wurde Merle Spellerberg (24) vom Kreisverband Dresden gewählt. Die Sprecherin der Grünen Jugend setzte sich (57:37) gegen Jagiela durch. Einen herben Dämpfer erhielt dagegen Landesvorstandssprecher Norman Volger (42). Der Leipziger Stadtrat zog beim Listenplatz 4 gegen Kassem Taher Saleh (27), einem Bauingenieur aus dem Vogtland mit irakischen Wurzeln, den Kürzeren. Volger, der sich in seiner Rede für die Sportpolitik stark gemacht hatte, kam auf 44 Prozent, Saleh, Sprecher der AG Flucht und Migration, auf 56 Prozent. Ein Ergebnis, das der Saal mit Jubel quittierte. Der Dresdner Saleh („Hatte das Glück in Sachsen eine gute Bildung zu genießen“) kündigte an, sich im Bundestag für eine humane Flüchtlingspolitik einzusetzen.

Bei Platz 5 konnte sich schließlich doch noch Annett Jagiela durchsetzen, im dritten Wahlgang gegen Karola Köpferl (Chemnitz). Landeschef Volger errang Platz 6, setzte sich klar gegen Olaf Horlbeck (Vogtland) und Denis Korn (Nordsachsen/Oschatz) durch.

Kassem Taher Saleh spricht vor seiner Wahl auf Platz vier der Landesliste auf dem Landesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen. Quelle: Hendrik Schmidt

Grüne wollen bestes Sachsen-Ergebnis

Mit den letzten guten Umfragen im Rücken und der Aufbruchstimmung nach der konfliktfreien Kandidaten-Nominierung von Annalena Baerbock wollen die Grünen in Sachsen das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielen. Das kündigte Parteichefin Christin Furtenbacher an. 2017 hatten die Grünen unter fünf Prozent gelegen, das soll aus ihrer Sicht im September viel besser werden. „Noch nie waren die Zeichen für uns so günstig“, sagte die scheidende Monika Lazar. Sie warnte aber auch vor zu frühem Optimismus. Sollten die Grünen ihr Ergebnis von 2017 mindestens verdoppeln und weit über 10 Prozent landen, könnten auch in Sachsen mindestens drei Listenplätze ziehen. Auch Platz 4 gilt noch als sehr aussichtsreich, dazu kommen gute Chancen auf Direktmandate in den Wahlbezirken Leipzig-Süd und Dresden II/Bautzen II.

In einem einstimmig angenommenen Leitantrag geht es um bündnisgrüne Kernthemen wie Klimaneutralität, Stärkung des ÖPNV und Ausbau von Fuß-, Rad- und Bahnverkehr. Am Freitagabend wurde auch der „NoCovid“-Antrag von sieben Delegierten angenommen, der Schul- und Kitaschließungen fordert, solange der Inzidenzwert nicht unter 100 fällt. Ähnlich wie bei Forderungen der sächsischen Linken geht es zudem um großflächige Stilllegung von produktiven Bereichen in der Wirtschaft.

Von André Böhmer