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Mitteldeutschland Sachsens Grüne drängen auf weniger Plastikmüll im Boden
Region Mitteldeutschland Sachsens Grüne drängen auf weniger Plastikmüll im Boden
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21:03 19.12.2018
Sachsens Grüne werfen dem Umweltministerium vor, zu wenig gegen Plastikreste im Boden durch verpackte Lebensmittel zu unternehmen. Quelle: Arno Burgi/dpa
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Leipzig/Dresden

  

Flüsse und Ozeane, aber auch Gärten und Äcker werden durch immer mehr Plastikabfälle vermüllt. Dennoch sieht sächsische Staatsregierung nach Ansicht der Grünen im Landtag „keinen Handlungsdruck, bei der Plastikflut politisch gegenzusteuern“. So zumindest kommentiert der Fraktionsvorsitzende Wolfram Günther die Antwort von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) auf eine Kleine Anfrage der Grünen zur Umsetzung einer Bundesratsinitiative zur Vermeidung von Plastikmüll. Daraus sei ersichtlich, „dass dem Freistaat weder Zeitplan noch konkrete Maßnahmenpakete gegen den Plastikverpackungsmüll vorliegen“.

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„Plastik ist die Seuche unserer heutigen Verpackungsgesellschaft“, betonte Günther. Allein in den letzten 20 Jahren habe sich der Plastikverbrauch verdoppelt, jeder Europäer verursache jährlich im Schnitt 50 Kilogramm davon. Durch die Mülltrennung lande zwar ein großer Teil der Verpackungen in gelben Säcken und Tonnen. „Durch das Schreddern eingeschweißter Lebensmittel landen aber zu viele Plastiksplitter in Gärresten“, erklärt Günther. Um das zu vermeiden, müssten eingeschweißte Lebensmittel vor der biologischen Behandlung entpackt werden, fordern die Grünen. 

Im grün-regierten Land Baden-Württemberg sei das bereits durchgesetzt. Die Politik dürfe das Müllproblem nicht einfach nur dem Handel vor die Füße werfen. „Es reicht nicht, wenn Umweltminister Schmidt die Hände in den Schoß legt und auf einen Anruf aus Berlin oder Brüssel wartet. Wir brauchen auf allen Ebenen eine Plastik-Strategie. Nur dann haben wir eine realistische Chance, die Plastikflut einzudämmen.“

Dem Umweltministerium sind „bisher keine vergleichbaren Fälle bekannt, bei denen Lebensmittelabfälle gemeinsam mit ihrer Kunststoffverpackung geschreddert und dann kompostiert werden“, erklärt Frank Meyer auf LVZ-Anfrage. „Möglicherweise auch deshalb, weil das marktführende Unternehmen der Lebensmittelabfallentsorgung, das scheinbar in Baden-Württemberg so arbeitet, in Sachsen keinen Standort hat.“ Man habe durchaus Interesse an der Vermeidung des Eintrags von Kunststoffabfällen in die Umwelt, betont der Ministeriumssprecher. „Politisch unterstützen wir die Aktivitäten auf Bundesebene, darunter Beschlüsse der Umweltministerkonferenz und des Bundesrates sowie Maßnahmen zur Reduzierung des Kunststoffeintrages über Düngemittel.“

Laut Düngemittelverordnung sind Verpackungen oder Verpackungsbestandteile vor dem Kompostierungs- oder Vergärungsprozess von den Bioabfällen zu trennen und dürfen nicht in den Komposten oder Gärresten enthalten sein.

„Komposterde aus sächsischen Anlagen enthält keine geschredderten Plasteabfälle“, versichert Reiner Kloß, der im ostsächsischen Bernstadt die Geschäfte der sächsisch-thüringischen Gütegemeinschaft Kompost führt. Der laut Düngemittelrecht unvermeidbare Plastikanteil sei auf ein Zehntausendstel beschränkt, „und das wird auch eingehalten“, so der Experte. „Weitaus größere Probleme bereiten uns in Mitteldeutschland die die vielen Plastiktüten in den Biotonnen der Privathaushalte. Die rauszuholen, erhöht den Sortieraufwand, der sich auf die Abfallgebühren auswirkt.“

Ab 1. Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft, das zusätzliche Anreize für Unternehmen schaffen soll, mehr Verpackungen auf den Markt zu bringen, die sich recyceln lassen. Die Recycling-Quote für Kunststoffverpackungen bis zum Jahr 2022 soll von heute 36 Prozent auf 63 Prozent steigen. Bei Metallen, Papier und Glas sollen es 90 Prozent werden.

Von Winfried Mahr