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Mitteldeutschland Sachsens Behörden-Lkw haben keine Abbiegeassistenten – Grüne fordern Nachrüstungen
Region Mitteldeutschland Sachsens Behörden-Lkw haben keine Abbiegeassistenten – Grüne fordern Nachrüstungen
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15:06 17.12.2018
Beim unachtsamen Rechtsabbiegen von Lkw sind häufig Radfahrer die Leidtragenden. (Archivfoto) Quelle: dpa
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Leipzig

Von den insgesamt 392 Lkw, die derzeit als Eigentum des Freistaates auf Sachsens Straßen unterwegs sind, ist keiner mit einem Abbiegeassistenten ausgerüstet. Das teilte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auf Nachfrage der Landtagsabgeordneten Katja Meier (Grüne) mit. Abbiegesysteme registrieren durch Sensoren Fahrradfahrer und Fußgänger neben Lkw, warnen bei Gefahren und leiten unter Umständen auch Notbremsungen ein. Nach Schätzungen von Unfallforschern könnten beim flächendeckenden Einsatz der Technik 60 Prozent aller Unglücke mit Radfahrers vermieden werden. Vorgeschrieben sind diese Systeme bisher nicht, auch wenn Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vehement für den Einsatz wirbt. Im Juni forderte der Bundesrat die Bundesregierung allerdings auf, zeitnah verbindliche Regelungen für alle Lkw zu schaffen.

Sollte dieser gemeinsame Vorstoß von Grünen, SPD und CDU im kommenden Jahr Früchte tragen, wird Sachsen 13 nachgerüstete Fahrzeuge bis Ende 2019 vorweisen können. Denn wie Dulig ebenfalls erklärte, werden drei von 27 Fahrzeugen der Landesfeuerwehrschule demnächst mit Abbiegehilfen ausgestattet und zehn neue Lkw der Polizei gleich mit entsprechenden Systemen bestellt. Bei anderen geplanten Neuanschaffungen für 2019 sind diese Sicherheitsvorkehrungen dagegen noch kein Thema – zum Beispiel bei 23 neuen Lkw für den sächsischen Katastrophenschutz oder bei vier neuen Gefährten für Sachsens Justizvollzugsanstalten.

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Zu Abbiegeassistenten (hier von EDEKA) gehören in der Regel Monitore und Sensoren an der rechten Seite des Fahrzeugs, die akustische Signale auslösen, falls ein Radfahrer neben dem Lkw steht. Quelle: EDEKA

Grüne: Staatsregierung hat Vorbildfunktion

Absehbar bliebe es damit bei 13 nachgerüsteten von knapp 400 sächsischen Behörden-Lkw. Für die Grünen sind das viel zu wenige. „Gerade weil es noch keine Nachrüstpflicht gibt, ist es umso wichtiger, dass die Staatsregierung ihrer Vorbildfunktion nachkommt, auch gegenüber den Kommunen“, sagte Katja Meier am Montag und forderte Dulig auf, sich gegenüber seinen Kabinettskollegen für noch mehr Nachrüstungen stark zu machen. „Tödlichen Abbiegeunfällen mit Radfahrenden muss konsequent begegnet werden", so Meier weiter.

Im Vergleich zu Crashs zwischen motorisierten Fahrzeugen sind Unfälle mit Radfahrern zwar seltener, allerdings ist das Risiko von schweren Verletzungen dort deutlich höher. Zudem sind Radfahrer in zwei Dritteln aller Fällen nicht selbst Verursacher, aber Leidtragende des Zusammenstoßes.

Vor allem in Großstädten werden Zweiräder häufig von rechtsabbiegenden Autos unzureichend beachtet. Ist ein Lkw beteiligt, enden die Zusammenstöße für die Radfahrer nicht selten tödlich So starb erst im Juni eine 16-Jährige auf dem Leipziger Innenstadtring, weil ein Lkw-Fahrer ihr beim Rechtsabbiegen die Vorfahrt nahm. Im Mai wurde ein 89-jähriger Radfahrer in Pirna von einem Lkw erfasst und tödlich verletzt, im Februar geriet in Dresden ein 27-jähriger Radler unter einen rechtsabbiegenden Lkw und musste mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Das Kind in seinem Fahrradanhänger blieb zum Glück unverletzt.

Von Matthias Puppe