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Mitteldeutschland Sachsen will sich an Halberg-Guss-Rettung beteiligen
Region Mitteldeutschland Sachsen will sich an Halberg-Guss-Rettung beteiligen
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19:26 22.10.2018
Sechs Wochen lang hatten die Mitarbeiter von Halberg Guss in Leipzig im Sommer gegen die geplante Schließung gestreikt. Quelle: André Kempner
Leipzig/Dresden

Der Freistaat Sachsen will sich an einer möglichen Rettung von Halberg Guss in Leipzig und Saarbrücken beteiligen. Nachdem das Saarland bereits vergangene Woche angekündigt hatte, den Neustart unter neuem Eigner mit bis zu 40 Millionen Euro zu unterstützen, denkt nun auch der Freistaat über Bürgschaften und Fördermittel nach. Am Dienstag soll es dazu mit dem Interessenten One Square Advisors aus München Gespräche geben, kündigte das Wirtschaftsministerium am Montag an.

„Wir werden natürlich alles versuchen, damit die Produktion am Standort Leipzig weitergehen kann“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Brangs (SPD). Daher wolle man mit dem möglichen Investor nun darüber reden, inwieweit das Land den Neustart mit Bürgschaften und Fördermitteln unterstützen könne.

Brangs: „Wir hoffen natürlich, dass wir mit dem Angebot entscheidend dazu beitragen können, dass es eine Perspektive in Leipzig gibt und sich der potenzielle Investor entscheidet, in Leipzig die Produktion fortzusetzen. Das Leipziger Werk war und ist wettbewerbsfähig, ist hervorragend ausgelastet und die Arbeiterinnen und Arbeiter sind gut ausgebildet.“

Investor will in Leipzig 600 Jobs erhalten

Als möglichen Retter hatte vergangene Woche der saarländische Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) die Münchner Beratungsfirma One Square Advisors genannt. Sie wolle die beiden Standorte in Leipzig und Saarbrücken erhalten und fortführen – und sogar an beiden Standorten investieren. Das Saarland will sich mit 40 Millionen Euro an der Rettung beteiligen. Dabei handelt es sich ebenfalls um Bürgschaften und Fördermittel.

Bei dem Spezialisten für Firmensanierungen war am Montag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Nach LVZ-Informationen würden in Leipzig rund 600 der einst 700 Jobs erhalten bleiben. Der Standort sei dem Interessenten sogar besonders wichtig, da es hier neue Technik für den Aluminium-Druckguss gebe.

Alle festangestellten Mitarbeiter wolle der Investor übernehmen, nur die Leiharbeiter könnten vorerst nicht weiterbeschäftigt werden. Früheren Angaben zufolge hatte das Werk 620 feste Mitarbeiter und 80 Leiharbeiter, von denen aber nach LVZ-Informationen nur noch 20 an Bord sind. Das Gros der Leiharbeiter hatte den Betrieb bereits in den vergangene Monaten verlassen.

Halberg Guss dämpft Hoffnung auf schnelle Lösung

Barke hatte einen Abschluss bis Ende Oktober in Aussicht gestellt. Halberg Guss selbst bestätigte, dass man weiter mit Interessenten für die Firma im Gespräch sei. „Es laufen mit verschiedenen Interessenten Gespräche über einen Verkauf des Unternehmens“, sagte ein Sprecher. „Allerdings zeichnet sich aktuell noch keine kurzfristige Lösung ab.“

Auf das Angebot von One Square Advisors ging er nicht konkret ein. „Bislang wurden eher vage Absichtserklärungen mit vielen aufschiebenden Bedingungen abgegeben, ein unterschriftsreifer Vertrag liegt noch nicht vor. Trotzdem gibt es weiter Verhandlungen.“

Nach LVZ-Informationen wird One Square Advisors am Ende aber nicht wirklich selbst als Investor einsteigen. Die Firma dürfte eher als Berater und Vermittler auftreten, glauben Beobachter. Wer als Geldgeber hinter dem Angebot steht, blieb zunächst offen. In der Vergangenheit war mehrfach spekuliert worden, Großkunden wie Deutz könnten den Zulieferer selbst übernehmen, um Prevent loszuwerden.

Betriebsrat fordert schnellen Abschluss

Der Leipziger Betriebsratschef Thomas Jürs begrüßte den Vorstoß des Interessenten. Zugleich forderte den Halberg-Guss-Eigner Prevent auf, nun zügig den Kaufvertrag zu unterzeichnen. „Prevent muss sich endlich entschieden.“ Es dürfte nicht länger um den Kaufpreis gefeilscht werden. „Die machen das auf dem Rücken der Arbeitnehmer. Mit dem Gezerre gefährden sie die Arbeitsplätze in Leipzig und Saarbrücken.“

Auch Leipzigs IG-Metall-Chef Bernd Kruppa forderte eine schnelle Lösung für den Standort. „Was die Beschäftigten bei Halberg brauchen, ist ein tragfähiges Unternehmenskonzept, das die Zukunft aller Arbeitsplätze sichert. Die Prevent-Gruppe darf ihre Unternehmensstrategie nicht auf dem Rücken der Beschäftigten durchsetzen.“

Investor will Kunden zurückgewinnen

One Square Advisors verhandelt bereits seit August mit Prevent über einen Kauf der Tochter. Prevent hatte sich auf Druck der IG Metall, die beide Werke im Sommer sechs Wochen lang bestreikt hatte, darauf eingelassen, einen Käufer für die Firma zu suchen.

Der Investor bemüht sich nach LVZ-Informationen derzeit darum, die früheren Abnehmer von Halberg Guss wieder ins Boot zu holen. Denn seit dem Einstig von Prevent bei der Gießereigruppe waren immer mehr Kunden abgesprungen – oder waren von Prevent vor die Tür gesetzt worden.

Im März hatte sich der neue Eigner zunächst mit dem Hauptkunden VW, der bisher zwei Drittel der Motorblöcke abnahm, angelegt. Zunächst wurden die Preise kräftig erhöht, dann ein zeitweiliger Lieferstropp verhängt. VW und deren Töchter Scania und MAN stellten daraufhin die Zusammenarbeit mit Halberg Guss im Sommer ein.

Zulieferstreit schwelt seit 2016

Mit den Wolfsburger liefert sich die bosnische Familie Hastor, die hinter Prevent steht, seit Jahren eine erbitterten Zulieferstreit. 2016 hatte VW deshalb sogar zeitweise die Bänder stoppen müssen. Laut „Spiegel“ gibt es bei VW inzwischen eine interne Strategie, grundsätzlich nicht mehr mit Prevent-Töchtern zusammenzuarbeiten. Von allen anderen Prevent-Töchtern hatte sich VW daher im März getrennt.

Bei Halberg Guss blieb es aber nicht beim Streit mit VW. Im September traf es dann auch die verbliebenen Großkunden Daimler, Deutz und General Motors (GM). Auch hier wurden die Preise erhöht und zeitweilig die Lieferung eingestellt. Daimler hat seien Vertrag mit Halberg Guss daraufhin gekündigt, bei Deutz und GM sprach Halberg Guss die Kündigung aus, weil beide die Preiserhöhungen nicht akzeptieren wollten.

Dem Vernehmen nach hat One Square Advisors bereits die meisten der Kunden wieder zurückgeholt. Voraussetzung: Prevent zieht sich zurück. Unter neuem Eigner wären die Kunde bereit, sofort wieder Teile aus Leipzig und Saarbrücken abzunehmen.

Produktionsstopp in letzter Minute verhindert

Vergangene Woche hatten beide Werke noch kurz vor dem Produktionsstopp gestanden. Die Lieferanten von Strom und Schrott bestanden auf Vorkasse. Kurz vor Ablauf des Ultimatums des Stromversorgers lenkte das Unternehmen aber ein – und überwies die geforderte Vorauszahlung. Die für Freitag angedrohte Stromsperre wurde abgewendet. Und es fand sich auch ein Schrotthändler, der weiter ohne Vorkasse liefert.

„Die Stromversorgung beider Werke ist gesichert“, erklärte am Montag der Halberg-Guss-Sprecher. Bei der Belieferung mit Schrott, der in den Öfen dann eingeschmolzen wird, um daraus die Motorblöcke zu gießen, sei man noch mit den Lieferanten im Gespräch. „Hier versuchen wir weiter, eine Lösung zu finden.“

Nach LVZ-Informationen gibt es derzeit nur einen einzigen Lieferanten, der weiter ohne Vorkasse liefert. Das reicht aber nur für kleine Mengen. Alle anderen haben die Belieferung eingestellt. Da nun nicht mehr genug Material zum Einschmelzen ankommt, wurde in Leipzig die Produktion gedrosselt.

Prevent will Maschinen verkaufen

„Aktuell ist das Ziel, die Produktion in Leipzig und Saarbrücken zügig und nachhaltig wieder anzufahren“, sagte der Firmensprecher. Zugleich bestätigte er, dass es erste Gespräche über einen Verkauf der Maschinen gebe. Da Daimler und VW nichts mehr abnehmen, könne man die Maschinen für diese Motoren jetzt auch „verwerten“ – also verkaufen

Vergangene Woche hatte es bereits geheißen, erste Maschinen seien an eine Firma aus den USA verkauft worden. In Leipzig abgebaut wurde bisher aber noch nichts, hieß es beim Betriebsrat.

Halberg Guss gehört seit Januar zur Prevent-Gruppe. Der neue Eigner hatte angekündigt, das Leipziger Werk Ende März 2019 zu schließen und in Saarbrücken 400 der 1500 Jobs zu streichen.

Von Frank Johannsen

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