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Mitteldeutschland Bildungsmonitor: Sachsen auf Rang 1 – das sind die Gründe
Region Mitteldeutschland Bildungsmonitor: Sachsen auf Rang 1 – das sind die Gründe
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14:59 15.08.2019
Ein Junge nimmt bei den Hausaufgaben im Fach Mathematik seine Finger zur Hilfe um besser zählen zu können. (Archivfoto) Quelle: Patrick Pleul/dpa
Berlin

Die Bildung in Sachsen ist im Bundesvergleich auch weiterhin erstklassig. Zu diesem Schluss kommt der alljährliche Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Im aktuellen, am Donnerstag in Berlin vorgestellten Bericht landet der Freistaat zum inzwischen 14. Mal in Folge auf Platz 1. Die zuletzt immer zweitplatzierten Thüringer rutschen einen Platz nach hinten, müssen den Bayern den Vortritt lassen. Unter allen Bundesländern haben die Thüringer in den vergangenen Jahren auch am meisten Punkte eingebüßt. Sachsen-Anhalt liegt am Ende des Mittelfelds, ganz unten in der Liste rangieren Berlin, Brandenburg und Bremen. Die beim Thema Schule viel gescholtenen Bremer konnten den letzten Platz inzwischen zumindest an die Bundeshauptstadt abgeben.

Trotz des sächsischen Spitzenwertes üben die Forscher in ihrem Bericht auch Kritik an der sächsischen Bildungssituation. In der Punktvergabe lassen sich über die Jahre hinweg Abwertung unter anderem bei Betreuungsbedingungen in Schulen und bei der Integration ausländischer Kindern erkennen. Konkret fordern die Analysten, den inzwischen vergleichsweise hohe Altersschnitt der Lehrer in Sachsen zu verbessern, mehr Geld für Sachausgaben zur Verfügung zu stellen, den Anteil von wissenschaftlichem Personal aufzustocken und an allen Bildungseinrichtungen den Digitalpakt zügiger umzusetzen. Bestenfalls durchschnittlich ist Sachsen bei der Wiederholungsquote in Grundschulen, überdurchschnittlich der Anteil der Auszubildenden, die ihre Verträge vorzeitig auflösen. In Thüringen und Sachsen-Anhalt habe zuletzt ebenfalls die hohe Altersstruktur der Pädagogen zu Abwertungen geführt, schreiben die Analysten. Zudem verlassen dort überdurchschnittlich viele ausländische Jugendliche die Schulen ohne einen Abschluss.

In Sachsen erfolgt die Kritik letztlich auf hohem Niveau. Der Spitzenplatz im Ranking rührt vor allem aus der allgemein hohen Schulqualität im Land, an der insgesamt geringen Bildungsarmut, der Forschungsorientierung innerhalb der Ausbildung und der internationalen Ausrichtung des Bildungssystems. Ebenfalls positiv: Vergleichsweise viele Kinder werden in Sachsen ganztägig in Kindergärten und Grundschulen betreut und nur wenige Schüler scheitern an den Mindeststandards in Mathematik oder Lesen. Insgesamt verfügen Sachsens Kinder und Jugendliche über hohe Kompetenzen. Zudem könnten Professoren hier über die zweithöchsten Drittmittel aller Bundesländer verfügen, lernen viele Berufsschüler Fremdsprachen und profitiere das System auch vom hohen Anteil ausländischer Studenten.

Piwarz: „Der Erfolg hat viele Väter“

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) zeigte sich am Donnerstag entsprechend erfreut über die Ergebnisse der Studie „Dieser Erfolg ist nicht selbstverständlich und er hat viele Väter. Doch eines ist klar: Ohne die gute Arbeit der Lehrerinnen und Lehrern wäre dies nicht denkbar gewesen. Den Lehrkräften gebührt besonderer Dank für diese Leistung“, so der Unionspolitiker. Sachsen habe das sozial gerechteste Bildungssystem in Deutschland.

Hinsichtlich der geäußerten Kritik kündigte der Unionspolitiker Handlungswillen an. Bereits zum beginnenden Schuljahr seien 957 neue Lehrer eingestellt worden, rund 1600 Referendare absolvieren ihren Vorbereitungsdienst, weitere knapp 600 kämen in den nächsten Wochen hinzu. Allerdings, so gestand er auch ein, sei die Situation auf dem Lehrer-Arbeitsmarkt nach wie vor schwierig. Als Anreiz soll die Verbeamtung dienen, die der Freistaat seit Jahresbeginn für Lehrer bis 42 Jahre anbietet.

Die Beanstandung zu geringer Investitionen führt der Bildungsminister auch auf den Betrachtungszeitraum der Studie zurück. „Bei der Digitalisierung haben wir einen Nachholbedarf“, sagte er, schob aber auch hinterher: Erst in dieser Woche sei der erste Förderbescheid aus dem Digitalpakt übergeben worden: 16 Schulen im Landkreis Zwickau erhalten insgesamt 3,6 Millionen Euro. Bezüglich der Abwertung im Bereich Integration wollte der Unionspolitiker Defizite ebenfalls nicht verhehlen. „Das, was 2015 und 2016 passiert ist, spiegelt sich auch an den Schulen wider. Der Entwicklung sind wir zunächst hintergelaufen, doch inzwischen sehen wir gute Ergebnisse. Wir müssen aber auch zusehen, dass wir noch bessere Ergebnisse erzielen“, so Piwarz. Konkret gehe es unter anderem darum, mehr jugendliche Migranten zu Schulabschlüssen zu bringen.

Schulabbrecherquote steigt bundesweit

Solche Herausforderungen hat Sachsen allerdings auch nicht exklusiv. Nach Einschätzung der Forscher des INSM gehe der Bildungstrend im gesamten Bundesgebiet derzeit tendenzielle in die falsche Richtung. Die Schulabbrecherquote stieg binnen eines Jahres von 5,7 auf 6,3 Prozent an – unter Ausländern sogar von 14,2 auf 18,1 Prozent. In der Mehrzahl der Bundesländer habe es in der Bildungspolitik zuletzt auch keine Fortschritte, sondern steigende Herausforderungen gegeben. „Dieser Fehlentwicklung dürfen die zuständigen Politiker in Bund und Ländern nicht tatenlos zusehen. Die bisherigen Anstrengungen reichen offensichtlich nicht aus. Wenn in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Sachsen-Anhalt prozentual fast doppelt so viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen wie in Hessen, Hamburg und Bayern, ist nicht nur die Chancengerechtigkeit in Gefahr“, erklärte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr.

Im Fokus der seit 2004 durchgeführten Untersuchung des INSM steht laut eigener Angaben, „welchen Beitrag das Bildungssystem leistet, um den Wohlstand zu sichern, Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen zu schaffen und Teilhabe zu gewährleisten.“ In der vergleichenden Analyse mit Punktvergabe an die Bundesländer werden 93 verschiedene Indikatoren betrachtet, darunter Beschreibungen der Infrastruktur, beispielsweise die Verfügbarkeit von Ganztagsschulen. Weitere Indikatoren sind Schulabbrecherquoten und der Anteil der Schüler, die von Bildungsarmut betroffen sind. Außerdem werde einbezogen, welche Qualität die schulischen Leistung haben und wie der Zugang zu höheren Bildungsabschlüssen ist.

Die gesamte Studie als pdf (3 mb) im Netz: www.insm.de

Von Andreas Debski / Matthias Puppe

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