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Mitteldeutschland Sachsen spenden gern - wenn sie den Zweck kennen
Region Mitteldeutschland Sachsen spenden gern - wenn sie den Zweck kennen
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14:16 19.11.2017
Spendensammler für Hilfsorganisationen sind mit ihren Sammelbüchsen auf Sachsens Straßen in der Regel nicht vergeblich unterwegs.
Spendensammler für Hilfsorganisationen sind mit ihren Sammelbüchsen auf Sachsens Straßen in der Regel nicht vergeblich unterwegs. Quelle: dpa
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Dresden

Spendensammler für Hilfsorganisationen sind mit ihren Sammelbüchsen auf Sachsens Straßen in der Regel nicht vergeblich unterwegs. Die Menschen geben gern, wollen aber wissen, was mit ihrem Geld geschieht, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Hilfsorganisationen ergeben hat. Die Organisationen erklärten, sie hielten es deshalb für wichtig, über die Projekte zu informieren. Zunehmend setzen sie aber auch auf neue Spendenformen.

Für die Aktion „Brot für die Welt“ etwa spendeten die Menschen laut dem Diakonischen Werk der evangelischen Landeskirche in Sachsen in den vergangenen Jahren immer mehr Geld. Nach 1,58 Millionen Euro 2014 und fast 1,75 Millionen Euro 2015 seien im Vorjahr fast 1,9 Millionen Euro bei Kirchen-Kollekten und aus Privatspenden eingenommen worden, sagt Diakonie-Sprecherin Sigrid Winkler-Schwarz in Radebeul.

Die Motive der Spender seien nicht bekannt. Allerdings finde die Entwicklungsarbeit der Organisation bei vielen Menschen „große Anerkennung“. Zudem beobachte man eine zunehmende Sensibilität für Armut und Ungerechtigkeit in Entwicklungsländern.

Bei den Haus- und Straßensammlungen der Landeskirche, die von der Diakonie organisiert werden, sei die Zahl der Sammler zwar rückläufig, aber noch immer zufriedenstellend, sagt Winkler-Schwarz. „Wir arbeiten daran, auch jüngere Menschen dafür zu begeistern.“ Für alternative Spendenformen wie Fundraising würden personell gut ausgestattete Abteilung gebraucht. Die habe die Diakonie in Sachsen noch nicht.

Eine „stabil geringe Spendenbereitschaft für die alltägliche Rotkreuz-Arbeit“ hat das DRK in Sachsen festgestellt. Erhöhte Spendeneingänge gebe es vor allem bei großen Ereignissen wie der Flüchtlingskrise oder bei größeren Katastrophen. Bei öffentlichen Veranstaltungen wie DRK-Festen sei die Spendenbüchse immer dabei - „unaufdringlich“ - versehen mit Hinweisen zum Spendenzweck. Zunehmend würden auch Unternehmen der Region angesprochen. Die Kreisverbände hätten auf ihren Internetseiten Spendentools für Spendenwillige installiert. Das Crowdfunding sei ein Spendenmodell, das sich immer mehr entwickle, sagt DRK-Pressereferent Torsten Wieland.

„Vor allem für kleinere Organisationen aus dem Osten ist es schwer, auf dem Spenden-Markt Schritt zu halten“, sagt der Geschäftsführer der Dresdner Hilfsorganisation Arche Nova, Sven Seifert. Größere Organisationen verfügten über mehr Mittel, um in eigener Sache Werbung zu machen. Die Arche Nova ist seit 25 Jahren vor allem als Spezialist für Wasser- und Sanitärversorgung sowie Hygieneaufklärung in den Krisen- und Katastrophenregionen der Welt unterwegs. Sie bohrt Brunnen oder hilft mit Wasseraufbereitungsanlagen, verteilt Hilfsgüter oder entsendet mobile Gesundheitsteams.

„Ein wichtige Sache war vor etwa zehn Jahren eine selbst entwickelte Brunnenaktie als sichtbares Angebot für Spender“, sagt Seifert. Leider sei es nicht gelungen, eine weitere solche Sache auf die Beine zu stellen. Die Arche Nova setzt bei den Spenden vor allem auf ihre Mitglieder und Partner, auf professionelles Fundraising.

Der Verein Sonnenstrahl in Dresden kümmert sich um an Krebs erkrankte Kinder und deren Familien und braucht nach eigenen Angaben täglich rund 1500 Euro an Spenden - unter anderem für Elternwohnungen, Therapie- und Gruppenräume und für Ferienfreizeiten. Zwar seien Onlinespenden leicht zurückgegangen, sagt Geschäftsführerin Antje Herrmann. Bei Spendenaktionen wie Benefizläufen und Weihnachtsmärkten etwa sei jedoch ein Anstieg beobachtet worden. „Der Spender will wissen, was mit dem Geld geschieht, welche Projekte unterstützt werden.“ Wichtig sei deshalb der direkte Kontakt. Aber auch die Sammelbüchsen in Geschäften und Restaurants hätten nicht ausgedient, sondern seien sehr erfolgreich.

dpa