Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Sachsen rechnet mit mehr Waldbränden in Zeiten des Klimawandels
Region Mitteldeutschland Sachsen rechnet mit mehr Waldbränden in Zeiten des Klimawandels
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:13 14.12.2019
Sachsens Landesbranddirektor Dirk Schneider Quelle: dpa
Anzeige
Dresden

Wie beurteilen Sie die personelle und technische Ausstattung der sächsischen Feuerwehren? Gibt es Nachholbedarf?

Dirk Schneider: Die technische Ausstattung der sächsischen Feuerwehren ist weitgehend gut, die Ausbildung der Feuerwehrangehörigen hochwertig. Sachsen ist mit seiner Feuerwehrförderung bundesweit beispielgebend. Nachholbedarf besteht - wie in allen Bundesländern infolge der sich ändernden Umweltbedingungen - in der Schulung von Taktiken für Wald- und Vegetationsbrände sowie im Vorhalten spezieller Einsatzmittel dafür. Das haben wir aber bereits in Angriff genommen. Zudem ist die Lehrgangskapazität der Landesfeuerwehrschule zu erhöhen, um den Bedarf zu decken. Auch hier hat Sachsen schon reagiert.

Anzeige

Wie kommt man mit der Nachwuchswerbung voran? Droht den Feuerwehren ein Fachkräfteproblem?

Bei den Freiwilligen Feuerwehren ist Sachsen genau wie der Landesfeuerwehrverband sehr um die Gewinnung ehrenamtlich tätiger Einsatzkräfte bemüht. Letztlich kommt es aber gerade bei der Freiwilligen Feuerwehr auf das Engagement der Gemeinden an, sich ungünstigen gesellschaftlichen Entwicklungen entgegenzustellen und den Dienst attraktiv zu gestalten, um Nachwuchs zu gewinnen und zu halten. Bei den Berufsfeuerwehren stehen Kommunen und das Land wie alle Arbeitgeber auch im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter.

Häufig ist zu hören, dass Freiwillige Feuerwehren Vorbehalte gegen Asylbewerber haben und diese nur ungern aufnehmen?

Diese pauschalisierende Aussage ist meiner Meinung nach falsch und rückt die Freiwillige Feuerwehr in eine Ecke, in die sie ganz sicher nicht gehört. Das Wirken als aktive Einsatzkraft in den Fachdiensten gleich welcher Natur ist an bestimmte physische, psychische, charakterliche und kommunikative Grundanforderungen geknüpft, die für einen sicheren Dienstbetrieb unverzichtbar sind. Sind Anforderungen oder Teile davon nicht erfüllt, kann und muss die Gemeinde die Aufnahme versagen - unabhängig davon, welcher Nationalität ein Bewerber angehört.

Gibt es noch weitere Gründe?

Die Ausbildung ist mit hohem personellen, zeitlichen und finanziellen Aufwendungen verbunden, so dass es nur Sinn macht, Personal zu gewinnen, von dem angenommen werden darf, dass dieses nach der Ausbildung zeitlich wenigstens mittelfristig zur Verfügung steht. Feuerwehren weltweit stellen den Menschen in den Mittelpunkt ihres Wirkens. Wir unterscheiden nicht nach Geschlecht, Hautfarbe, Religion, Herkunft oder Status.

Welche Anforderungen gibt es an die Waldbrandbekämpfung in Zeiten des Klimawandels?

Einfach ausgedrückt verändert sich das Klima durch den Eintrag großer Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre. Die Temperatur der Erde steigt. Und 20 Prozent des gesamten CO2-Volumens entsteht durch die weltweiten Waldbrände. Somit wirken sich gerade die großen Brände in Nord- und Südamerika, China und Russland auch auf unser hiesiges Wohlbefinden aus. Die Folgen sind Starkregen mit Überschwemmungen, Sturmschäden und längere Hochtemperaturphasen, in deren Folge es vermehrt zu Vegetationsbränden kommen wird, die zudem intensiver verlaufen als bisher.

Gibt es spezielle Probleme in Sachsen?

In Sachsen geht das Grundwasser zurück und die Bodenfeuchte sinkt. Die Wälder sind infolge der umfangreichen Bedeutung für die Lebensqualität des Menschen besondere Schutzgüter, die genau deswegen entsprechender Sicherungsmaßnahmen bedürfen. Hierzu zählen insbesondere Präventionsmaßnahmen der Waldbewirtschaftung, Früherkennungssysteme für Waldbrände und gut ausgebildete und ausgerüstete Feuerwehren. Diese drei Komponenten stehen deshalb im Fokus. Die Weiterentwicklung unserer Konzeption zur Waldbrandbekämpfung ist deshalb eine meiner ersten Aufgaben.

Dr. Dirk Schneider (50) studierte an der Universität Wuppertal Sicherheitstechnik und an der Technischen Hochschule Köln Rettungsingenieurswesen. Später leitete er unter anderem die Werkfeuerwehr des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS in München.

von LVZ/dpa