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Mitteldeutschland Sachsen beginnt Sicherung historischer Film- und Tondokumente
Region Mitteldeutschland Sachsen beginnt Sicherung historischer Film- und Tondokumente
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09:54 10.09.2019
Ein seltener Werbefarbfilm von ca. 1926 zeigt die Herstellung und Produkte sowie das Kaffeehausleben der Konditorei Robert Haussmann in Borna. Quelle: Museum der Stadt Borna
Dresden

Über die erste Begegnung von Menschen mit ihren auf Zelluloid gebannten Abbildern um 1900 kursiert ja manch übertriebene Schilderung – aber selbst eine medienerprobte Ministerin wie Eva-Maria Stange (SPD) staunt nicht schlecht, als sie im Klemperer-Saal der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) plötzlich ihrer selbst ansichtig wird, gefilmt vom Dresdner Regionalfernsehen in den 1990er-Jahren.

Was man also nicht alles im Archiv entdecken kann, wenn man nur einmal fahndet – so praktiziert es das Land Sachsen mittlerweile mit seiner von der Koordinierungsstelle „Sächsisches audio-visuelles Erbe“ forcierten Digitalisierungsoffensive, um bedeutsame Aufnahmen für die Ewigkeit zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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Die Wissenschaft- und Kunstministerin informierte nun u.a. gemeinsam mit Achim Bonte, dem Generaldirektor der SLUB, sowie Joachim Günther, dem Vorsitzenden des Filmverbands Sachsen, über die ersten Sicherungsmaßnahmen, für die das Land Sachsen 350.000 Euro pro Jahr bereitstellt – eine stolze Summe, mit der freilich auch etliche Arbeitsschritte zu bestreiten sind, darunter die Klärung der Rechtelage, die Bereitstellung von Abspiel- und Schneidetechnik, Server mit enormer Speicherkapazität und die häufig enorm aufwendige Restauration des Materials.

Einblick in die Lebenswirklichkeit der Region

Die Bilanz des ersten Programmjahrs, dem eine dreijährige Pilotphase vorausging, kann sich sehen lassen: 430 Stunden mit Film- und Tondokumenten (u.a. aus den Archiven des Lokalfernsehens, regionale Dokumentationen sowie 8mm-Amateuraufnahmen) sind bereits digitalisiert worden, zu tun gibt es freilich weit mehr. In mehr als 100 Einrichtungen in ganz Sachsen lagern mindestens 47.000 Stunden weiteren Filmmaterials, ganz zu schweigen von abertausenden Tondokumenten, die vielfachen Einblick in die Lebenswirklichkeit der Region liefern und historische Zäsuren anschaulich werden lassen. Entsprechende Kostproben aus dem Archiv gab es ebenfalls bereits zu bestaunen – nicht nur die geschickt ausgewählten Schmankerln aus dem Regionalfernsehen der Nachwendezeit, die zwischen Lehrerstreik und Smogbelastung als unmittelbare Grußworte an die Gegenwart fungierten.

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Ans Licht kam auch ein im Museum der Stadt Borna geborgener Film aus den 1920er-Jahren, der das geschäftige Treiben in einer Bäckerei zeigt. Mochten die im bewegten Bild eingefangenen Schlag- und Kühlmaschinen (Fabrikat: Germania Chemnitz), Baumkuchen-Produktionstechniken sowie die „Bornaer Zwiebeln mit Mokkafüllung“ bis dato nur Eingeweihten ein Begriff gewesen sein, nicht weniger faszinierend als derlei Kuriosa sind die Gesichter der beim Tanzen, Kaffeetrinken und Promenieren gefilmten Zeitgenossen anzusehen – die Bildqualität ist imposant.

Auch wenn die Archivarbeit, wie Joachim Günther pointiert anmerkte, wohl kein neues „Metropolis“ ans Licht bringen dürfte, sondern halt die Höhepunkte aus „Weißwasser-TV“, sind sie zeithistorisch zu bedeutsam, um sie dem Vergessen anheimfallen zu lassen – Sachsen leistet hier im Rahmen des Landesdigitalisierungsprogramms beständig Pionierarbeit, so Achim Bonte.

Bornaer Fund als Glücksfall

Der Bornaer Fund war ein Glücksfall, wusste der für die Koordination zwischen Filmverband und SLUB zuständige André Eckardt zu berichten, der auf anschauliche Art über die schwierige Arbeit der Restauratoren informierte, etwa über die Anfälligkeit der alten Magnetbänder und die teilweise in ihren Dosen angeschmolzenen Nitrofilme, deren Bearbeitung in einigen Fällen eher Sprengstoffexperten als Cineasten und Kuratoren fordert.

Zersetzungsschäden an der historischen 35mm-Filmkopie von „800 Jahre Borna“ (1938) wurden im Rahmen des Programms zu Sicherung des audio-visuellen Erbes in Sachsen digital restauriert. Quelle: Museum der Stadt Borna

Um die Mammutaufgabe zu bewältigen, so schätzen die Beteiligten vorsichtig ein, brauchte es gut und gern das Dreifache des aktuell verfügbaren Budgets, zumal sich die bisherigen Schätzungen lediglich auf die in den bekannten Archiven und Museen schlummernden Funde beziehen, ohne dass bereits Aufrufe an die Öffentlichkeit ergangen wären, doch auch einmal die heimischen Bestände nach programmrelevanten, historisch bemerkenswerten Aufnahmen mit Sachsenbezug zu durchforsten.

Ob sich eine Ausweitung der Archivierungsbemühungen im ersten Doppelhaushalt der kommenden Legislaturperiode umsetzen lässt, dürfte die nahe Zukunft erweisen.

Von Wieland Schwanebeck

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