Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland So viele Corona-Neuinfektionen wie noch nie an einem Tag in Sachsen
Region Mitteldeutschland

Sachsen: Lockdown für Ungeimpfte - Infektionszahlen so hoch wie noch nie

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:47 04.11.2021
Auf der Corona-Intensivstation im Städtischen Klinikum Dresden behandelt eine Ärztin einen Patienten.
Auf der Corona-Intensivstation im Städtischen Klinikum Dresden behandelt eine Ärztin einen Patienten. Quelle: Robert Michael/dpa
Anzeige
Dresden/Leipzig

Die Corona-Pandemie in Sachsen verschärft sich rasant. Mit 4469 Neuinfektionen gegenüber dem Vortag wurde am Mittwoch ein neuer Tagesrekord erreicht, wie das Sozialministerium auf Anfrage bestätigte. Vor einer Woche waren es noch 3029 neue Fälle gewesen. Alleine in Leipzig kamen am Mittwoch 404 Neuinfektionen hinzu, in Dresden waren es sogar 706 Fälle. 21 weitere Menschen starben in Folge einer Corona-Infektion. Die Betten von Normal- und Intensivstationen der Kliniken füllen sich unterdessen immer schneller mit Corona-Patienten. Die Lage ist aus Sicht der sächsischen Krankenhausgesellschaft (KHG) höchst besorgniserregend.

Die sogenannte „Vorwarnstufe“ ist nun offiziell erreicht, da der Belastungswert von 650 Betten auf Normalstation an fünf aufeinander folgenden Tagen überschritten wurde. Nach Ministeriumsangaben greifen ab Freitag nun schärfere Regeln. Ab Montag soll mit der neuen Corona-Schutzverordnung dann ein Quasi-Lockdown für Ungeimpfte und Nicht-Genesene in Kraft treten.

Kliniken fahren Normalbetrieb runter

Der Normalbetrieb in den Krankenhäusern müsse heruntergefahren werden, um die benötigten Betten für Covid-19-Erkrankte bereitzuhalten, sagte der stellvertretende Geschäftsführer der KHG, Friedrich München, in Leipzig. Derzeit stünden landesweit noch etwa 200 Betten auf den Intensivstationen für Covid-19-Patienten zur Verfügung. Dazu komme, dass seit dem Vorjahr bis zu zehn Prozent des Pflegepersonals abgewandert seien. „Wenn die derzeitige Entwicklung so weitergeht, kriegen wir eine kritische Situation.“

Laut der aktuellen Übersicht des Sozialministeriums sind 920 der 1300 Betten auf Normalstationen und 224 von insgesamt 420 auf Intensivstationen mit Covid-19-Patienten belegt. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen lag am Mittwoch bei 289,7. Damit ist der Freistaat weiter das Bundesland mit der zweithöchsten Wocheninzidenz nach Thüringen (338,2) –und Schlusslicht bei der Impfquote mit 56,8 Prozent bei Zweitimpfungen.

OPs abgesagt, Besucher bleiben draußen

In den Oberlausitz-Kliniken Bautzen und Bischofswerda werden planbare Operationen abgesagt oder verschoben, spätestens ab Donnerstag soll es einen Besucherstopp geben, sagte ein Sprecher. Am Klinikum Chemnitz und der Paracelsus Klinik Adorf-Schöneck gilt dieser bereits seit Dienstag. Auch bei den Elblandkliniken gibt es nach Angaben einer Sprecherin Einschränkungen und Verschiebungen im Normalbetrieb.

Das Städtische Klinikum Dresden sorgt sich angesichts stark steigender Einweisungen von Corona-Patienten um sein Personal. „Unsere Mitarbeiter der Pflege sind hochmotiviert, da Corona-Patienten eine besondere fachliche Herausforderung bieten. Ihr Erfahrungsschatz und das Wissen sind gewachsen“, sagte Michael Mendt, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie. Dennoch sei die psychische Belastung nicht zu unterschätzen. „Ich habe die Sorge, dass das System und unsere Mitarbeiter ausbrennen.“

2G-Lockdown soll Montag in Kraft treten

Die sehr schnell und sehr stark steigenden Infektionszahlen verdeutlichten „eindrucksvoll“ die aktuelle Lage, erklärte das Sozialministerium und appellierte erneut, „sich jetzt dringend impfen zu lassen, um sich und andere vor einer Infektion zu schützen“. Es sei ausreichend Impfstoff vorhanden. „Dank eines engmaschigen Monitorings werden die Impfstoffe gemäß Kapazität und Nachfrage so verteilt, dass sie bedarfsgerecht durch die mobilen Teams verimpft werden können“, hieß es.

Sachsens Regierung will die Schutzmaßnahmen verschärfen und die 2G-Regel (geimpft oder genesen) für Gastronomie, Veranstaltungen im Innenbereich oder Großveranstaltungen wie Fußballspiele einführen. Die neue Schutzverordnung soll am Freitag beschlossen werden und ab Montag gelten.

Impfstationen werden teilweise überrannt

Einige bisher Ungeimpfte denken offenbar um. „Wir werden flächendeckend überrannt“, sagte Kai Kranich vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Vor allem in den Städten müssten Leute weggeschickt werden, weil der Impfstoff für den Tag schnell aufgebraucht ist. „Aber man muss auch sagen, Zeit war genügend dafür und absehbar, dass sich die Lage ändern wird“, meinte ein Sprecher der Landesärztekammer.

Seit Beginn der Pandemie im März 2020 wurden landesweit 336.279 laborbestätigte Corona-Infektionen registriert. Die Zahl der mit oder an dem Virus Gestorbenen erhöhte sich seit Dienstag um 21 auf insgesamt 10.367. Als genesen gelten 301 320 Menschen.

Von LVZ/dpa/nöß

06.11.2021
03.11.2021