Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Sachsens Grüne gegen allgemeine Masern-Impfpflicht – Linke unterstützen Vorstoß
Region Mitteldeutschland Sachsens Grüne gegen allgemeine Masern-Impfpflicht – Linke unterstützen Vorstoß
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:28 25.03.2019
Masern-Impfung (Archivfoto) Quelle: dpa
Anzeige
Leipzig

Angesichts erneut steigender Zahlen von Masern-Fällen in einigen Regionen Deutschlands, darunter auch in Sachsen, denken SPD und CDU auf Bundesebene über die Einführungen einer allgemeinen Impfpflicht gegen diese Infektionskrankheit nach. Unterstützungen erhalten sie dabei unter anderem vom Sächsischen Landesverband der Kinder- und Jugendärzte. Bei den Oppositionsparteien im Freistaat ruft der Vorstoß unterschiedliche Reaktionen hervor. Während Sachsen Grüne zwar für mehr geimpfte Kinder, allerdings gegen eine allgemeine Impfpflicht argumentieren, unterstützen die Linken das Ansinnen der GroKo – mit Einschränkungen.

„Wir Grünen setzen uns dafür ein, dass die Impfquoten wieder deutlich steigen“, sagte Volkmar Zschocke, gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Er sprach sich allerdings gegen verpflichtende Impfungen für alle Kinder aus und forderte stattdessen eine verstärkte Impfberatung durch die Gesundheitsämter. „Der öffentliche Gesundheitsdienst steht gerade in Sachsen angesichts wachsender Aufgaben mit dem Rücken zur Wand. Es bedarf dringend einer besseren personellen Ausstattung, um auf die Fragen und die Verunsicherungen im Zusammenhang mit Impfungen angemessen eingehen zu können“, sagte der Grünenpolitiker. Zudem bemängelte er, dass Engpässe bei den Impfstoffzulieferungen die Diskussion ohnehin ad absurdum führten.

Anzeige

Ähnlich wie Zschocke hatte am Montag auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche aus Berlin argumentiert. Allerdings gibt es auch andere Stimmen aus der Partei, die einer verpflichtenden Impfung offenbar positiver gegenüberstehen.

Linke: Viele Erwachsene unzureichend geimpft

Susanne Schaper von den Linken begrüßte dagegen den Vorstoß für eine Masern-Impfpflicht ausdrücklich. „In Sachsen sind viele Erwachsene nur unzureichend geimpft, Infektionskrankheiten wie Masern, Röteln und Keuchhusten sind längst nicht ausgerottet – und sie sind keine Bagatellen“, sagte die Linkenpolitikerin am Montag. Natürlich wolle ihre Partei nicht alle Menschen dazu zwingen, sich impfen zu lassen, „aber ausreichender Impfschutz sollte beispielsweise die Voraussetzung dafür sein, dass Kinder in eine Kita oder Schule aufgenommen werden. Denn es geht um den Schutz der gesamten Gesellschaft“, so Schaper weiter.

Elf Erkrankungen in SachsenRKI gegen Impfpflicht

In Sachsen ist die Zahl der Masernfälle nach dem Rückgang 2018 seit Jahresbeginn wieder angestiegen. Wie es am Montag aus dem Gesundheitsministerium in Dresden hieß, wurden bisher mindestens elf Erkrankungen bestätigt - drei mehr als im gesamten Vorjahr. Weitere Verdachtsfälle werden derzeit geprüft. Der Anstieg sei im Vergleich zu anderen Ländern allerdings noch nicht so dramatisch, tendenziell nähmen die Erkrankungen aber wieder zu.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits im Februar vor einem merklichen Anstieg der Infektionen gewarnt – vor allem in Europa. „Masern ist eine vermeidbare Krankheit. Wir haben eine extrem sichere und sehr effektive Impfung dagegen", erklärte WHO-Direktorin Katherine O'Brien.

Das auf Infektionskrankheiten spezialisierte Robert-Koch-Institut hatte sich in der Vergangenheit eher gegen eine Impfpflicht für Kinder ausgesprochen. RKI-Präsident Lothar Wieler warnten, dass die Einführung eher kontraproduktiv sein könnte. Denn nicht bei Kindern, sondern bei Erwachsenen und Jugendlichen gebe es große Impflücken. Jene würde durch eine verpflichtende Impfung für Kinder nicht erreicht. Zudem könnte eine Verpflichtung die freiwillige Quote in höheren Altersgruppen deutlich senken, so Wieler. (mit dpa)

Von Matthias Puppe