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Mitteldeutschland Nilgänse versuchen Störche in Sachsen aus ihren Nestern zu vertreiben
Region Mitteldeutschland Nilgänse versuchen Störche in Sachsen aus ihren Nestern zu vertreiben
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10:46 24.02.2019
Wieder da: Die ersten Störche kehren nach Sachsen zurück. Quelle: Jan Woitas/dpa (Archiv)
Dresden

Die ersten Weißstörche sind aus ihren Winterquartieren im Süden zurück nach Sachsen gekehrt. Sowohl in Glauchau (Landkreis Zwickau) als auch in der Region um Leipzig wurden die ersten Heimkehrer gesichtet, sagte Sylvia Siebert vom Naturschutzinstitut Dresden. Laut Internetseite „Sachsenstorch“, auf der ehrenamtliche Storchenbetreuer Neuigkeiten rund um den Weißstorch veröffentlichen, wurde der erste Storch bereits am 9. Februar in Frohburg bei Leipzig gesichtet, auch in Trähna und Hainichen wurden demnach Rotschnäbel gesehen.

Dass sich im Februar die ersten Störche zeigten, sei nicht ungewöhnlich, so Siebert. Die ersten Westzieher kämen meist in dieser Jahreszeit in Sachsen an. Die sächsischen Störche fliegen auf den Weg in ihre Winterquartiere entweder als Ostzieher auf einer Balkan-Route über die Türkei und Israel bis nach Afrika oder als sogenannte Westzieher bis nach Spanien. Der Großteil der sächsischen Störche kehrt erst im März zurück.

Aggressive Nilgänse belegen Storch-Nistplätze

Sorge bereitet der Naturschützerin allerdings die zunehmende Zahl an Nilgänsen. „Das ist ein großes Problem“, sagte Siebert. Sie besetzten immer häufiger Nistplätze und attackierten die ankommenden Störche, um sie aus ihren Nestern zu vertreiben. So sind auf „Sachsenstorch“ Bilder einer Nestkamera zu sehen, die Nilgänse auf einem Horst in Frohburg zeigen.

Die aus Afrika zugewanderten Gänse dürfen laut Umweltministerium zwar von August bis Ende Januar gejagt werden, aber ab Februar gilt eine Schonzeit, weil die Nilgänse dann selbst ihre Jungen großziehen. Von April 2017 bis März 2018 wurden laut Behörde 129 Nilgänse in Sachsen geschossen.

Sommerhitze kein Problem für Störche

Im vergangenen Jahr hat sich die Storchenpopulation in Sachsen laut Experten gut entwickelt. „Es war ein überdurchschnittlich gutes Storchenjahr, gerade wegen der Hitze“, sagte Siebert. Das Gras wuchs weniger dicht, so dass die Störche gut an Insekten und Heuschrecken herankamen und genügend Nahrung fanden. Die Hitze mache den Tieren nichts aus. „Die Störche brüten schließlich auch in der Wüste in der Sahelzone, da können sie Hitze gut ab“, so Siebert. Laut Naturschutzinstitut gab es 2018 im Freistaat knapp 300 Horstpaare, die rund 530 Jungen in die Welt setzten.

Der erste Groitzscher Storch hat den Horst der ehemaligen Gärtnerei Nolte besetzt. Quelle: Olaf Becher

Auch im Chemnitzer Ortsteil Wittgensdorf bereitet man sich derzeit auf die Ankunft der Störche vor. Auf einem ungenutzten etwa 29 Meter hohen Schornstein thront nach Angaben der Stadt ein zwei Meter breiter Horst, der sich gefährlich zur Seite neigt. Kletterer hatten daher Ende der Woche überflüssige Äste abgetragen und das Nest gerichtet. „Da aufgrund der warmen Witterung die Störche schon sehr zeitig aus ihren Winterquartieren in unserer Region ankommen, ist Eile geboten“, hieß es.

Experten sehen Zufüttern kritisch

Auch Stefan Siegel von der Vogelschutzwarte Neschwitz wartet auf die ersten Störche. Ein Tier allerdings habe auf einem Hof bei Bautzen überwintert – den dritten Winter in Folge. „Wir sehen das eher kritisch“, so Siegel. Anwohner hätten das Tier gefüttert und an Menschen gewöhnt. Zwar fänden Störche wegen der Monokulturen immer weniger Nahrung. Das müsse man über eine vielfältigere Landwirtschaft regeln, so Siegel. „Nicht übers Zufüttern.“ Sonst bestehe die Gefahr, dass die Tiere im Falle eines harten Winters schlechte Chancen haben.

Neben dem Storch trommeln auch schon wieder Spechte, zudem sind die ersten Rotmilane aus ihren Winterquartieren in Spanien und Frankreich zurück. Für ein bundesweites Projekt berät die Vogelschutzwarte Landwirte im Kreis Bautzen, wie sie ihre Felder und Äcker so bewirtschaften, dass auch der Rotmilan Nahrung findet. Dazu gehören etwa Brachen, der Anbau von Luzernen oder von blühenden Randstreifen. Denn laut Siegel gehen die Rotmilan-Bestände in Deutschland seit Anfang der 1990er Jahre zurück.

Von RND/dpa/sag