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Mitteldeutschland Sachsens katholische Kirche diskutiert über Extremismus: Wo endet die Toleranz?
Region Mitteldeutschland

Rechtsextremismus und Kirche: Wo endet die Toleranz?

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06:49 05.08.2020
In der katholischen Kirche Sachsens diskutieren die Mitglieder über die Grenze der Toleranz gegenüber Extremismus. Quelle: Oliver Berg/dpa
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Dresden

Die gesellschaftlichen Veränderungen spiegeln sich auch in Sachsens katholischer Kirche wieder. „Die Polarisierung geht bis in die Gemeinden hinein, in die Gremien“, sagte der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers der Deutschen Presse-Agentur. Die Verhärtung sei ein Problem. „Manchmal ist es eine Zerreißprobe, sich dem zu stellen, es auszuhalten und Toleranz zu üben.“

Laut Timmerevers gibt es auch im Bistum Dresden-Meissen AfD-Anhänger oder –Sympathisanten sowie Einstellungen, die mit dem Glauben nicht zusammenpassen. „Wenn aber Mandatsträger in unseren Gremien sind und etwa als Religionslehrer unterwegs, dann entstehen Konflikte, wenn Gläubige nach dem Standpunkt fragen“, sagte er. „Wenn jemand überzeugt hinter dem AfD-Parteiprogramm steht, wie will er unterrichten, ohne dass seine Überzeugungen mit einfließen.“

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Heinrich Timmerevers, römisch-katholischer Bischof aus Dresden. Quelle: dpa-Zentralbild

Dresdner Bischof: „Das kann man nicht tolerieren“

Auch die Deutsche Bischofskonferenz beschäftigt sich nach Angaben von Timmerevers mit diesen Fragen. „Wir müssen Klarheit gewinnen, wie gehen wir mit solchen Positionen um, die erkennbar von christlichen Grundüberzeugungen und dem Grundgesetz abweichen“, sagte er. „Das kann man nicht tolerieren.“

Bischof ruft zum Dialog auf

Rechtsextremismus ist laut Timmerevers kein allein sächsisches Problem. „Man löst gesellschaftliche Probleme nicht, indem man wegschaut, sie ignoriert oder bagatellisiert“, sagte er. „Man muss sich dem offensiv stellen, weil es eine Wirklichkeit ist.“ Aber die Einstellung des Einzelnen zu verändern, sei ganz schwer. „Da braucht es beständige Dialogbereitschaft und konkrete Schritte.“

Und durch verfehlte Politik entstandene Defizite müssten positiv-konstruktiv bearbeitet, die Menschen in ihren Sorgen, Ängsten und Benachteiligung ernst genommen und ihnen geholfen werden. „Es muss diskutiert werden, man kann es nicht verschweigen.“

Von RND/dpa