Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Raubkunst-Anwalt: Grünes Gewölbe offenbar schlechter gesichert als jeder Juwelierladen
Region Mitteldeutschland Raubkunst-Anwalt: Grünes Gewölbe offenbar schlechter gesichert als jeder Juwelierladen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
18:28 26.11.2019
Der Leipziger Anwalt Christoph von Berg. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Der Juwelen-Raub im Grünen Gewölbe wirft noch immer mehr Fragen auf, als Antworten gegeben werden können. Wir sprachen darüber mit dem international erfolgreichen Raubkunst-Anwalt Christoph von Berg.

Das Wort „Jahrhundert-Raub“ macht die Grunde. Ist das eine realistische Dimension des Verbrechens?

Ja, das kann schon sein – das Jahrhundert ist allerdings noch recht jung.

Es herrscht Einigkeit darüber, dass die Beute unverkäuflich ist. Was geschieht jetzt wohl damit?

Da gibt es im Wesentlichen zwei Theorien. Die erste, beunruhigendere: Die Juwelen werden auseinandergenommen, das Edelmetall eingeschmolzen, die Edelsteine einzeln verkauft.

Und die zweite?

Eine Art Entführung: Die Kunstsammlungen bekommen eine Aufforderung, ein Lösegeld zu zahlen. Dazu versucht man vielleicht noch, so etwas wie Straffreiheit oder die Einstellung der Strafverfolgung zu dealen, und dann kommen die Juwelen zurück.

Suche nach den Tätern und ihrer Beute

Hat es so etwas schon einmal gegeben?

Durchaus. Und nicht immer bekommt die Öffentlichkeit davon überhaupt etwas mit. Denn zu diesem Geschäftsmodell, wie ich es einmal nennen möchte, gehört naturgemäß ein gewisses Maß an Verschwiegenheit. Aber vor nicht allzu langer Zeit gab es in Hamburg mal einen ähnlich gelagerten Fall. Da ging es um Caspar David Friedrich und Co, echt gute Bilder jedenfalls.

Und wie ist es ausgegangen?

Ein Deal kam zustande, die Bilder kehrten zurück.

Nun sind Gemälde dieses Ranges das eine, Juwelen etwas anderes. Sind das wirklich so wertvolle Kulturgüter?

Nun ja, sie sind einzigartig, unwiederbringlich und von hohem historischem wie ideellem Wert. Ich würde also schon von Kulturgütern sprechen.

Und ihr Wert?

Ist nicht zu beziffern. Es sei denn, man beschränkte sich auf den Materialwert.

Herrscht darum so große Einigkeit darüber, dass derlei nicht zu versichern sei?

Das wird wohl der Grund sein. Aber ich sehe das etwas anders.

Inwiefern?

Ich war damals beteiligt am Prozess der Anna Amalia gegen die Versicherung. Die Police war auf Druck des Freistaates Thüringen zum 30. September gekündigt worden. Am 4. September brannte die Bibliothek ab. Ich würde sagen: Glück gehabt.

Aber die Versicherungssumme kann doch kaum den Schaden abgedeckt haben.

Natürlich nicht. Und beim Totalverlust von kostbaren Büchern geht das ja auch gar nicht. Aber beim Wiederaufbau und der Wiederbeschaffung dessen, was wieder zu beschaffen war, haben die, ich glaube es waren 25 Millionen Euro, die damals von der Versicherung schließlich gezahlt wurden, doch sehr geholfen.

Bei der Amalia war es kein Verbrechen, sondern ein Unfall bei Bauarbeiten. Beim Grünen Gewölbe nun hat man nicht den Eindruck, als sei es auch nur ansatzweise adäquat gesichert gewesen.

Ja, das ist wahr. Und da bleiben für mich Fragen.

Zum Beispiel?

Insgesamt wissen wir zwar noch zu wenig, um zu einem abschließenden Urteil zu kommen. Aber wie kann es sein, dass das Grüne Gewölbe offenbar schlechter gesichert ist, als jeder Juwelierladen oder jedes Pfandhaus? Wir reden hier von einem Museum, das erst vor wenigen Jahren nach umfänglicher Sanierung wiedereröffnet wurde. Da sollten die Standards eigentlich höher sein.

Mehr zum Thema

Von Peter Korfmacher

Nach dem spektakulären Einbruch in das Grüne Gewölbe von Dresden sucht eine Sonderkommission mit Hochdruck nach den Tätern. Hier ein Überblick zum aktuellen Ermittlungsstand.

26.11.2019

Der Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden sorgt nicht nur für Entsetzen. Neben Kritik am vermeintlichen Versagen des Sicherheitsdienstes meinen viele User auch, die Täter zu kennen. Unbekannt sind die Hinweise in der Tat nicht.

26.11.2019

Die Leipziger Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat sich in einer neuen Studie mit Depressionen bei älteren Menschen beschäftigt. Die Ergebnisse sind zum Teil verstörend. Ein Experte erklärt im LVZ-Interview, warum die Krankheit gerade bei Älteren schwieriger zu erkennen und auch lebensbedrohlicher ist.

26.11.2019