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Mitteldeutschland Prozess um Bluttat an Leipziger Sachsenbrücke: „Ich habe laut geschrien“
Region Mitteldeutschland Prozess um Bluttat an Leipziger Sachsenbrücke: „Ich habe laut geschrien“
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20:31 22.11.2019
Polizeieinsatz am Tatort: Hier soll Sten P. auf die 32 Jahre alte Passantin eingestochen haben. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Sie war wohl ein Zufallsopfer und hatte großes Glück, dass sie überlebte: Anna B. (32) ist vor sieben Monaten an der Sachsenbrücke im Leipziger Clara-Zetkin-Park beinahe getötet worden. An diesem Freitag begegnete sie dem mutmaßlichen Täter im Landgericht wieder. Dort startete der Prozess gegen Sten P. (35). Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor.

Es war am 25. April gegen 18 Uhr, als die Projektmanagerin nach einem langen Arbeitstag durch den Park auf dem Weg nach Hause war. Plötzlich habe Sten P. die zierliche, 1,65 Meter große Frau von hinten an den Haaren gepackt und zu Boden gerissen, so die Staatsanwaltschaft. „Er kniete sich auf sie und stach mit einem Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge mindestens elfmal auf Kopf, Hals und Oberkörper ein“, hielt ihm Staatsanwältin Yvonne Sada vor. „Der Beschuldigte wollte sie töten.“

Messerklinge brach ab

Zwei Ereignisse retteten Anna B. womöglich das Leben: Zum einen brach durch die Wucht des Angriffs die Klinge ab, woraufhin der Messerstecher von ihr abließ. Zum anderen eilte ein Passant zu Hilfe, sodass der Täter noch vor Ort festgenommen werden konnte.

Die gebürtige Dresdnerin erlitt zahlreiche stark blutende Wunden und kam in die Notaufnahme, war aber nicht in einem lebensbedrohlichen Zustand. „Ich hatte starke Schmerzen und habe sehr laut geschrien“, berichtete sie zum Prozessauftakt. Vor allem im Gesicht seien ihr sehr viele Schnitte zugefügt worden. Acht Verletzungen seien genäht worden, so habe der Täter ihr die Lippe komplett durchgeschnitten. Auch ein Gesichtsnerv sei in Mitleidenschaft gezogen worden. Vier Tage war sie im Krankenhaus.

Angeklagter möglicherweise schuldunfähig

„Noch immer ist nicht alles verheilt“, sagte sie. Hinzu kommen die psychischen Folgen der Bluttat. Anna B. leidet unter massiven Angstzuständen, meidet es nach Möglichkeit, allein unterwegs zu sein. Eine Therapie soll ihr helfen, damit klarzukommen.

Polizisten nach der Tat an der Sachsenbrücke im April dieses Jahres. Quelle: Christian Modla

Bestraft wird ihr mutmaßlicher Peiniger indes nicht. Wie berichtet, hatte die Staatsanwaltschaft ihre ursprüngliche Anklage wieder zurückgenommen, weil Sten P. nach dem Gutachten eines Psychiaters an einer schizophrenen Psychose erkrankt ist und daher die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen habe. Nunmehr verhandelt die 1. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Hans Jagenlauf über eine sogenannte Antragsschrift. Mithin gilt es zu entscheiden, ob der 35-Jährige dauerhaft im Maßregelvollzug und damit in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden muss, wo er gegenwärtig bereits untergebracht ist.

Vor Kindern entblößt

Dabei spielen auch weitere Fälle eine Rolle, welche die Staatsanwaltschaft ihm anlastet. So soll sich Sten P. am 23. und 24. September 2017 in einem Einkaufszentrum in Leipzig-Lößnig mehrfach vor den Augen von Kindern teilweise entblößt und an sich auf verschiedene Weise manipuliert haben. Auch als Polizeibeamte ihn am Nachmittag des 24. September in seiner damaligen Wohnung in der Kurt-Tucholsky-Straße aufsuchten, öffnete er seine Hose, legte Hand an sich und ging schreiend auf die Einsatzkräfte zu. Schließlich trat er um sich und beschimpfte die Polizisten.

Deshalb lastet ihm die Staatsanwaltschaft neben dem versuchten Mord auch sexuellen Missbrauch von Kindern, exhibitionistische Handlungen, Erregung öffentlichen Ärgernisses sowie Angriff auf Vollstreckungsbeamte und Beleidigung an. Sten P. äußerte sich bislang nicht zu den Tatvorwürfen. Für den Prozess sind noch drei Verhandlungstage bis 16. Dezember geplant.

Von Frank Döring

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