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Mitteldeutschland Protokoll des Grauens: Rekonstruktion des Tatablaufs im Mordfall Sophia
Region Mitteldeutschland Protokoll des Grauens: Rekonstruktion des Tatablaufs im Mordfall Sophia
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10:54 12.09.2019
Der wegen Mordes angeklagte Boujemaa L. sitzt neben seinem Anwalt Karsten Schieseck im Bayreuther Landgericht. (Archivfoto) Quelle: Daniel Karmann/dpa
Leipzig/Bayreuth

Am kommenden Mittwoch wird am Bayreuther Landgericht ein Urteil gegen den Angeklagten im Mordprozess Sophia gefällt. Der 42-jährige marokkanische Lkw-Fahrer Boujemaa L. ist geständig, die Leipziger Studentin mitgenommen und getötet zu haben. Zum Ablauf der Tat gibt es allerdings verschiedene Versionen, die am Dienstag bei den Plädoyers im Gerichtssaal vorgestellt wurden. Im Folgenden ist die minutengenaue Rekonstruktion dokumentiert, wie sie die Bayreuther Oberstaatsanwältin Sandra Staade am Dienstag präsentierte. Staade fordert wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung eine lebenslange Haftstrafe für den Angeklagten.

Mittwoch, 13. Juni 2018: + Der Angeklagte Boujemaa L. verbringt die Nacht zum Donnerstag in seinem Lkw auf dem Parkplatz Birkenwald nördlich von Leipzig. Dort macht er heimlich Fotos von zwei Frauen, die die Toilette nutzen.

Donnerstag, 14. Juni 2018 + 16.38 Uhr: Auf einem Firmenparkplatz in Leipzig filmt sich Boujemaa L. selbst und macht Fotos von seinem erigierten Penis. Vor Gericht gab er an, diese für ein Dating-Portal benutzt zu haben.

Blick auf den Autohof in Schkeuditz, wo Sophia in den Lkw ihres späteren Peinigers stieg. (Archivfoto) Quelle: André Kempner

Treffen in Schkeuditz

+ 17.48 Uhr: Boujemaa L. erreicht mit seinem Lkw den Autobahnparkplatz Schkeuditz.

+ 17.50 Uhr: Der 42-Jährige betritt den Verkaufsraum der Tankstelle und sieht Sophia, die am Eingang nach einer Mitfahrgelegenheit sucht.

+ 17.51 Uhr: Boujemaa L. macht wieder Fotos, vermutlich von Sophia – diese werden aber am 15. Juni vom Handy gelöscht.

+ 17.54 Uhr: Der Lkw-Fahrer spricht Sophia an und schlägt vor, sie mitzunehmen. Die Studentin willigt ein, will bis Nürnberg fahren. Von dort plant Sophia mit dem Zug bis in ihren Heimatort Amberg (Oberpfalz) weiterzufahren. Grund der Reise: Ihr Vater feiert Geburtstag.

+ 18.15 Uhr: Beide steigen in den Lkw und das Fahrzeug verlässt den Rastplatz in Richtung A9 und München.

+ 18.22 Uhr: Auf der Fahrt macht Boujemaa L. weitere Fotos und zwei Videos mit seinem Handy. Die Bilder und Filmaufnahmen werden ebenfalls am 15. Juni gelöscht. „Die Stimmung im Lkw war zunächst gut. Er verrät Sophia seinen Spitznamen ’Bob’, den sonst nur seine Frau kannte“, erklärt Staatsanwältin Sandra Staade. Zudem schenkt der 42-Jährige ihr eine marokkanische Pfeife.

+ 19.47 Uhr: Kaffeepause auf dem Parkplatz der Tankstelle am Autohof Berg (Oberfranken). Boujemaa L. nutzt die Toilette, Sophia kauft zwei Espresso. Die Videoaufnahmen an der Tankstelle sind die letzten, auf denen Sophia noch lebend zu sehen ist.

Die Rastanlage Sperbes an der Autobahn 9. (Archivfoto) Quelle: dpa

Tatort: Rasthof Sperbes

+ 21.03 Uhr: Erneuter Halt, diesmal auf dem Rastplatz Sperbes (Oberfranken), etwa 20 Minuten vor dem geplanten Zielort von Sophias Mitfahrt. Laut Staatsanwaltschaft kippt hier die Stimmung, „wahrscheinlich, weil Sophia die Annäherungen des Angeklagten zurückwies“. Wie der Angeklagte gestand, fielen die Worte „No Touch“ und Sophia soll ihm eine Ohrfeige gegeben haben.

+ In der Folge schlägt Boujemaa L. auf Sophia mit einem Gegenstand ein. Laut spanischem Obduktionsbericht deuten die Verletzungen auf einen flaches Objekt hin – möglicherweise der Laptop des Angeklagten. Die Studentin fällt in den Fußraum der Fahrerkabine, greift nach dem Bein des Angeklagten. Der 42-Jährige schlägt erneut zu, bis Sophia sich nicht mehr regt. Boujemaa L. behauptet, die Studentin habe zu diesem Zeitpunkt noch gelebt.

+ Der Lkw-Fahrer steigt aus, macht in etwa 30 Metern Entfernung eine Zigarettenpause von etwa zehn Minuten.

+ Boujemaa L. geht zurück, öffnet die Lkw-Tür. Die am Boden liegende Sophia bewegt sich, schaute zu ihm auf.

+ Der Angeklagte greift nun nach einem Ratschenschlüssel – ein etwa 35 Zentimeter langes und 1,5 Kilo schweres Stahlrohr – und schlägt „bewusst und gewollt“ erneut auf Sophias Kopf ein, so Staatsanwältin Staade. In den Obduktionsgutachten werden mindestens vier Schläge auf die linke Kopfhälfte und mindestens ein Schlag auf die rechte genannt. Sophia erleidet ein schweres Schädelhirntrauma. „Der Tod trat nach wenigen Minuten ein“, sagt Staatsanwältin Staade.

+ 21.35 Uhr: Das Handy des Opfers wird ausgeschaltet oder zerstört.

+ Der Angeklagte fesselt Sophia, reinigt sein Opfer, schneidet ihr mit einem Cuttermesser die Kleider vom Körper und wickelte sie in ein Bettlaken ein. In der Folge hievt er den Leichnam in eine obere Schlafkabine – damit sie nicht von Außen gesehen werden kann. Zudem reinigt Boujemaa L. den blutüberströmten Fußraum im Fahrzeug.

+ 23.48 Uhr: Der Lkw verlässt den Parkplatz Sperbes.

Wegen des Mordes an Sophia Lösche aus Leipzig steht ein Lkw-Fahrer aus Marokko vor dem Landgericht in Bayreuth. Ein Rückblick auf den Fall.

Sophia bleibt im Fahrzeug

Freitag, 15. Juni 2018 + 0.12 Uhr: Stopp an der Tankstelle in Lauf (Oberfranken), kurz vor der Abfahrt Nürnberg. Boujemaa L. kauft zwei Bier-Dosen und eine Stange Zigaretten.

+ 0.24 Uhr: Nächtlicher Halt bei einer Firma für Elektrozubehör am Ortsrand von Lauf. Der Lkw parkt auf einem Parkplatz davor. Boujemaa L. entsorgt in einem Mülleimer Sophias Kopfhörer, löscht Dutzende Fotos und Videos von seinem Handy. Den Ermittlungsbehörden gelang es nicht, diese wieder herzustellen.

+ 10.22 Uhr: Nach Aufnahme von weiterer Fracht in der Firma verlässt der Lkw den Standort. Laut Zeugenaussagen der Mitarbeiter war keine weitere Person im Fahrzeug.

Freitag, 15. Juni bis Sonntag 17. Juni 2018 + Der Lkw-Fahrer fährt in Richtung Frankreich und von dort weiter in Richtung Spanien. Dabei werden im GPS-System des Lkw zahlreiche kurze und einige längere Stopps an Tankstellen und auf Parkplätzen registriert. Boujemaa L. kauft unter anderem Benzin – obwohl der Lkw Diesel benötigt. Nach Interpretation der Staatsanwaltschaft sucht Boujemaa L. nach einem geeigneten Ablagepunkt für die Leiche in seinem Fahrzeug. Sophias Familie glaubt, dass die 28-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch lebte und erst in Frankreich starb. Sie stützen sich dabei vor allem auf das spanische Obduktionsgutachten, in dem angesichts des Zustands der Leiche auch von einem möglichen Todeszeitpunkt am 16. Juni oder 17. Juni 2018 die Rede ist.

+ 23.09 Uhr: Ankunft an einer Tankstelle in Asparrena in Nordspanien. Boujemaa L. fährt vor und zurück, verlässt den Haltepunkt. Die Staatsanwaltschaft interpretiert diesen Stopp als „Auskundschaften“ eines möglichen Ablageortes.

Ablage der Leiche in Nordspanien und Festnahme

Montag, 18. Juni 2018 + 5.30 Uhr: Der Lkw hält erneut an der Tankstelle in Asparrena – in etwa 100 Meter Entfernung zum Verkaufsraum. Hier wirft Boujemaa L. den Leichnam von Sophia in einen ausgetrockneten Wasserlauf, nur wenige Meter neben der Straße und zündet ihn mit dem gekauften Benzin an.

+ An einem weiteren Halt in Spanien entsorgt der Lkw-Fahrer seinen blutbeschmierten Overall an einer Tankstelle. Der Hausmeister sichert den Overall und übergibt ihn der Polizei.

+ Boujemaa L. nimmt nun vermutlich technische Veränderungen an seinem Lkw vor, um einen Motorschaden vorzutäuschen. Der Angeklagte bestreitet dies.

Polizisten am Fundort von Sophias Leiche, nahe der Autobahn bei Asparrena. Quelle: El Correo / LVZ-Archiv

Dienstag, 19. Juni 2018 + Der Lkw-Fahrer wird neben seinem brennenden Lkw im südspanischen Jaén (Andalusien) gestellt. Aufgrund eines inzwischen in Leipzig existierenden, internationalen Haftbefehls wird Boujemaa L. festgenommen und in Untersuchungshaft gesperrt. Am 29. August wird er deutschen Beamten übergeben, die ihn in die JVA Bayreuth bringen.

Der ausgebrannte Lkw auf dem Gelände des Polizeipräsidiums Oberfranken, wo er von Experten untersucht wurde. (Archivfoto) Quelle: dpa

Donnerstag, 21. Juni 2018 + Sophias Leiche wird an der Tankstelle im nordspanischen Asparrena gefunden.

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