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Mitteldeutschland Polen streicht Sonntagseinkäufe, Tschechen lehnen das ab
Region Mitteldeutschland Polen streicht Sonntagseinkäufe, Tschechen lehnen das ab
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20:00 04.02.2019
Zigaretten verkaufen sich noch am besten auf den Polenmärkten. Quelle: Marian Günther
Lugknitz/Aussig

Es wird dunkel und damit noch kälter, feuchte Nebelschwaden ziehen von der Neiße herüber. Mateusz Krajewski räumt auf dem Sonntagsmarkt in Leknica (Lugknitz) kurz hinter der dem Grenzübergang im ostsächsischen Bad Muskau seine Werkzeuge zusammen, packt vieles davon in Kisten. „Für einen Wintertag lief es heute ganz gut“, sagt der dick eingemummelte 47-Jährige und reibt sich die Hände. „Aber an den Wochenenden wird es immer schwieriger, noch was zu verkaufen.“

Denn in Polen gelten seit Jahresbeginn neue Ladenschlussregeln. Einkäufe in Supermärkten sind seit diesem Jahr nur noch am letzten Sonntag im Monat möglich. Im nächsten Jahr sollen Einkaufszentren sonntags immer zubleiben. Getestet wurden die Restriktionen bereits im vorigen Jahr. „Seit März ist ein Gesetz in Kraft, das den Verkauf an den Sonntagen beschränkt“, berichtet Katarzyna Guzenda vom Deutsch-Polnischen Verbraucherinformationszentrum. 2018 durften Geschäfte mit Angestellten nur noch am ersten und letzten Sonntag öffnen. Seit diesem Jahr ist das nur noch am letzten Sonntag im Monat möglich. Und ab 2020 soll das Sonntags-Verkaufsverbot für Großgeschäfte auf alle Sonntage ausgeweitet werden.

„Das Ladenschlussgesetz gilt grundsätzlich für alle Händler, die nicht in ihrem Namen und auf eigene Rechnung verkaufen“, erklärt Katarzyna Guzenda. Steht der Inhaber des Geschäfts persönlich an der Theke, darf er den Laden auch am handelsfreien Sonntag öffnen. „Angestelltes Personal darf dagegen an diesen Tagen nicht arbeiten“, so die Verbraucherschützerin. Ausnahmen gelten für Apotheken, Gaststätten, Tankstellen, Bäckereien, Presse- und Tabakläden.

Das gelte prinzipiell auch für die Polenmärkte in Grenznähe: „Jeder Stand ist dabei als einzelnes Unternehmen zu sehen. Verkauft der Inhaber selbst, kann er den Stand öffnen.

„Das Angebot auf den Polenmärkten wird - im Vergleich zu den verkaufsoffenen Sonntagen - aber beschränkt sein“, so Guzenda. Wer die volle Breite des Angebots in den polnischen Geschäften suche, sollen lieber die Reise an einem verkaufsoffenen Sonntag planen. Einen genauen Überblick, wie hoch der Anteil der geschlossenen Läden ist, gebe es nicht.

Mateusz Krajewski hat zwar Verständnis dafür, dass angestellte Verkäufer an den Sonntagen eine Verschnaufpause einlegen wollen. „Aber wenn dadurch die Besucherströme abreißen, können auch wir fliegenden Händler zumachen.“

Wer die volle Breite des Angebots in den polnischen Geschäften suche, sollen lieber die Reise an einem verkaufsoffenen Sonntag planen.

Tschechien: Unternehmen geben Ton an

Das südliche Nachbarland Tschechien hat dagegen noch kein Ladenschlussgesetz. Viele Geschäfte haben daher auch zu aus deutscher Sicht ungewöhnlichen Zeiten geöffnet. Der Sonntagsausflug ins Einkaufszentrum auf der grünen Wiese gehört für viele Tschechen zum Standardprogramm, aber auch deutsche Kunden machen immer öfter davon Gebrauch viele Supermärkte, Geschäfte, Einkaufsgalerien, Shopping-Malls und die Märkte hinter der Grenze haben sonntags geöffnet. Was ganz im Sinne der meist vietnamesischen Händler auf den Asia-Märkten in der Grenzregion ist.

Doch regt sich dagegen zunehmend Widerstand. „Ich hasse das Arbeiten an Sonn- und Feiertagen“, sagt eine Verkäuferin des OC Forums in Usti nad Labem (Aussig), das täglich von 9 bis 21 Uhr geöffnet hat. Einige Einkaufszentren am Rande größerer Städte haben sogar sieben Tage in der Woche rund um die Uhr geöffnet.

Sie würde das Wochenende stattdessen viel lieber wie alle anderen mit ihren zwei Kindern und der Familie verbringen, sagt die junge Verkäuferin. Ihren Namen will sie aus Furcht vor Repressalien nicht verraten. „Aber einkaufen kann man doch auch an allen anderen Tagen. Die Deutschen und die Polen machen es uns vor.“

„Wir kämpfen für die angestellten Verkäufer“, betont der Chef der Einzelhandelsgewerkschaft Petr Voslar. Reichlich 80 Prozent der Angestellten seien Frauen. „Auch sie haben das Recht, sich an Sonn- und Feiertagen mit ihren Familien zu erholen.“

Doch immer wieder scheiterte ein Ladenschlussgesetz. Zu laut war der Aufschrei der Kunden. Die Politik solle sich da raushalten, fordert der Handelsverband. Die Öffnungszeiten seien allein Sache der Unternehmen. Die Interessen der Angestellten werden einfach ignoriert.

Das Deutsch-Polnische Verbraucherinformationszentrum hat einen Kalender mit Schließtagen veröffentlicht: www.konsument-info.eu/de/downloads/ladenschlusszeiten

Von Winfried Mahr

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