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Mitteldeutschland Weniger und anders: Sorbische Osterreiter trotz Pandemie unterwegs
Region Mitteldeutschland

Osterreiten in der Lausitz trotz Pandemie

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15:23 05.04.2021
Sachsen, Ralbitz: Die traditionell gekleideten sorbischen Osterreiter verkünden nach altem Brauch zu Pferde die Osterbotschaft. Am höchsten Fest der Christenheit ziehen die Osterreiter in der katholischen Lausitz alljährlich von Dorf zu Dorf.
Sachsen, Ralbitz: Die traditionell gekleideten sorbischen Osterreiter verkünden nach altem Brauch zu Pferde die Osterbotschaft. Am höchsten Fest der Christenheit ziehen die Osterreiter in der katholischen Lausitz alljährlich von Dorf zu Dorf. Quelle: Sebastian Kahnert
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Bautzen

Nach der Zwangspause im vergangenen Jahr sind die sorbischen Osterreiter in der katholischen Lausitz nach uralter Tradition wieder durch die Felder gezogen - mit dem Kreuz und Fahnen. Rund 1000 Männer in Gehrock, Frack und mit Zylinder formierten sich am Ostersonntag auf ihren festlich geschmückten Pferden zu insgesamt neun Prozessionen, die zwischen jeweils zwei Orten verkehrten. Sie verkündeten dabei singend das „Haleluja, zwońće zwony“ („Halleluja, läutet die Glocken“), die Botschaft der Auferstehung Christi.

„Es waren überall weniger Reiter, mancherorts bis zur Hälfte“, sagte Rafael Ledschbor, Redakteur der sorbischen Zeitung „Katolski Posoł“, früher selbst Osterreiter. Um Ansammlungen im Corona-Lockdown zu vermeiden, waren die Zeiten und Wege der alljährlichen Züge verändert und nicht angekündigt worden. Nur wenige Zuschauer beobachteten die paarweise entlang den Feldern ziehenden Reiter und die Zeremonien auf den Friedhöfen - vorwiegend Einheimische.

Reiten unter strengen Auflagen

Für das Spektakel „im Verborgenen“ galten strenge Regeln: Reiten nur nach Negativ-Schnelltest, mit Abstand sowie Maske beim Abstieg. Die Reiter durften zumindest hoch zu Ross frei, ohne Maske beten und singen. Die übliche Pause vor der Rücktour fiel diesmal spartanischer aus: Statt eines Gastmahls gab es eine kurze Rast im Wald.

Auch von Ralbitz (Landkreis Bautzen) aus machten sich am Vormittag bei strahlendem Sonnenschein 101 Paare auf den Weg ins rund zehn Kilometer entfernte Wittichenau. „Es sind kaum fremde Kennzeichen zu sehen und auf dem Friedhof waren mehr Osterreiter als Schaulustige“, erzählte Ledschbor. Bis auf einen Reitunfall gab es keine Störungen, die Auflagen seien eingehalten worden, bilanzierte die Görlitzer Polizei Ostermontag.

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Im Wittichenauer Zug stürzte aus bisher unbekannten Gründen ein Reiter vom Pferd. Der 38-Jährige wurde schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Zu den näheren Umständen wird nach Polizeiangaben ermittelt. Am traditionellen Ostersaatreiten in Ostritz bei Görlitz beteiligten sich 50 Reiter, entlang der Strecke standen vereinzelt Anwohner. Die Zahl der Zuschauer beim Osterreiten bezifferte die Polizei mit insgesamt 4750: vorwiegend Familien aus umliegenden Gemeinden oder Anwohner auf ihren Grundstücken.

Brauch seit Jahrhunderten

Osterreiter tragen seit Jahrhunderten am Ostersonntag die Botschaft von der Auferstehung Christi in Prozessionen hoch zu Ross in die jeweilige Nachbarpfarrei. Die Wurzeln dieses Brauchs reichen bis in die vorchristliche Zeit zurück, als man durch Feldumritte glaubte, die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen schützen zu können. Die heutigen Prozessionen sind dagegen ein öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben. Dabei dürfen nur Männer im Sattel sitzen.

In normalen Zeiten zieht es dann auch stets viele Touristen in die katholische Region östlich von Dresden, in der die nationale Minderheit der Sorben lebt. Einem ähnlichen Brauch folgt das Ostersaatreiten von Ostritz bei Görlitz - dort reiten Katholiken von der Pfarrkirche über Felder zum Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal.

Von dpa