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Mitteldeutschland Nur jeder achte Langzeitarbeitslose in Sachsen schafft den Sprung in einen festen Job
Region Mitteldeutschland Nur jeder achte Langzeitarbeitslose in Sachsen schafft den Sprung in einen festen Job
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20:49 22.04.2019
Nur die wenigsten Langzeitarbeitslosen in Sachsen schaffen es, von der Agenturbetreuung zurück in den ersten Arbeitsmarkt zu wechseln. Quelle: dpa
Leipzig

Langzeitarbeitslose finden in Sachsen und Thüringen nur selten zurück ins Arbeitsleben. Nur jeder achte von ihnen schafft es, einen Job bei einer Firma – also auf dem ersten Arbeitsmarkt – zu bekommen. Der überwiegende Teil von Menschen, die sich aus der Langzeitarbeitslosigkeit abmelden, geht in Rente, nimmt an Beschäftigungsmaßnahmen der Arbeitsagenturen teil oder fällt aufgrund von Arbeitsunfähigkeit aus der Statistik. Das geht aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der sächsischen Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor.

Immer weniger Langzeitarbeitslose vermittelt

Im vorigen Jahr kamen nur 7900 Langzeitarbeitslose in Sachsen in reguläre Beschäftigung. 2007 waren es noch 29.207. In Thüringen ging die Zahl in den vergangenen zehn Jahren von 15.300 auf 3926 zurück.

Im Gegensatz zu den Langzeitarbeitslosen finden Kurzzeitarbeitslose in Thüringen wie in Sachsen in fast jedem dritten Fall einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die Bundesregierung müsse endlich die Realität zur Kenntnis nehmen und deutlich mehr für die vielen langzeiterwerbslosen Menschen tun“, fordert die Zwickauerin Zimmermann.

Klaus-Peter Hansen, Chef der Landesarbeitsagentur Sachsen, gibt zu bedenken, dass sich in den vergangenen zehn Jahren nicht nur generell die Zahl der Arbeitslosen im Freistaat auf 126.311 im Vorjahr 2018 halbiert hat, sondern auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen um mehr als die Hälfte auf 46.185 gesunken ist. Mit 36,6 Prozent sei ihr Anteil allerdings weiter hoch.

Fehlende Qualifikation

Das Problem sei, dass der größte Teil der gemeldeten Langzeitarbeitslosen nur für Helferjobs in Frage komme, weil ihnen die nötige Qualifikation fehlt. In der freien Wirtschaft würden aktuell 37 500 freie Stellen angeboten – allerdings ist nur jede sechste davon für Helfertätigkeiten. Alle anderen sind für Fachkräfte, Spezialisten oder Akademiker, gibt Hansen zu bedenken. Neben fehlenden oder veraltetem beruflichen Fachwissen bremse viele Langzeitarbeitslose eingeschränkte Mobilität aus.

Hinzu kämen gesundheitliche Einschränkungen bei den Betroffenen, sagt Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach. „Viele von ihnen kämpfen aufgrund der langen Erwerbslosigkeit mit psychischen Problemen. Sie haben entnervt die Suche nach Arbeit und gesellschaftlicher Anerkennung aufgegeben.“ Vor allem diesen Menschen müsse verstärkt geholfen werden.

Neue Fördermöglichkeiten

Zusätzliche Fördermöglichkeiten gibt es in diesem Jahr durch das Teilhabe-Chancengesetz. Für die Jobcenter der Arbeitsagenturen und der Kommunen sind das insgesamt 250 Millionen Euro. Betriebe, die Langzeitarbeitslose einstellen, erhalten einen Großteil der Lohnkosten – je nach Dauer der Arbeitslosigkeit zwischen 75 und 100 Prozent. Die Mittel dienten auch der beruflichen Qualifizierung.

Ein guter Ansatz, sagt DGB-Chef Schlimbach. Für Menschen, die aber auch dann nicht in den ersten Arbeitsmarkt zurückfinden, müsse es einen sozialen Arbeitsmarkt geben, fordert er. Zimmermann von den Linken plädiert für einen generellen Rechtsanspruch auf Weiterbildung.

Von Andreas Dunte

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