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Mitteldeutschland „Notwendiges Zeichen“: Schlag gegen Rechtsradikale in Cottbuser Fanszene
Region Mitteldeutschland „Notwendiges Zeichen“: Schlag gegen Rechtsradikale in Cottbuser Fanszene
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16:07 11.04.2019
Beim Landespokalspiel im Mai 2017 gegen Babelsberg stürmten Cottbuser Fans auf den Platz. Zudem gab es Sprechchöre „Arbeit macht frei, Babelsberg 03“ und „Zecken, Zigeuner und Juden“. Quelle: Jan Kuppert, dpa
Leipzig

Bei einer groß angelegten Razzia gegen Rechtsradikale innerhalb der Fanszene von Energie Cottbus haben Spezialkräfte der Polizei unter anderem Messer, Macheten, Schlagringe, Schlagstöcke, Baseballschläger, Elektroschocker und Sturmhauben sichergestellt. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sprach am Donnerstag von insgesamt 20 Beschuldigten im Alter von 22 bis 45 Jahren – darunter Mitglieder der früheren Fangruppe „Inferno Cottbus 99“. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern die Bildung einer kriminellen Vereinigung vor und legt ihnen nicht weniger als 50 Straftaten zur Last, darunter Körperverletzungen, Verstöße gegen das Waffengesetz und das Tragen von verfassungsfeindlichen Symbolen.

„Es geht dabei um zahlreiche Vorwürfe, auch um die Bedrohung von Journalisten. Das alles ist keinesfalls hinzunehmen. Der Rechtsstaat weiß sehr wohl mit solchen Herausforderungen umzugehen und hat mit den gestrigen Maßnahmen ein sehr deutliches und zugleich notwendiges Zeichen gesetzt“, sagte der Sozialdemokrat am Donnerstag.

Polizeipräsident: Auch Mitläufer zur Verantwortung ziehen

Durch Auswertung der ebenfalls sichergestellten Speichermedien und Computer erhoffen sich die Ermittler Rückschlüsse auf die Strukturen des Nazi-Netzwerks. „All die Taten dieser Gruppierung werden wir genauestens ausermitteln und die jeweiligen Verantwortlichen, und seien es auch nur Mitläufer dieser kriminellen Vereinigung, zur Verantwortung ziehen“, sagte der Cottbusser Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke.

Innenminister Schröter forderte die Menschen in der Region zudem auf, sich mehr gegen den Rechtsextremismus zu engagieren. Die Lage in Cottbus sei anders als in anderen Städten, nirgends sonst gebe es in Brandenburg ein derart verfestigtes und vernetztes Milieu aus Neonazi-, Kampfsport-, Türsteher- und Hooliganszene. Die Stadt müsse dringend dagegen vorgehen.

Rechtes Netzwerk über das Stadion hinaus

Seit Jahren gelten Teile der Fanszene von Energie Cottbus als rechtsextrem und überaus militant. Zentrales Element im Fanblock war lange Zeit: „Inferno Cottbus 99“. Allerdings ist diese Gruppe nicht die einzige, der rechtsradikale Tendenzen nachgesagt werden, auch „Collectivo Bianco Rosso“ und „WK 13 Boys“ zählen Szenekenner zum Netzwerk. Immer wieder gab es antisemitische, rassistische oder nationalistische Entgleisungen bei Spielen der Lausitzer. Zuletzt feierten FCE-Fans den Aufstieg ihres Teams in die dritte Liga in den Kostümen und mit einer Fahne des Ku-Klux-Klans.

Im Mai 2017 löste sich „Inferno Cottbus 99“ offiziell auf – wahrscheinlich um einer Strafverfolgung zuvorzukommen. Gebessert hat sich die Situation aber kaum. Ganz im Gegenteil: Recherchen des RBB zufolge kontrollieren ehemaligen Mitglieder inzwischen nahezu die gesamte Fankultur. Eine eher liberale Ultra-Gruppe wurde verdrängt, seit Oktober sind auch andere Zaunfahnen aus dem Stadion der Freundschaft weitgehend verschwunden. Stattdessen gibt es ein gemeinsames Banner, Beobachter werten das als Machtdemonstration.

Teilnahme an ausländerfeindlichen Protesten

Auch außerhalb der Arena waren die Gruppierungen nicht untätig. Bei den ausländerfeindlichen Protesten im vergangenen Jahr in Cottbus gehörten Fans von Energie zu den Wütenden, ebenso bei den Ausschreitung und Hetzjagden auf Migranten in Chemnitz. Als der Chemnitzer FC bundesweit in die Schlagzeilen geriet, weil im CFC-Stadion dem verstorbenen Gründer der „Hooligans Nazis Rassisten“ (HooNaRa) gedacht wurde, gab es parallel auch im Cottbuser Stadion Trauerbekundung – allerdings ohne anschließende Empörung.

Wie weit der Arm bisweilen reicht, zeigt sich allein schon am Umfang der Razzia am Mittwoch. Nicht nur in Brandenburg, sondern auch in Mecklenburg-Vorpommern, in Berlin und in Sachsen wurden insgesamt 33 Wohnungen, Büro- und Geschäftsräume durchsucht. Knapp 400 Beamte waren dabei im Einsatz.

„Es ist dies ein Milieu, das in der Region deutliche Überschneidungen aufweist und das wir bereits seit langem auf dem Schirm haben“, sagte Brandenburgs Innenminister Schröter und schob hinterher: „Ganz offensichtlich hat sich dabei in der Lausitz ein festes Geflecht herausgebildet.“

Von Matthias Puppe

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