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Mitteldeutschland Norwegen-Rückzug beschert VNG Gewinnsprung
Region Mitteldeutschland Norwegen-Rückzug beschert VNG Gewinnsprung
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16:53 12.04.2019
VNG-Zentrae in Leipzig mit dem im September 2018 eingeführten neuen Logo. Quelle: Eric Kemnitz
Leipzig

Der Verkauf des Norwegen-Geschäfts hat Verbundnetz Gas (VNG) im vergangenen Jahr eine kräftigen Gewinnsprung beschert. Unterm Strich konnte der Leipziger Gasimporteur seinen Überschuss 2018 verdoppeln – von 71 auf 142,3 Millionen Euro. Gut 40 Prozent davon – 58,5 Millionen – entfielen auf die im Herbst verkaufte Tochter VNG Norge.

VNG hatte die 2006 gegründete Tochter VNG Norge, die vor den Küsten Norwegens und Dänemarks nach Öl und Gas bohrt, im vergangen Jahr an den Gas- und Ölförderer Neptune Energy Norge verkauft – für einen dreistelligen Millionenbetrag. Davon floss ein zweistelliger Millionenbetrag in den Konzerngewinn ein. „Das hat die Bilanz ganz maßgeblich beeinfluss und substanziell zum Gewinnanstieg beigetragen“, sagte Finanzvorstand Bodo Rodestock am Freitag bei der Bilanzvorlage in der Leipziger VNG-Zentrale.

Mehr als 274 Millionen Euro Kaufpreis

Wie viel VNG für die Norwegen-Tochter erhalten hat, wollte Rodestock nicht verraten. Der Erlöse habe aber höher gelegen, als die 274 Millionen Euro, die VNG im vergangenen Jahr für Investitionen ausgab. In Finanzkreisen war sogar von einem Kaufpreis von bis zu 430 Millionen Euro die Rede gewesen. Das wollte VNG nicht bestätigen. Über die genaue Summe sei Stillschweigen vereinbart worden

„Der Verkaufserlös war für uns außergewöhnlich. Wir haben alles erzielt, was wir im vergangene Jahr investiert haben – und sogar noch ein Extraergebnis erzielt“, sagte Rodestock. Und die Summe habe auch deutlich über dem Buchwert gelegen, mit dem VNG die Tochter bisher in seiner Bilanz bewertet hatte. Die Differenz konnte nun als Gewinn verbucht werden. Das dürfte nach Einschätzung von Beobachtern rund die Hälfte der 58,5 Millionen Euro ausgemacht haben, die als Gewinn aus Norwegen kamen. Der Rest kam aus dem laufenden Geschäft der Tochter, die noch bis September zu VNG gehörte. Hier habe man auch noch einmal vom gestiegen Ölpreis profitiert, sagte Rodestock.

Auch verbleibendes VNG-Geschäft legt zu

Der satte Gewinnsprung sei aber nicht nur dem millionenschweren Verkaufserlös zu verdanken, fügte Rodestock hinzu. Auch die verbliebenen Geschäftsbereiche hätten sich gut entwickelt. Unterm Strich konnte der Gewinn auch ohne den Norwegen-Effekt fast verdoppelt werden – von 46,2 auf 83,8 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte – ebenfalls ohne Norwegen – um fast drei Milliarden auf 11,2 Milliarden Euro. Damit konnte das Wachstum im Stammgeschäft den Wegfall in Norwegen sogar mehr als ausgleichen. 2017 hatte VNG Norge nach LVZ-Berechnungen 2,1 Milliarden Euro zum Konzernumsatz beigetragen.

„2018 war ein außergewöhnlich gutes Jahr für VNG“, sagte Rodestock. „Das ist umso erfreulicher, weil das Ergebnis kein Selbstläufer gewesen ist. Wir haben hart dafür gearbeitet.“ So konnte im Kerngeschäft, dem Handel mit Erdgas, der Absatz um ein Fünftel erhöht werden – und das trotz eines rückläufigen Energieverbrauchs in Deutschland. „Ich bin insgesamt sehr zufrieden“, fügte Vorstandschef Ulf Heitmüller hinzu. VNG habe den Aufwärtstrend trotz schwieriger Rahmenbedingungen fortgesetzt. „Es ist uns gelungen, in allen Geschäftsbereichen gute operative Resultate zu erzielen.“

Kommunen erhalten Millionen-Dividende

Von dem guten Ergebnis profitieren auch die Kommunen, die an VNG beteiligt sind, allen voran die Städte Leipzig und Dresden. 40 Millionen Euro will der Konzern als Dividende an seine Anteilseigner ausschütten, fünf Millionen Euro mehr als vor einem Jahr. Davon entfallen nach LVZ-Berechnungen auf die Stadt Leipzig, die mit knapp 7,5 Prozent beteiligt ist, drei Millionen Euro.

Hinzu kommt in Leipzig noch die Gewerbesteuer. Die dürfte aber etwas niedriger ausfallen als zuvor: Für 2018 weist die VNG-Bilanz insgesamt nur eine Gewerbesteuer von 5,3 Millionen Euro aus. 2017 waren es noch 11,7 Millionen Euro gewesen. Und der Löwenanteil geht traditionell nach Leipzig, wo das Gros der Mitarbeiter sitzt: Von den 1101 Mitarbeiten haben mehr als 900 in Leipzig ihren Arbeitsplatz. Grund für den Rückgang der Steuerlast: Der Erlös aus dem Norwegenrückzug war steuerfrei.

Dresden (6,5 Prozent) kann mit 2,6 Millionen Euro Dividende rechnen, Chemnitz mit 850 000 Euro. Der Löwenanteil – fast 30 Millionen Euro – geht aber an den Hauptgesellschafter EnBW aus Baden-Württemberg, der fast 75 Prozent an VNG hält.

Geld wird investiert

Man habe sich ganz bewusst entschieden, den Erlös aus dem Norwegen-Rückzug nicht komplett an die Anteilseigner auszuschütten, sondern im Unternehmen zu lassen, sagte Rodestock. Das Geld wolle man nun investieren, etwa in Biogasanlagen und die Verlegung von Glasfaserkabeln. Damit wolle VNG neue Geschäftsfelder erschließen. „Das Wachstum, das wir in Zukunft angehen, muss ja auch finanziert werden“, sagte Rodestock. „Dafür stehen uns jetzt die Mittel aus Norwegen zur Verfügung. Der Verkaufserlös hat substanziell zur Verbesserung unserer Finanzlage beigetragen. Das war auch unser Ziel.“

Ein ganz konkretes Projekt kündigte Technikvorstand Hans-Joachim Polk bereits an: Zehn neue CNG-Erdgastankstellen sollen nun gekauft werden. In das Geschäft war VNG erst im vergangenen Jahr wieder eingestiegen – mit einer ersten CNG-Tankstelle in Zeitz im Burgenlandkreis. Zwei Jahre zuvor hatte sich VNG noch von seinen damals 13 Erdgastankstellen getrennt. Grund: Damals steckte der Konzern wegen schlechter Gaslieferverträge mit Russland tief in den roten Zahlen und brauchte dringend Geld.

Mit dem nun verbuchten Gewinnsprung konnte VNG bereits zum dritten Mal in Folge zulegen: 2015 hatte der Konzern noch rote Zahlen geschrieben, 2016 waren es dann bereits wieder 40 Millionen Euro Plus gewesen, die sich 2017 auf 71 Millionen Euro fast verdoppelten.

Ontras verdient weniger

Nicht ganz so gut lief es allerdings beim bisher größten Gewinnbringer Ontras. Zwar steuerte die Tochter, die das Gasnetz betreibt, erneut den Löwenanteil zum Gewinn bei. „Ontras hat sehr substanziell zum Ergebnis beigetragen“, sagte Rodestock. Anders als im Rest des Konzern legte sie aber nicht zu. Nach LVZ-Informationen lag der Gewinn der Tochter 2018 sogar etwas niedriger als ein Jahr zuvor. Damals hatte allein Ontras 121 Millionen Euro verdient – drei Viertel des gesamten Konzerngewinns vor Zinsen und Steuern.

Dass der Gewinn der Tochter nun erstmals seit Jahren schrumpfte, lag dem Vernehmen nach an einer von der Bundesnetzagentur verfügten Senkung der Netzentgelte, die die Gasanbieter für die Nutzung der Rohre an Ontras zahlen müssen. Denn die Preise für die Gasdurchleitung kann Ontras nicht selbst festlegen. Sie werden von der Netzagentur vorgegeben.

Gewinn dürfte 2019 zurückgehen

2019 dürfte der Gewinn aber wieder geringer ausfallen. „Das Ergebnis werden wir 2019 in der Form nicht wiederholen können“, räumte Rodestock ein. Dazu sei der Effekt aus dem Norwegenrückzug zu groß. Im operativen Geschäft werde man aber auch 2019 weiter zulegen. 2018 stieg hier der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern und ohne Norwegen um ein Viertel auf 159 Millionen Euro. 2019 werde das bereinigte operative Ergebnis aber wohl etwas niedriger ausfallen.

Langfristig werde der Rückzug aus Norwegen VNG aber nicht bremsen, fügte Vorstandschef Heitmüller hinzu. „Wir sehen durch die Aufgaben des Norwegengeschäfts perspektivisch keinen Gewinneinbruch. Im Gegenteil: Wir sehen ein stabiles Wachstum.“

Von Frank Johannsen

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