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Mitteldeutschland Nicht Knorr und Maggi erfanden die Tütensuppe – ein Thüringer war’s
Region Mitteldeutschland Nicht Knorr und Maggi erfanden die Tütensuppe – ein Thüringer war’s
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21:28 14.01.2020
Die Vorderseite einer Werbekarte für die Produkte von Rudolf Scheller (Rückseite: kleines Bild). Quelle: Stadtmuseum Hildburghausen
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Hildburghausen

Wer hat’s erfunden? Maggi? Knorr? Nein! Auch nicht die Schweizer. Die landläufige Tüten- oder Fertigsuppe – wer hätte es gedacht – hat ihren Ursprung in Thüringen. Dort kommt dem Hildburghäuser Friedrich Heinrich Rudolf Scheller bereits 15 Jahre vor dem Schweizer Unternehmer und Erfinder Julius Maggi (1846–1912) und einige Jahre vor den Brüdern Carl Heinrich Eduard Knorr (1843–1921) und Alfred Knorr (1846–1895) im Jahr 1871 die Idee von einer Fertigsuppe, die er alsbald in Form einer Tafel industriell herstellt. Vor 120 Jahren – am 14. Januar 1900 – stirbt er im thüringischen Münchengosserstädt im heutigen Landkreis Weimarer Land.

Pharmaziestudium in Jena

Scheller wird am 12. Mai 1822 im malerischen südthüringischen Hildburghausen geboren – bis 1826 Residenzstadt des bis dahin existierenden Herzogtums Sachsen-Hildburghausen. Sein Vater Johann Erdmann Scheller dürfte als Bankier, Weinhändler sowie Inhaber von Webereien und Spinnereien mit Handelsbeziehungen bis nach England nicht unvermögend gewesen sein. Über seine Mutter Karolina Maria Scheller ist nur wenig bekannt, ebenso über die Jugend des kleinen Rudolf.

Nach einer Apothekerlehre führt ihn 1845/46 ein Pharmaziestudium nach Jena, danach verwaltet er einige Jahre eine Apotheke in Frankfurt am Main. In Wien kommt er mit Tabakspfeifen aus Meerschaum – einem Magnesiumsilikat-Mineral – in Berührung und gründet 1860 in seiner Heimatstadt eine Meerschaumwarenfabrik.

Von Meerschaumpfeifen zu Tütensuppen

Hintergrund für den erstaunlichen Schwenk von Meerschaumpfeifen zu Tütensuppen dürften zwei historische Ereignisse sein. Zum einen wird Mitte 1869 gegen großen Widerstand der damaligen Zünfte die Gewerbefreiheit eingeführt. Der zweite Aspekt ist der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Die preußischen Fronttruppen wurden unter anderem mit der wenige Jahre zuvor entwickelten Erbswurst versorgt, die sich mit Wasser zu einer Suppe kochen ließ. Um sich lange zu halten, ist die Masse aber zu feucht. Und Scheller empfindet diese Art der Versorgung als ziemlich einseitig.

Die erste Tütensuppe stammt aus Thüringen

Also startet er erfolgreich Versuche für eine Tütensuppe. Ständig verbessert er die Rezepturen und bietet in kürzester Zeit vier verschiedene Suppen an, die in Tafelform gepresst wurden: Erbsen-, Reis- Gräupchen- und braune Mehlsuppe. Die konischen Tafeln sind in etwa neun mal sieben mal 1,5 Zentimeter groß und können in sechs gleiche Teile für je einen Teller Suppe geteilt werden. Nur fünf bis zehn Minuten Kochzeit braucht es für die Herstellung einer Mahlzeit. Er meldet ein Patent auf einen „Apparat zur Herstellung condensirter Suppen“ an. Es ist im Landesarchiv Baden-Württembergs einsehbar, die Laufzeit ist jedoch recht gering.

Militärs lehnen Erfindung ab

Der Thüringer bietet die Erfindung der preußischen Heeresleitung an – allerdings erfolglos. Die Militärs, für die auf Staatskosten eine Fabrik zur Herstellung von Erbswurst errichtet worden ist, lehnen ab. Doch Suppen-Scheller, wie er genannt wird, lässt sich nicht entmutigen und produziert im heutigen Gebäude der Polizeiinspektion in der Dr.-Moritz-Mitzenheim-Straße seine Fertigsuppen im großen Stil – fast 15 Jahre ohne nennenswerte Konkurrenz. Hildburghausen wird in dieser Zeit der Mittelpunkt Deutschlands und Europas für diese Variante vorgefertigter Nährmittel. Er verkauft seine Produkte bis in die USA und bleibt zunächst konkurrenzlos.

Maggi und Knorr kopieren Produkte

Der Abstieg beginnt, als die Firmen Maggi und Knorr seine Produkte kopieren und mit viel Werbung für ihre eigenen Fertigprodukte auf den Markt drängen. Weitgehend entmutigt zieht Scheller Mitte der 1890er-Jahre nach Münchengosserstädt zu seinem Sohn Arndt, der dort als ­Pfarrer wirkt. Erfolglos versucht er von dort aus, eine weitere Erfindung – einen Schwimmlernapparat (Reichspatent-Nummer 88997) zu vertreiben. Sein zweitältester Sohn Paul Rudolf übernimmt das Unternehmen. Das Fabrikgebäude wird verkauft und in den 1920er-Jahren in eine Taubstummenschule umgewandelt, heute befindet sich hier die Polizeiinspektion Hildburghausen. Erst 1947 stellte die Hildburghäuser „Erste Fabrik condensirter Suppen“ ihren Betrieb ein.

Industrielle Nährmittel und Fertiggerichte

Bereits seit den 1840er-Jahren arbeitete der deutsche ChemikerJustus von Liebig(1803– 1873) an der Entwickelung eines konzentrierten Fleischextraktes aus Rindfleisch. Der Unternehmer und Ingenieur Georg Christian Gilbert bot Liebig eine Zusammenarbeit in Uruguay an, wo es einen großen Überschuss an Rindfleisch gab. Der Liebig-Fleischextrakt wurde in riesigen Mengen erzeugt und weltweit verkauft.

Der in Frankfurt am Main geborene Heinrich Nestle (1814–1890), der nach seiner Auswanderung nach Vevey in der französischsprachigen Schweiz 1839 seinen Namen in Henri Nestlé änderte, verbesserte das von Liebig 1865 entwickelte Rezept für eine Fertig-Trockenmilch und verkaufte das Produkt später unter seiner Marke. Ihm gelang 1867 die Erfindung des „Kindermehls“ – der ersten Säuglingsnahrung.

Der Schweizer Unternehmer Julius Maggi (1846–1912) entwickelte 1886 die gleichnamige Würze – eine vegane Würzsauce. 1908 brachte Maggi den Brühwürfel auf den Markt. 1947 fusionierten die Firmen Maggi und Nestlé.

Von Martin Pelzl

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