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News Schlossherr einer Baustelle: Wie Ronny Baska das Rittergut in Ottendorf restaurieren will
Region Mitteldeutschland News Schlossherr einer Baustelle: Wie Ronny Baska das Rittergut in Ottendorf restaurieren will
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16:42 15.10.2019
Ronny Baska vor seinem Schloss in Ottendorf Quelle: Hanna Gerwig
Ottendorf

In den Vorgärten wachsen Sonnenblumen und Essigbäume, die Auffahrten zu der schmalen Hauptstraße sind gepflegt, auf den Fensterbänken stehen Blumenkästen. Ottendorf ist Teil der Gemeinde Bahretal, idyllisch gelegen in der Sächsischen Schweiz. Hier zeigt sich nur selten der Leerstand, der manch andere sächsische Kleinstadt fest im Griff hat. Doch auch hier gibt es ihn, etwa in Form des alten Ritterguts.

Ein Investor hatte das Schloss in den Neunzigern für einen symbolischen Betrag gekauft. Seitdem verfiel es, bis 2015 Ronny Baska auf die Immobilie stieß. Er beschloss, die alten Gemäuer in Stand zu setzen und wieder zu einem Mittelpunkt des Dorfes zu machen. Bisher pachtet er das Schloss, hofft aber darauf, es bald kaufen zu können.

Familie gehörte Hochadel an

Baska ist 48 Jahre alt, ein schmaler Mann, dessen praktische Kleidung aus einer staubigen Arbeitsjeans, T-Shirt und einer Allwetterjacke besteht. Häufig mit dabei ist auch seine Landser-Mütze, an der er eine kleine Flagge in der Farbkombination schwarz-rot-gold befestigt hat. „Das ist nicht politisch, die Mütze habe ich von meinem Großvater“, sagt er selbst dazu.

Seine Familie habe irgendwann einmal dem Hochadel angehört und sogar Kontakt zum russischen Zarenhaus gehabt, versichert er. Daraus sei auch der Mädchennamen seiner Mutter „Hanko“ hervorgegangen, den er wieder annehmen möchte – und den er jetzt schon oft angibt.

Schlosssanierung wird noch Jahre dauern

Manchmal spricht er von Dingen wie „der göttlichen Ordnung“, dass Adel in früheren Zeiten nichts weiter als „edel“ bedeutet habe und man sich auf die alten Werte zurückbesinnen solle. Kontaktiert man ihn über Whatsapp, zeigt sein Profilbild ein Eisernes Kreuz. Bevor Baska nach Ottendorf kam, war er lange als Kampfsportler und -lehrer im Kickboxen aktiv, auch das Rittergut pachtete er ursprünglich, weil er auf der Suche nach neuen Trainingsräumen war. Seitdem arbeitet er jeden Tag an der Sanierung der zahlreichen Gänge, Zimmer und Säle.

„Den Hof konnte ich am Anfang nicht einmal mit einer Machete begehen“, erzählt Ronny Baska und stößt eine Flügeltür zum Innenhof auf. Noch vor vier Jahren sei die Fläche komplett zugewuchert und mit Gerümpel zugestellt gewesen. Heute picken Hühner die Gräser aus den Zwischenräumen des gepflasterten Wegs, neben einer improvisierten Feuerstelle steht ein Holztisch und an der Rückwand klettert junger Efeu.

Gäste können das Rittergut besichtigen

Ganz verschwunden ist das Gerümpel nicht, einige zerbrochene Dachziegel liegen neben einem zugewucherten Steinhaufen, in den Ecken lehnen Holzbalken. Die Renovierungen werden voraussichtlich noch Jahre dauern, aber Baska hat große Pläne – um den Hof möchte er zum Beispiel eine Holzveranda ziehen. „Dann kann ich Fluchttreppen anlegen, ohne wirklich etwas am Gebäude zu verändern“, sagt er.

Mit der Sanierung des Schlosses in Ottendorf hat sich Ronny Berka einer Mammutaufgabe gestellt. Einige der Räume sind bereits bewohnbar – in anderen liegt noch der Schutt. Das größte Problem ist das Dach.

Damit wäre eine Voraussetzung geschaffen, um später Hotelgäste im Schloss aufzunehmen. Bereits heute bietet Baska zwei fertig renovierte Zimmer über das Ferienwohnungsportal Airbnb an. Die Unterkünfte sind einfach, aber durchaus liebevoll eingerichtet – mit Möbeln aus den dreißiger Jahren, echten Federbetten, einem Holzofen. Seinen Gästen erzählt Ronny bei ihrem Eintreffen von der Geschichte des Schlosses, führt sie herum. Bis auf seine Privaträume ist jeder Teil des alten Gemäuers zugänglich, wer eine Nachtwanderung machen möchte, bekommt eine Petroleumlampe ausgehändigt – für die Atmosphäre.

Unterstützung von Denkmalschutz und Förderverein

Früher, so erzählt er, sei das Gebäude ein Wasserschloss gewesen, mit einem mehr als fünf Meter tiefen Graben. Um 1290 wird es das erste Mal verbrieft erwähnt, um 1500 erfolgt der Umbau zum Rittergut beziehungsweise Rennaisanceschloss. Später habe dann eine wohlhabende Bauernfamilie darin gelebt. Das hat Ronny Baska zusammen mit dem Förderverein herausgefunden, der die Arbeiten finanziell mit trägt. „Das sind vor allem Unternehmen aus der Umgebung“, so der Schlossherr. Auch werde er – etwa bei der Konstruktion des Dachstuhls – durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gefördert.

Unterstützung erhält er auch bei der Restauration verschiedener Wandgemälde im Schloss. Eine Kopie eines Ölgemäldes des russischen Künstlers Andrei Petrovich Ryabushkin wurde etwa von Kunststudenten aus Dresden wieder hergestellt, die gut erhaltene Wandmalerei „Tanz des Todes“ wartet noch darauf.

800 Schlösser in Sachsen unter Denkmalschutz

Das Rittergut in Ottendorf zählt zu den etwa 800 Burgen, Herrenhäusern und Schlössern, denen in Sachsen ein Denkmalstatus zugeschrieben wird. Laut dem sächsischen Innenministerium geht es auf eine ehemalige Wasserburg zurück und entstand in seiner heutigen Baugestalt im 16. und 17. Jahrhundert. Der Freistaat ist an dem Erhalt des Gebäudes interessiert und unterstützte den Förderverein um Ronny Baska in der Vergangenheit etwa durch die Förderung eines Holzschutzgutachtens. Weitere Sanierungen sowie die Sicherung des Schlosses seien dringend notwendig. Der Förderverein habe im April 2019 Kontakt zu einem Planer aufgenommen, seitdem warte man auf weitere Anträge, heißt es vom Innenministerium. Insgesamt stehen in Sachsen 101.000 Bauwerke unter Denkmalschutz.

Von Hanna Gerwig

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