Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
News Lohnunterschied zwischen Ost und West noch immer gravierend
Region Mitteldeutschland News Lohnunterschied zwischen Ost und West noch immer gravierend
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:21 23.06.2019
Auch in den medizinischen Berufen sind die Unterschiede zwischen Ost und West zum Teil noch erheblich. (Archivfoto) Quelle: epd
Berlin/Leipzig

Auch 30 Jahre nach der Wende sind die Lohnunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland zum Teil noch erheblich. Je nach Berufsgruppe und Anforderungsniveau gibt es für die gleiche Arbeit in den neuen Bundesländern zwischen 20 und 25 Prozent weniger Bruttogehalt als in den alten. Das geht aus einer umfangreichen Datensammlung der Bundesregierung hervor, welche die AfD-Bundestagsabgeordneten René Springer (Berlin) und Martin Sichert (Nürnberg) angefordert hatten.

Sachsen ist zwar Wachstumsmotor im Osten, aber auch hier verdienen die Arbeitnehmer deutlich weniger. In manchen Berufen beträgt der Unterschied sogar bis zu 40 Prozent. Nicht selten haben ostdeutsche Facharbeiter am Ende des Monats weniger Geld in der Lohntüte als westdeutsche Hilfskräfte.

Die Lücke schrumpft zwar allmählich, im vergangenen Jahr hatten Sachsens Arbeitnehmer laut Statistischem Landesamt im Schnitt 1000 Euro mehr verdient als 2017. Aber für die Menschen in Ostdeutschland ist das Weniger immer noch mindestens bitter.

Spezialisten in ihren Berufen bekommen im Westen mehr Geld

Zu den konkreten Zahlen: Bei einfachen Hilfstätigkeiten betrug der monatliche Mehrverdienst im Westen zum Jahresende 2017 etwa 414 Euro, bei Fachkräften mit komplexeren Jobs waren es im Schnitt 723 Euro mehr. Spezialisten in ihren Berufen, wie Meister oder Bachelor-Absolventen, hatten in den älteren Bundesländern im Schnitt 1019 Euro mehr Gehalt und in der Gruppe mit den komplexesten Tätigkeiten, die in der Regel von Hochschulabsolventen oder Beamten im höheren Dienst ausgeführt werden, stehen auf dem West-Lohnzettel im Schnitt 1058 Euro mehr als im Osten.

3209 Euro brutto – wer Ende 2017 soviel verdiente, war absolutes Bundes-Mittelmaß. Das heißt, es gab von Flensburg bis Suhl, Görlitz bis Köln genauso viele Arbeitnehmer mit mehr Verdienst, wie mit weniger. Für den größten Teil der Arbeitnehmerschaft im Osten blieb dieses Mittelmaß aber ein ferner Traum: Zweidrittel der Beschäftigen hierzulande lagen unter diesem sogenannten Medianwert bundesdeutscher Verdienstmöglichkeiten. Im Westen ist zwar auch nicht alles goldglänzend, dort waren aber „nur“ 46 Prozent noch kein Mittelmaß.

Westdeutscher Metallbau-Meister bekam 40 Prozent mehr

Je höher das Anforderungsniveau im Job, umso größer sind häufig die Lohnunterschiede. In manchen Berufen klafft die Lücke besonders stark. Ein Beispiel aus Sachsen: Bei Facharbeitern im Metallbau lag der mittlere West-Verdienst 2017 bei 3503 Euro brutto, im Freistaat nur bei 2297 Euro. Das ist ein Minus von 35 Prozent.

Als Meister im selben Berufszweig verdiente man 2017 im Freistaat mit 2693 Euro etwas mehr, aber eben immer noch weniger, als der Facharbeiter-Kollege auf der anderen Seite vom Harz. Als westdeutscher Metallbau-Meister standen zum Erhebungszeitpunkt sogar 4508 Euro Monatsbrutto zu Buche – und somit stolze 40 Prozent mehr als beim sächsischen.

Auch wenn die Lohnunterschiede im oberen Arbeitsniveau oft höher sind, so bringen sie doch im niedrigeren die Betroffenen eher in Bedrängnis, vielfach auch in soziale Schieflagen. Als festangestellte Hilfskraft in der Textilbranche lag der mittlere Verdienst in Sachsen anno 2017 bei 1639 Euro – und somit 658 unter dem Westniveau. So etwas lässt sich im Monat auch nicht mit billigerem Jogurt oder geringeren Nebenkosten in der Zweiraumwohnung ausgleichen.

„Wenn Fachkräfte in Sachsen weniger verdienen als Hilfskräfte in anderen Teilen der Republik, darf man sich über die Abwanderung von gut qualifizierten Arbeitnehmern nicht wundern“, sagt der Rechtspopulist Renè Springer und fordert von der Bundesregierung: „Es wird höchste Zeit, dass die wirtschaftliche Entwicklung im Osten endlich zur Chefsache im Kanzleramt gemacht wird.“

Kanzlerin Angela Merkel will Löhne angleichen lassen

Ähnlich hatten im April beispielsweise auch die ostdeutschen Länderchefs Bodo Ramelow (Linke, Thüringen) Michael Kretschmer (CDU, Sachsen) und Manuela Schwesig (SPD, Mecklenburg-Vorpommern) beim Treffen mit Angela Merkel im thüringischen Neudietendorf argumentiert.

Die Kanzlerin versicherte damals, sich weiterhin für eine Angleichung der Lebensverhältnisse einzusetzen. Und tatsächlich gibt es die heute auch sogar schon: Eine Hilfskraft im sächsischen Sicherheitsgewerbe hatte 2017 statistisch gesehen genau vier Euro mehr als der westdeutsche Kollegen auf dem Lohnzettel. Ob die 1772 Euro brutto zum Leben gereicht haben, bleibt allerdings fraglich.

Von Matthias Puppe

Der offene Brief der Leipziger CDU mit der Forderung die Russland-Sanktionen zu lockern, stößt auf scharfe Kritik beim ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk. Er ist über das Schreiben empört.

23.06.2019

Hunderte Neonazis sind für das Wochenende nach Ostritz gekommen. Sie feierten in dem sächsischen Ort das „Schild und Schwert Festival“. Die Musik der rechten Szene ruft dabei teilweise offen zu Gewalt auf - aber löst sie sie auch aus?

23.06.2019

Mit zahlreichen Blumen, Bäumen und Sträuchern sind Industriebrachen in Frankenberg zur Landesgartenschau aufgewertet worden. Die Stadt hofft auf langfristige Effekte. Hat das in früheren Landesgartenschau-Kommunen geklappt?

20.04.2019