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News Am seidenen Faden – Wie zwei Frauen Sachsens altes Weberhandwerk retten wollen
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18:50 07.11.2019
Eva Howitz und Lena Seik zeigen ihre Ausstellung "Garten der Fäden". Quelle: Andra Ivanciu
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Leipzig

Die Sache ist von Anfang an ein Selbstläufer. Als Eva Howitz und Lena Seik im Herbst 2018 in der historischen Schauweberei im sächsischen Braunsdorf ein paar Kisten öffnen und dabei auf historische Skizzen und Stoffe stoßen, wissen beide sofort: Hier ist etwas, das man zeigen muss. „Die Muster und Entwürfe haben eine ästhetische Kraft, die uns fast erschlagen hat. Mir kam es absurd vor, dass fast niemand sie kennt“, sagt Eva Howitz. Noch am gleichen Tag setzen sich die beiden Frauen zusammen und skizzieren ein Konzept für eine Ausstellung. Der Zeitpunkt könnte nicht passender sein: Im Rahmen des anstehenden Jahres der Industriekultur übernimmt die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen (KdFS) die Förderung. Über das Themenjahr feiert das Land seine 500-jährige Industrie- und Gewerbetradition – sowie ihre Bedeutung für die heutige Entwicklung Sachsens. Bisher werden mehr als 30 Projekte unterstützt, die unter dem Motto „Industrie.Kultur.Sachsen.“ zum Großteil im kommenden Jahr realisiert werden.

„Ein riesiger Haufen Geschichte“

„Im Januar haben wir angefangen zu forschen, im April eröffnet“, erzählt Howitz. Die 37-jährige Modedozentin und Designerin mit eigenem Label in Leipzig stieß durch eine Exkursion mit Studierenden auf das technische Museum in Braunsdorf, in dem bis zu ihrer Schließung im Jahr 1990 die Möbelstoffweberei Tannenhauer produzierte – und sich dabei weit über die Grenzen Sachsens hinaus mit floralen Biedermeierstoffen einen Namen machte. „Der laute, historische Webstuhl, der Geruch von Klebstoff und die fertig gewebten Blütenmuster – das alles hat mich ziemlich berührt“, sagt Howitz.

Noch bis Januar 2020 können die im Archiv entdeckten Stoffe und Skizzen im technischen Museum in Braunsdorf betrachtet werden. Konzipiert ist die Ausstellung nach dem Prinzip einer barocken Wunderkammer.

Zusammen mit Lena Seik, die in der Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig die Abteilung für Kunstvermittlung leitet, besucht sie die Schauweberei erneut. „Dabei hat uns die Museumsleiterin auch das Archiv gezeigt, das sie von der Familie Tannenhauer geschenkt bekommen hat und aus dem die rund 30 000 Exponate stammen“, sagt Seik. „Plüsche, wertvolle Seiden, die Technik – wir standen da plötzlich vor einem riesigen Haufen Geschichte“.

Ausstellung bleibt noch bis Januar 2020 geöffnet

„Im Garten der Fäden“ heißt die Ausstellung, die sich dem wiederentdeckten Musterarchiv widmet und noch bis Januar 2020 geöffnet bleibt. Konzipiert ist sie nach dem Prinzip einer barocken Wunderkammer, in der wertvolle und besondere Dinge aus Natur und Kunst zusammengetragen werden. Über die verschiedenen Stadien der Bearbeitung – von der geernteten Pflanze, über die gesponnene Faser, den Entwurf und schließlich das fertige Muster – wird der gesamte Entstehungsprozess der Stoffe gezeigt. „Wir fragen auch: Wie können wir das Handwerk von damals heute im Sinne der Nachhaltigkeit nutzen,“ sagt Seik.

Im Jahr 2019 schwinde die Chance bereits, die älteren Verfahren der Textilindustrie in die Zukunft zu retten. Es gebe zwar einen Trend hin zu kleinen Manufakturen, die ökologisch und ohne Ausbeutung arbeiteten. Aber bald niemanden mehr, der junge Leute – etwa im Weberhandwerk – ausbilden könne. „Viele der Stoffe, die wir zeigen, können wir selbst nicht mehr herstellen“, sagt Lena Seik. Deshalb sei auch das Themenjahr zur Industriekultur 2020 so wichtig – um Industriehistorie sichtbar zu machen und interessierte Menschen zu vernetzen. Ähnlich formuliert es die Kulturstiftung: Durch die vielen Aktivitäten wolle man zeigen, dass die Industriekultur von damals das Fundament des heutigen Wachstums in Sachsen sei.

„An Orten wie diesem ist die Industriegeschichte eng mit den Menschen der Region und ihren Lebensläufen verwoben“, sagt Eva Howitz. In ihnen lebe Wissen weiter, das die Allgemeinheit längst verloren habe. Die beiden Kuratorinnen suchen nun nach Sponsoren, um in Braunsdorf ein Stück davon zu retten.

In diesem Jahr findet in der historischen Schauweberei – abgesehen vom üblichen Museumsbetrieb – noch eine Kuratorinnenführung statt. Diese beginnt am 8. Dezember um 14 Uhr.

Höhepunkte des Jahres der Industriekultur

Neben vielen kleinen Projekten hat die KdFS verschiedene Höhepunkte für das Jahr der Industriekultur 2020 benannt. Bezugspunkt für das Themenjahr wird die vierte sächsische Landesausstellung im Audi-Bau in Zwickau. Neben der Erschließung der Energiefabrik in Knappenrode und dem Kulturfestival ibug, bei dem Industriedenkmäler temporär zu Gesamtkunstwerken werden, zählt auch die Do-it-yourself-Messe „Maker Faire“ in Chemnitz dazu. In Frankenberg soll außerdem die ehemalige Gartenshow-Blumenhalle zum Erlebnismuseum für Groß und Klein werden. Weitere Höhepunkte unter www.industriekultur-in-sachsen.de/

Von Hanna Gerwig

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