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Mitteldeutschland Neues Superlexikon der deutschen Sprache entsteht mit sächsischer Hilfe
Region Mitteldeutschland Neues Superlexikon der deutschen Sprache entsteht mit sächsischer Hilfe
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20:35 04.02.2019
Die lateinischen Schriften von Venantius Fortunatus, Bischof von Poitiers, wurden im 6. Jahrhundert zum Teil ins Altdeutsche übersetzt. Quelle: Foto: Sächsische Akademie der Wissenschaften
Leipzig

 Wörterbücher gibt es viele, auch Webseiten mit lexikalischen Datenbanken lassen sich im Internet finden. Was es bisher allerdings nicht gibt, ist eine zentrale und gut gemachte Anlaufstelle für alle Aspekte der deutschen Sprache im Netz. Das soll sich nun ändern. Mehrere Forschungseinrichtungen haben eine Art Superlexikon in Angriff genommen, das künftig sowohl für Laien und Lernende, als auch für Akademiker zur wichtigsten Rechercheplattform werden soll. Die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig ist mit an Bord und bringt ihre Forschungen ein.

Auf Nachfrage gibt es erstmal eine interessierte Gegenfrage: „Auf welchen Webseiten suchen sie denn, wenn es um die deutsche Sprache geht?“, fragt Dr. Brigitte Bulitta. Sie ist Expertin für Sprachgeschichte und für die Leipziger Projektmitarbeit verantwortlich. Eine eindeutige Antwort fällt tatsächlich schwer: Manche Portale haben einfache Suchfunktionen, sind aber schmal aufgestellt. Andere Webseiten werden von Online-Communities betreut, sind umfangreicher, können aber Fehler beinhalten. Wieder andere wenden sich an spezielle Zielgruppen, sind weniger allgemeingültig. Nicht zuletzt gibt es digitalisierte Kataloge von Forschungseinrichtungen, die meist aber nicht nur für Laien schwer durchschaubar sind. Ja, wo suchen, wenn es um die deutsche Sprache geht?

Künftig soll die Antwort heißen: beim Zentrum für Lexikographie (ZDL). Eine Web-Adresse gibt es bisher noch nicht, aber hohe Ansprüche. „Nutzergerecht und kostenlos“, soll das Portal werden und „als zentrale Instanz der allgemeinsprachlichen Internetlexikographie künftig Maßstäbe setzen“, hieß es bei der Vorstellung in Berlin. Bundeswissenschaftsministerin Anja Karliczek (CDU) hat zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt, fünf Jahre dauert allein die erste Aufbauphase im Projekt. Schon daran lässt sich dessen Dimension erkennen. In der Folge sind weitere drei Jahre für Ausbau und Vernetzungen des Angebots geplant.

Vorarbeit in Berlin und Göttingen

Anfang Januar hat der erste Abschnitt der Erfassung begonnen, erzählt Brigitte Bulitta. Der Fokus zu Beginn liege auf der Zeit vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Gefordert seien dabei vor allem die Kollegen der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Brandenburg und in Göttingen. Denn die Leipziger haben ihre Expertisen in noch älteren Sprachperioden, die dann im Anschluss ins System eingepflegt werden.

In der aktuellen Ausgabe des Dudens wird die Zahl der deutschen Wörter in Grundform auf mehr als 23 Millionen geschätzt. Nur ein Bruchteil davon steht in der gedruckten Ausgabe – weil der Rest selten gebraucht wird. Das ZDL als künftiges Standardwerk wird sich Selektionen nicht erlauben können. Einige Vorarbeit ist allerdings bereits geleistet: Das neue Superlexikon soll auf dem Datensatz des „Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache“ aufbauen können. Jenes wird seit der Jahrtausendwende von der Akademie in Berlin-Brandenburg gefüllt und hat inzwischen schon 13 Milliarden Textwörter im Korpus. Die Göttinger Akademie will dazu Begriffe aus der Zeit des Mittel- und Frühneuhochdeutschen einfließen lassen sowie kulturell aufgeladene Wörter, wie zum Beispiel Freiheit, Glück oder Heimat, herausgreifen und deren Geschichte näher beschreiben.

Von Fater über Fadar zum Vater

Um ähnliche Erläuterungen geht es auch bei den Zulieferung der Sächsische Akademie. „Bei uns am Vorhaben ‚Althochdeutsches Wörterbuch‘ werden sämtliche Wörter der ältesten schriftlichen Überlieferung des Deutschen vom 8. bis 11. Jahrhundert dokumentiert und umfassend lexikographisch aufgearbeitet“, erklärt Bulitta. Im neuen Wörterbuch soll auch zu lesen sein, welche Wörter zu dieser Zeit bekannt waren und wie diese gebraucht wurden. „Das heutige Wort Vater konnte in ältester Zeit fatar, uater, fatder, vatter oder fadar geschrieben werden. Das Wort Hexe lautete noch hagazussa. Das Verb leiden – früher lîdan mit langem i statt ei – bedeutete im Gegensatz zu heute ‘(weg)gehen’“, sagt die Sprachforscherin. Viele Begriffe seien im Laufe der Jahrhunderte ausgestorben oder wurden verdrängt. Im neuen Standardwerk der deutschen Sprache sollen sie für künftige Generationen auffindbar bleiben.

Letztlich geht es allen Beteiligten auch darum, das Deutsche als Sprache wieder interessanter zu machen. „Es ist mit der Sprache ähnlich wie mit anderen Kulturgütern: mangelnde Aufmerksamkeit macht sie weniger attraktiv, macht sie weniger reich und ausdrucksstark“, erklärte Klaus-Dieter Lehmann, Leiter des Goethe-Instituts, zum Start des Großprojekts. Der Erhalt einer Sprache sei kein Selbstläufer, sondern man müsse investieren und eine aktive Sprachpolitik betreiben, so Lehmann weiter. Ein gut vernetztes, detailliertes und vor allem gut gemachtes Lexikon kann ein Schritt in die richtige Richtung sein.

Von Matthias Puppe

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