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Mitteldeutschland Neue Messdaten: Sachsens Wölfe sind echte Weltenbummler
Region Mitteldeutschland Neue Messdaten: Sachsens Wölfe sind echte Weltenbummler
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08:03 29.12.2019
Immer mehr Wölfe leben in Deutschlands Wäldern. (Archivbild) Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Sächsische Wölfe kommen ziemlich weit herum - bis nach Weißrussland und Dänemark sind einzelne Tiere nachweislich schon getrabt. „Ein Wolf hat kein Google Earth, er läuft einfach los“, sagt Ilka Reinhardt vom Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Sachsen.

Hier weiß man inzwischen ziemlich genau, wohin der Canis lupus - der größte Räuber aus der Familie der Hunde - ausschwärmt. Die Forscher erhalten ihre Informationen von Sendern, die via Satellit den Aufenthaltsort der Tiere übermitteln.

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Ausflug bis nach Cottbus

In diesem Sommer hat Sachsen erstmals seit längerer Zeit wieder zwei Wölfe mit Sendern ausgestattet. Seither streunen Lotta und Juli durch die Wälder des Freistaates und des nördlichen Nachbarn Brandenburg. Juli hat den Funkdaten zufolge schon einen weiten Ausflug bis an den Stadtrand von Cottbus unternommen. Reinhardt zufolge kann das ein Hinweis sein, dass die Fähe eine Familie gründen will: „Das Problem: Sie braucht ein Grundstück.“

Und die werden zumindest in einigen Teilen des Landes langsam knapp. In Deutschland werde die Population noch so lange wachsen, wie Wölfe geeignete und freie Territorien finden, sagt Reinhardt. Dort, wo Wölfe schon präsent sind, erfolge die Ausbreitung aber langsamer. Die Fachleute sprechen von „gesättigten Gebieten“.

Brandenburg löst Sachsen ab

Anfang Dezember haben das Bundesamt für Naturschutz und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) neue Zahlen zum Bestand herausgegeben. Brandenburg hat mit 41 Rudeln Sachsen als Wolfsland Nummer Eins abgelöst. Dahinter rangieren Sachsen und Niedersachsen mit 22 und 21 Verbänden. Nach Angaben des Wolfsmonitorings in Niedersachsen sind dort mit Stand Dezember 2019 sogar 23 Rudel heimisch.

Ein Rudel besteht aus etwa acht Tieren - den Eltern und Nachkommen der letzten zwei Jahre. Erstmals wurden einzelne Tiere in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein nachgewiesen. 11 Bundesländer sind jetzt Wolfsgebiet.

105 Rudel deutschlandweit

Nach dem Monitoring für das Wolfsjahr 2018/19 - es reicht vom 1. Mai eines Jahres bis zum 30. April des Folgejahres - gibt es neben 105 Rudeln noch 25 erfasste Wolfspaare sowie 13 sesshafte Einzelwölfe. Beim vorhergehenden Monitoring waren es deutschlandweit 77 Rudel, 40 Paare und 3 Einzelwölfe. Der Deutsche Jagdverband beziffert die Zahl der Wölfe auf rund 1300 Tiere - und prognostiziert für das kommende Frühjahr knapp 1800 Wölfe.

Der Naturschutzbund Deutschland hält die Zahlen der Jagdverbandes für übertrieben. „Damit wird nur Panik verursacht“, meint Nabu- Wolfsexpertin Marie Neuwald. Die Jäger hätten offenbar alle Jährlinge und Welpen mitgezählt, die aber keine Relevanz für die tatsächliche Anzahl hätten: „Die Sterblichkeit von Welpen liegt im ersten Lebensjahr bei 50 Prozent, da gibt es viel Fluktuation.“ Es werde noch eine Weile dauern, bis die hiesige Population den sogenannten günstigen Erhaltungszustand von 1000 adulten Tieren habe.

Zuwächse von 30 Prozent

Frank Faß, Chef des Wolfcenters Dörverden (Niedersachsen) beziffert die jährliche Zuwachsrate an Wolfsterritorien im Mittel auf 30 Prozent. Das würde am Ende des laufenden Wolfsjahres etwa 130 Rudel bedeuten. „Jede Landschaft hat eine Kapazität. Diese entscheidet, wie viele Rudel Platz in ihr haben“, sagt der Experte. Die Population werde weiter wachsen.

Nicht zuletzt ihr hoher Schutzstatus hat dazu geführt, dass sich die Wölfe in Deutschland nahezu ungehindert ausbreiten können. Was Naturschützer erfreut, bringt Nutztierhalter auf die Palme. Denn mit der wachsenden Population nimmt auch die Zahl der gerissenen Schafe, Ziegen oder Rinder zu. Für das Jahr 2018 listet die DBBW 639 Angriffe von Wölfen auf Nutztiere auf, bei denen 2067 von ihnen getötet oder verletzt wurden. Im Jahr zuvor waren es 472 Attacken und 1667 Opfer.

Meiste Übergriffe in neuen Territorien

Entscheidend für das Ausmaß der Schäden sei, wie gut oder schlecht vor allem Schafe und Ziegen vor Wolfsübergriffen geschützt waren. Nach Angaben der DBBW gibt es die meisten Übergriffe dort, wo Wölfe neue Territorien besiedeln und sich Schaf- und Ziegenhalter noch nicht auf ihre Anwesenheit eingestellt haben: „Meist gehen die Schäden in diesen Gebieten zurück, wenn die Tierhalter Herdenschutzmaßnahmen richtig anwenden.“

Dennoch dürfte es Wölfen per Gesetz künftig leichter an den Kragen gehen. Kurz vor Weihnachten entschied der Bundestag, dass sie künftig einfacher abgeschossen werden können, um Schafe und andere Nutztiere vor dem Raubtier zu schützen. In Zukunft ist ein Abschuss auch dann möglich, wenn unklar ist, welcher Wolf genau zum Beispiel eine Schafherde angegriffen hat. Es dürfen so lange Wölfe in der Gegend geschossen werden, bis es keine Attacken mehr gibt - auch wenn dafür ein ganzes Rudel getötet wird.

Von RND/dpa

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