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Mitteldeutschland Neue Lehrpläne in Sachsen: Mehr Politik, mehr Medien, mehr Umwelt
Region Mitteldeutschland Neue Lehrpläne in Sachsen: Mehr Politik, mehr Medien, mehr Umwelt
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15:56 26.06.2019
Blick in eine Unterrichtsstunde. (Archivfoto) Quelle: dpa
Dresden

Sachsens Kultusministerium hat gut 90 Lehrpläne für allgemeinbildende Schulen überarbeiten lassen. Ab dem kommenden Schuljahr soll an Grund- und Oberschulen sowie an Gymnasien mehr politische Bildung, mehr Medienbildung und mehr Bildung für nachhaltige Entwicklung Teil des Unterrichts werden, hieß am Mittwoch. Zu Lasten geht das im Stundenplan unter anderem bei Mathematik, Deutsch, Biologie und Sport.

„Der Umgang mit Pluralität und Digitalisierung in der Gesellschaft, die Reaktion auf klimatische Veränderungen sowie die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen sind zukunftsentscheidende Fragen“, so Bildungsminister Christian Piwarz (CDU) bei der Vorstellung der Pläne. Diese Fragen müssten künftig auch im Unterricht beantwortet werden. Die Überarbeitung der Lehrpläne sei zwar keine Revolution, „aber eine wichtige Evolution, um sie auf einen neuen Stand zu bringen“, so Piwarz.

Konkret wird beispielsweise ab kommendem Jahr in Gymnasien ab Klasse 7 der neue Lernbereich „Partizipationsmöglichkeiten Jugendlicher auf kommunaler Ebene“ eingeführt. Hier sollen Schüler Einblicke in die politischen Mitbestimmungsmöglichkeiten in ihrer Region erhalten. Zuvor beginnt in der vierten Grundschulklasse bereits die Medienbildung. Dort liege ein Fokus unter anderem auf journalistischen Kompetenzen – wie dem richtigen Arbeiten mit Quellen und sich bei der Meinungsbildung auch mit der Argumentation der Gegenseite auseinanderzusetzen.

Influencer, Fake News und Social Bots

Im Deutschunterricht der Klasse 7 soll künftig geübt werden, wie man sich im Internet souverän aber auch kritisch Informationen verschafft. „Eine Bewertung der Rolle von Influencern, Fake News und Social Bots gehört ebenso in den Unterricht“, so das Kultusministerium. Bildung für nachhaltige Entwicklung – kurz BNE genannt – sei als überfachliches Ziel neu aufgenommen worden. „Schüler sollen lernen, sich ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltig zu verhalten und dafür einzusetzen“, hieß es.

Ein eigenes Schulfach „Klimawandel“, wie es zuletzt unter anderem bei der Klimakonferenz der sächsischen Schüler in Leipzig vehement gefordert wurde, gibt es dagegen nicht. Förderschüler beschäftigen sich aber beispielsweise ab Klasse 7 im Fach „Arbeitslehre“ auch mit dem ökologischen Fußabdruck und mit fairem Handel.

Ebenfalls überarbeitet wurden umstrittene Teile des Biologie-Lehrplans der Klassenstufe 10 in Gymnasien . Beim Thema Menschheitsgeschichte war dort bisher von „Merkmalen von europiden, negriden und mongoliden Menschen“ die Rede. Diese Unterscheidung entspricht keinem wissenschaftlichen Standard mehr – und wurde deshalb auch als rassistisch kritisiert. In der neuen Version ist von einer „prinzipiellen Gleichartigkeit des modernen Menschen“ und „Vielfalt als Resultat geographischer Isolation“ die Rede.

Weniger Mathe, Deutsch und Sport

Parallel zu den Inhalten musste auch der Stundenplan angepasst werden. In einigen Fächern schrumpft die Zahl der Stunden, in anderen werden es mehr. Zusätzliche Unterrichtseinheiten werden etwa der politischen Bildung, aber auch dem Informatikunterricht eingeräumt. In Oberschulen erhalten die Klassenstufen 7 und 8 jeweils eine Stunde Gemeinschaftskunde und Rechtserziehung als Pflichtfach. An Gymnasien wird das Fach Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft künftig ab Klasse 7 unterrichtet – und nicht erst ab Klasse 9, wie bisher.

Im Umkehrschluss muss auch eingespart werden. In Grundschulen gibt es in der 3. Klassenstufe eine Unterrichtsstunde weniger Musik, in der 4. Klassenstufe je eine Stunde weniger Deutsch und Sport, heißt es aus dem Kultusministerium. Oberschüler haben zum Teil weniger Mathematik (5. Klasse), Englisch (6. Klasse), Biologie (7. Klasse) und Sport (7. bis 10. Klasse). In Gymnasien sinke die Unterrichtsbelastung in den Fächern, Mathematik und Technik/Computer (5. Klasse), bei der zweiten Fremdsprache (6. bis 8. Klasse), Biologie (7. Klasse), Sport (7. Klasse) und Musik (8. Klasse) um je eine Stunde.

Grüne und Linke: Kaum Effekte

Kritik an der Überarbeitung kam am Mittwoch von Grünen und Linken. Laut Christin Maicher (Grüne) sei es fraglich, ob mit den Änderungen tatsächlich der angestrebte Effekt erzielen lässt. „So wird zwar das Fach Gemeinschaftskunde künftig ab Klassenstufe 7 unterrichtet. Dafür können es die Schülerinnen und Schüler in der 10. Klasse der Oberschule aber auch wieder abwählen, zu Gunsten von Geschichte oder Geographie“, so Maicher.

In dieselbe Kerbe hieb auch Cornelia Falken (Linke): „Die Stärkung der politischen Bildung ist überfällig. Als Ein-Stunden-Fach reicht das aber nicht aus. Nötig sind zwei Wochenstunden Gemeinschaftskunde ab Klasse 5 bis einschließlich Klasse 10“, sagte die Linkenpolitikerin.

Grünen-Politikerin Maicher monierte auch, dass zuwenig Fachkräften bei der Überarbeitung eingebunden worden waren und den Lehrern nun – nach der Bekanntgabe kurz vor den Sommerferien – auch nur noch wenig Zeit bleibe, um sich bis zum neuen Schuljahr darauf vorzubereiten. Falken forderte, „das enge Korsett der bisherigen Lehrplangestaltung zu lockern. Rahmenlehrpläne sollen festlegen, welches Wissen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten am Ende eines Schuljahrs vermittelt sein müssen.“

Alle Lehrpläne im Detail: www.schule.sachsen.de/lpdb

Von Matthias Puppe

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