Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Sachsens Bestatter wollen als systemrelevant anerkannt werden
Region Mitteldeutschland

Neue Corona-Schutzverordnung: Sachsens Bestatter wollen als systemrelevant anerkannt werden

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:30 13.12.2020
Sachsens Bestatter kommen an ihre Belastungsgrenze und fordern ihre Anerkennung als systemrelevant.
Sachsens Bestatter kommen an ihre Belastungsgrenze und fordern ihre Anerkennung als systemrelevant. Quelle: Nicolas Armer/dpa
Anzeige
Leipzig/Dresden

Die Landesinnung der Bestatter Sachsens schlägt Alarm. In einem offenen Brief an den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) fordern Sie, auch als systemrelevante Berufsgruppe anerkannt zu werden. Innungsobermeister Tobias Wenzel kann es nicht fassen. „Jetzt geht die gleiche Problematik wie im Frühjahr wieder los“, sagt er der LVZ. Schon zu Beginn des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr waren Sachsens Bestatter nicht als systemrelevant eingestuft worden. Bundesweit kämpfte die Berufsgruppe vor einem halben Jahr um diese Anerkennung und erreichte sie schließlich.

Daher schreibt der Obermeister der Landesinnung an den Regierungschef, dass die Bestatter des Freistaates mit großem Befremden zur Kenntnis nehmen mussten, dass ihre Berufsgruppe in der neuen Corona-Schutzverordnung, die ab dem 14. Dezember gilt, wieder nicht als systemrelevant eingestuft wurden. „Täglich werden neue Sterbezahlen veröffentlicht. Hinter jeder Zahl steht ein persönliches Schicksal, stehen Familien, die der Unterstützung bedürfen“, heißt es in dem Brief.

Bestatter an der Belastungsgrenze

Wenzel, der selbst im erzgebirgischen Marienberg ein Bestattungsunternehmen leitet, weist auch daraufhin, das es gerade in der Pandemiezeit wichtig ist, die mit einer Corona-Infektion Verstorbenen fachmännisch zu versorgen, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. „Diese Arbeit kann nicht einmal schnell von angelernten Mitarbeitern übernommen werden“, unterstreicht er. Immer mehr Menschen im Freistaat sterben an oder mit einer Covid-19-Infektion. Das bedeutet mehr Arbeit für die Bestatter. „Schon seit Wochen sind alle in der Branche physisch und psychisch an der Belastungsgrenze. Jetzt müssen sich die Mitarbeiter auch noch Sorgen um die Kinderbetreuung machen“, steht in dem Schreiben. Es gebe unter den Bestattern schließlich viele Mütter und Väter, deren Kinder eine Betreuung benötigen.

Warnung vor Leichentransporten durch die Bundeswehr

Wenzel warnt vor möglichen Bildern von „Leichentransporten durch die Bundeswehr“ oder „von Särgen, die sich im Krematorium stapeln.“ Er erinnert an die dramatische Lage im Frühjahr im italienischen Bergamo, als Militärtransporte eingesetzt werden mussten, um die Corona-Toten zu transportieren. Wenzel weist daraufhin, dass er das Sozialministerium bereits vor Verabschiedung der neuen Verordnung auf die Systemrelevanz der Bestatter hingewiesen haben.

Jetzt sei die dringende Bitte an den Ministerpräsidenten, die Mitarbeiter der Bestattungsunternehmen, der Krematorien und Friedhofsverwaltungen zeitnah als systemrelevant einzustufen.

Von Anita Kecke