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Mitteldeutschland Ihr Biss durchdringt auch Menschenhaut: Leipziger entdeckt Nosferatu-Spinne im Keller
Region Mitteldeutschland

Naturkundemuseum Leipzig: Nosferatu-Spinne erstmals in Sachsen nachgewiesen - ihr Biss durchdringt auch Menschenhaut

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19:03 23.01.2021
Diese Nosferatu-Spinne hat der Leipziger Enrico Ruge bei sich Zuhause im Keller gefunden und ins Naturkundemuseum gebracht. Dadurch konnte diese Art erstmals in Sachsen nachgewiesen werden.
Diese Nosferatu-Spinne hat der Leipziger Enrico Ruge bei sich Zuhause im Keller gefunden und ins Naturkundemuseum gebracht. Dadurch konnte diese Art erstmals in Sachsen nachgewiesen werden. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Eigentlich nichts Ungewöhnliches: In seinem Wohnkeller in Schleußig, der ebenerdig in den Garten führt, fand Enrico Ruge eine Spinne. Allerdings kam diese dem 49-Jährigen etwas außergewöhnlich vor. Der Kulturwissenschaftler und Museologe, der an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) arbeitet, fing sie ein und brachte das Tier ins Naturkundemuseum.

Dort wurde festgestellt, dass es sich um eine Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) handelt. Der Achtbeiner, dessen Weibchen durchaus Spannweiten von sechs Zentimetern erreichen kann, ist eigentlich im Mittelmeerraum und in Nordafrika beheimatet. Seit etwa 2005 taucht die Art aber auch in Südwestdeutschland auf, von wo sie sich in den Norden verbreitete. „In Leipzig und in Sachsen konnte sie das erste Mal nachgewiesen werden“, sagt der Biologe Robert Klesser vom Naturkundemuseum.

Spinnen ergreifen vor Menschen meist die Flucht

Diese Nosferatu-Spinne hat der Leipziger Enrico Ruge bei sich Zuhause im Keller gefunden und ins Naturkundemuseum gebracht. Quelle: André Kempner

Fast alle Spinnenarten sind zwar giftig, aber nur die wenigsten schaffen es, die Haut eines Menschen mit ihren Giftklauen (Chelizeren) zu durchdringen. Dazu gehört die Nosferatu-Spinne. Gefährlich ist ihr Gift für Menschen aber nicht – eher für Insekten. „Spinnen sehen Menschen nicht als Beute an und ergreifen meist lieber die Flucht. Für sie sind wir die Bedrohung“, erklärt Arachnologe Klesser (36). „Zu Bissen kommt es häufig nur dann, wenn sich die Spinne bedroht fühlt und keinen Ausweg mehr sieht.“

Enrico Runge hat im Museum erfahren: Bei der Spinne handelt es sich um ein Weibchen, das sogar trächtig ist. Quelle: André Kempner

Ungewöhnlich ist die Ausbreitung nicht. Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere reisen. „Sie nutzen, meist zufällig und unfreiwillig, menschliche Reise- und Transportmöglichkeiten. Das hat wahrscheinlich auch die Nosferatu-Spinne nach Deutschland und nun sogar nach Sachsen gebracht“, so Spinnenexperte Klesser.

Experten: Nosferatu-Spinne hat sich bei uns etabliert

Ganz selten ist das Tierchen nicht. Im Keller von Ruge in Schleußig sind noch weitere gesichtet worden. Experten gehen davon aus, dass sich die Nosferatu-Spinne, eine Art der Kräuseljagdspinnen, auf Dauer bei uns etabliert hat. Eingewandert aus wärmeren Gebieten, benötigen diese Tiere die Wärme von Gebäuden, um den Winter zu überstehen. Für alle Arachnophobiker, die eine übersteigerte Angst vor Spinnen haben, dürfte das ein schwacher Trost sein. Die Anwesenheit von Spinnen im Haus hat aber auch positive Effekte: Immerhin stehen auf ihren Speiseplänen lästige Insekten wie Mücken oder Vorratsschädlinge.

Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) wurde erstmals in Sachsen nachgewiesen. Quelle: Naturkundemuseum Leipzig

Was passiert mit der Spinne? „Sie verbleibt im Museum – allerdings nicht in lebender Form“, sagt der Spinnenforscher. „Sie wird präpariert und für die Forschung genutzt. Dann kann auch noch in 100 Jahren nachgewiesen werden, wann sie das erste Mal in Sachsen aufgetaucht ist“, ergänzt Museumschef Ronny Maik Leder. Invasive Arten könnten heimische Ökosysteme empfindlich stören, während andere gar nicht wahrgenommen werden. Deshalb sei es wichtig, Neuankömmlinge genau zu beobachten und Funde zu dokumentieren.

Von Mathias Orbeck