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Mitteldeutschland Nach Stations-Schließung in Wurzen: Diese Kliniken in Sachsen sind ebenfalls gefährdet
Region Mitteldeutschland Nach Stations-Schließung in Wurzen: Diese Kliniken in Sachsen sind ebenfalls gefährdet
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08:22 14.11.2019
Bundesweites Problem: Als Zombies verkleidete Alten- und Krankenpfleger demonstrieren vor der Gesundheitsministerkonferenz der Länder in Düsseldorf. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
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Leipzig

In der Krankenhauslandschaft Mitteldeutschlands gärt es. Seit geraumer Zeit jagt eine Hiobsbotschaft die nächste, Patienten sind verunsichert. So sickerte Anfang der Woche durch, dass das Krankenhaus Wurzen eine seiner beiden Inneren Stationen vorübergehend dichtmachen muss. Betroffen sind 34 Betten. Der Geschäftsführer der Muldentalkliniken, Mike Schuffenhauser, begründete dies mit „belegungsschwachen Zeiten“, aber auch mit der Erkrankung und dem Ausfall zahlreicher Mitarbeiter. Bis zum 1. Dezember ist nun erst einmal Pause.

Wurzen ist keine Ausnahme. Anfang Oktober gab das Klinikum Altenburger Land bekannt, dass man die Klinik für Hormonerkrankungen, Diabetologie und Nierenerkrankungen mit der Station für Gefäßheilkunde zusammenlegen müsse, weil Ärzte fehlten. Sieben von 40 Stellen seien unbesetzt. Die Folge: hohe Belastung der Ärzte, angespanntes Klima. Selbst leitende Oberärzte seien in Nacht- oder 24-Stunden-Dienste eingebunden, obwohl sie nur im Hintergrund absichern sollten. Mittlerweile werden zusätzliche Ärzte von außerhalb auf Honorarbasis beschäftigt.

Letzter Ausweg: Schließung oder Verkauf

Probleme auch am Sana Klinikum Borna. Hier wurde die Fachabteilung für Neurochirurgie überraschend geschlossen, weil es nicht gelungen war, die Einheit in den Krankenhausplan des Freistaats aufzunehmen. Damit aber waren Gelder der Krankenkassen oder auch öffentliche Mittel in weite Ferne gerückt. Folge: Patienten, die an Hirn oder Hirnhäuten operiert werden müssen, werden weitere Wege in Kauf nehmen müssen.

Das Krankenhaus Wurzen – eine der beiden Inneren Stationen ist derzeit dicht. Quelle: Frank Schmidt

Am Krankenhaus Eilenburg war erstmals in diesem Sommer eine Station mit einer anderen zusammengelegt worden. Allerdings nach Angaben des Krankenhauses nur vorübergehend, weil in Urlaubsmonaten ohnehin weniger Patienten stationär behandelt würden und auch ein Großteil des Krankenhauspersonals im Urlaub gewesen sei.

In Görlitz und Kamenz wollen sich die Malteser von ihren beiden Krankenhäusern sogar trennen. Als Grund für die Reduzierung der stationären Krankenversorgung werden steigende Kosten genannt. Unzureichende Vergütungen und zu geringe Förderungen von Investitionen machten es „insbesondere für Betreiber kleinerer Gruppen und einzelner Krankenhäuser schwierig, einen kostendeckenden Betrieb aufrechtzuerhalten und zusätzlich die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur der einzelnen Häuser zu tätigen“. Nun werden renommierte Krankenhausträger gesucht.

Krankenhausgesellschaft sieht Verantwortung bei der Politik

Noch drastischer traf es das Klinikum Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt, das im September Insolvenz in Eigenverantwortung beantragen musste. Die Geschäftsleitung des Klinikums will gemeinsam mit einer Beraterfirma und juristischen Experten einen Sanierungsplan erarbeiten und umsetzen. Ein Weg, den auch die Paracelsus-Klinikgruppe geht, die Kliniken in Reichenbach, Adorf, Schöneck und Zwickau betreibt. Sie meldete vor zwei Jahren Insolvenz an und versucht nun in Eigenverwaltung eine nachhaltige Sanierung. Schon lange dicht dagegen ist das Krankenhaus in Rochlitz. Die Klinik stellte ihren stationären Betrieb wegen des drastischen Ärztemangels am Standort ein.

Für Stephan Helm, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen mit Sitz in Leipzig, waren das allerdings vorhersehbare Entwicklungen. Er sieht die Schließungen unter anderem als Folgen der Krankenhausreform von 2016 und der daraus resultierenden Gesetze und Richtlinien. Zwar fände das ursprüngliche politische Ziel einer Verbesserung der Qualität für die Patientenversorgung volle Unterstützung. „Aber – und das sehen wir sehr kritisch – dahinter steht auch die politische Absicht einer Reduzierung von Krankenhausstandorten“, so Helm.

„Hohe Vorgaben erhöhen Druck“

Über eine Vielzahl von Struktur-, Personal- und Qualitätsvorgaben greife der Gesetzgeber detailliert in Behandlungsabläufe und -organisation ein, deren Einhaltung die Voraussetzung dafür ist, dass die Patienten behandelt werden dürfen. Bei Nichteinhaltung drohen den Krankenhäusern zahlreiche Sanktionen. Helm: „Dahinter steht auch der unausgesprochene politische Wunsch, dass Krankenhäuser dem Druck nicht mehr standhalten und vom Markt austreten.“

Erste Auswirkungen seien temporäre oder gänzliche Schließungen von einzelnen Fachabteilungen. „Insbesondere die stringenten Personalvorgaben, sowohl für Fachärzte als auch für spezialisierte Pflegekräfte, zwingen die Krankenhäuser angesichts eines leer gefegten Arbeitsmarktes im Einzelfall zu Bettensperrungen bis hin zu Fachabteilungsschließungen.“ Hinzu kämen Vorgaben für Mindestmengen, Qualitätszu- und -abschläge und weitere Sanktionierungsmaßnahmen, die den wirtschaftlichen Druck auf Krankenhäuser weiter erhöhten. „Und da haben wir noch nicht von den weiter wachsenden Dokumentations- und Bürokratielasten gesprochen, die das System zusätzlich belasten“, gibt Helm zu bedenken.

Umstrittene Bertelsmann-Studie

Im Sommer hatte die Bertelsmann-Stiftung eine Studie zur Krankenhausversorgung in Deutschland veröffentlicht. Fazit: In Deutschland gebe es zu viele Krankenhäuser. Weniger Krankenhäuser erhöhten Patientensicherheit und wirkten dem Problem des Personalmangels in Kliniken entgegen.

„Wer vorschlägt, von circa 1600 Akutkrankenhäusern 1000 platt zu machen und die verbleibenden 600 Kliniken zu Großkliniken auszubauen, propagiert die Zerstörung von sozialer Infrastruktur in einem geradezu abenteuerlichen Ausmaß“, kritisierte seinerzeit der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß.

Von Roland Herold

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