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Mitteldeutschland Miese Stimmung in Dresdens Industrie
Region Mitteldeutschland Miese Stimmung in Dresdens Industrie
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06:09 30.10.2019
Vor allem der Schwenk der deutschen Autobauer zum Elektroauto wirbelt die Zulieferbranche kräftig durcheinander. Kurzarbeit ist an der Tagesordnung, erste Pleiten absehbar. Quelle: dpa
Dresden

Die Lage wird offenbar ernst. Die Stimmung in den Industrieunternehmen in und um Dresden ist so schlecht wie nie. Das erklärte am Montag der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK), Detlef Hamann, als er die aktuelle Herbstumfrage vorstellte. Erstmals seit dem Start der Konjunktur-Rallye im Jahr 2010 geben sinkende Umsätze, weniger Aufträge und wegbrechende Exporte dem Pessimismus neue Nahrung, sagte Hamann mit Verweis auf die Erhebung.

Zwar vermelden immer noch insgesamt 54 Prozent der befragten Firmenchefs gute Geschäfte, doch die Erwartungen sinken dramatisch. Hofften im Frühjahr noch 19 Prozent der Befragten auf Zuwächse, sind es derzeit nur noch zehn Prozent. Umgekehrt erwarten 21 Prozent der Unternehmer eine eher ungünstige Entwicklung – das waren im Frühjahr lediglich 12 Prozent. „Das gab es in diesem Ausmaß noch nie“, bewertete Hamann den Einbruch beim Geschäftsklimaindex.

Optimismus – Fehlanzeige

Vor allem die Industrie ist gebeutelt. Und wer weiß, dass im Freistaat Sachsen rund die Hälfte der Wertschöpfung aus dem Automobilbau stammt, der ahnt, wo es gerade am meisten klemmt. Auf der einen Seite sorgen Grabenkämpfe im Welthandel für Verdruss, Auftragseinbrüche und Einbußen. Auf der anderen wirbelt der Schwenk der großen Autobauer hin zum Elektroauto die gesamte Zulieferbranche durcheinander. Wer bislang überwiegend Teile für Verbrenner geliefert und nicht rechtzeitig neue Geschäftsfelder erschlossen hat, dem kann durchaus die Luft ausgehen.

Überhaupt sieht die Kammer im Autoland Deutschland ein großes Problem, das die Politik noch nicht explizit auf den Radar genommen hat: 40 Prozent der Beschäftigung in der Autobranche hänge ausschließlich am Verbrenner. DassVW in Zwickau sein milliardenschweres Werkfür den neuen Elektro-Golf ID noch 2019 in Betrieb nimmt, gleiche sicher die gröbsten Dellen bei erfragten Umsatzerlösen wieder aus. Doch der Strukturwandel sei im Gang. Und nach der Kohle werden die Arbeitsplätze in der Autobrancheganz sicher das nächste große Thema, ist sich Hamann sicher.

„Wir haben aktuell kein Wachstum“

Obwohl zum Beispiel Branchen wie die Mikroelektronik oder auch die Ernährungswirtschaft tatsächlich wachsen, sieht IHK-Chef Hamann den Saldo der Erträge über alle Branchen hinweg im Minus. „Wir haben aktuell kein Wachstum mehr“, erklärt er.

Woher kommen die Sorgen?

Wo die Sorgen herkommen? Die Gründe, sagt Hamann, sind seit Jahresbeginn 2018 unverändert: „Die Klimadiskussion und die unklare Entwicklung in der Automobilbrancheverunsichern die Industrie ebenso wie die ungelösten Probleme im Welthandel, die fortbestehenden Embargos, der Handelskrieg zwischen den USA und China, drohende Strafzölle und die endlose Diskussion über den Brexit.“

Gerade auch die Weltpolitik schlägt direkt auf die Exporte durch. Hier ist die Sachsen-Bilanz mit minus 2 Prozent negativ. Ausfuhren in die USA und nach Großbritannien brachen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 5 bzw. 7 Prozent auf 1,657 Milliarden bzw. 1,2 Milliarden Euro ein. Die Zuwächse Richtung China um 8 Prozent (auf 3,364 Milliarden) sowie Richtung Polen (+7 Prozent) und Tschechische Republik (+2 Prozent) konnten die Rückgänge nicht ausgleichen.

Russland steht in der Export-Hitliste der sächsischen Unternehmen übrigens nur noch auf Platz 17. Die Ausfuhren pendelten sich 2018 auf ein Volumen von rund 240 Millionen Euro ein.

Stellenabbau greifbar

Noch ein Blick auf das, was die befragten Unternehmen als größte Risiken für ihre Geschäfte sehen: Der Fachkräftemangel bleibt mit 64 Prozent unangefochten auf Platz eins, stagniert aber in der Bewertung. Das korreliert mit den Antworten zum beabsichtigten Personalaufbau: „Der langjährige Zuwachs der Beschäftigtenzahl stagniert derzeit und dürfte binnen Jahresfrist in eine leichte Verringerung umschlagen“, erklärte Detlef Hamann. Während 16 Prozent der Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten Leute einstellen wollen, gehen 21 Prozent von einer Reduzierung aus.

Auch steigende Arbeitskosten, schwankende Inlandsnachfrage, höhere Energie-, Kraftstoff- und Rohstoffpreise gehören zum „Riesenstrauß an offenen Problemen“, wie es der IHK-Geschäftsführer blumig umschreibt. Und dass jedes dritte Unternehmen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen eine Gefahr für seine Geschäfte sieht, spreche für eher wenig Vertrauen in die Lenkungsfunktion von Bundes– und Landespolitik.

An der Herbstumfrage 2019 hatten sich 620 Firmen aller Wirtschaftsbereiche mit rund 31 000 Beschäftigten beteiligt.

Von Barbara Stock

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