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Mitteldeutschland Der Zuhörer: Michael Kretschmer bleibt sich in der Corona-Krise treu
Region Mitteldeutschland Der Zuhörer: Michael Kretschmer bleibt sich in der Corona-Krise treu
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11:38 07.06.2020
Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen. Quelle: Jan Woitas/dpa
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Dresden

Als der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Mitte Mai spontan bei einer Corona-Demonstration im Großen Garten von Dresden aufkreuzte, traf er auf eine illustre Schar. Einer trug ein Froschkostüm, Familien mit Kindern hatten sich bei sommerlichem Wetter auf Wiesen niedergelassen, ein Mann zog auf einem Wagen ein riesiges Porträt von Mahatma Gandhi hinter sich her.

Ministerpräsident Michael Kretschmer am 17. Mai ohne Maske im Großen Garten. Quelle: imago images/xcitepress

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Kaum einer trug die vorgeschriebene Atemmaske. Denn viele hielten das Virus sowieso für eine Erfindung von Politik und Medien oder leugneten zumindest seine Gefährlichkeit.

Weiterlesen: Ministerpräsident Michael Kretschmer steht Protestlern Rede und Antwort

Kretschmer ist seit Wochen unterwegs, um mit Kritikern und Gegnern des Corona-Managements in Deutschland zu sprechen und deren Sorgen und Nöte anzuhören. So wie am Samstag in Plauen, als er Gastronomen und Hoteliers traf. Viele hätten in einen Abgrund geschaut und nicht gewusst, wie es weitergeht, sagte er und kündigte Hilfe auch durch ein eigenes sächsisches Konjunkturprogramm an. Anders als in Plauen wurde mancherorts der Umgangston bei Diskussionen aggressiver – Beleg dafür, wie tief die Gräben sind. Schon im sächsischen Wahlkampf 2019 hatte Kretschmer Dispute mit Gegnern nicht gescheut. Doch nun musste der 45-Jährige quasi im verbalen Nahkampf auf Schlagdistanz agieren.

Kretschmer: „Höre auch auf andere Meinungen“

Kretschmer hat Proteste in der Corona-Krise stets verteidigt. Allerdings macht er einen Unterschied zwischen jenen, die Kritik anbringen und ernsthaft diskutieren und denen, die Stimmung machen und Zwietracht säen wollen. „Bei Gewalt endet die Diskussion“, sagt der Regierungschef. Das betreffe aber eine kleine Minderheit der Demonstranten. Deswegen sei es gut, wenn sich möglichst viele andere zu Wort melden. „Ich möchte gerne, dass wir zusammenbleiben, auch wenn wir komplett anderer Meinung sind, und uns respektvoll behandeln“, sagte er unlängst der „Bild“-Zeitung.

Die Auftritte haben Kretschmer teils Lob und Respekt eingebracht. Kretschmer räumt ein, dass die Krise ihn selbst und seine Herangehensweise an Probleme verändert haben: „Meist merkt man das erst rückblickend im Abstand von einigen Wochen oder Monaten. Ich finde, je älter ich werde, je mehr lasse ich mich überzeugen von anderen und höre auch auf andere Meinungen.“ Dieses Zuhören sei in dieser Phase sehr wichtig gewesen, es habe ihm Sicherheit vermittelt.

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„Die Erfahrung der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es wichtiger ist, miteinander zu sprechen als gegeneinander zu demonstrieren“, bekräftigt Christian Hartmann, Fraktionschef der CDU im Landtag von Sachsen. Auch CDU-Generalsekretär Alexander Dierks hält es für unabdingbar, dass sich Politiker gerade jetzt der Diskussion stellen, Meinungen anderer hören und eigene Entscheidungen zu erklären.

Freilich kann Kretschmer nicht bei allen punkten. „Herrn Kretschmer eilt der Ruf voraus, er würde mit allen sprechen. Aber das tut er nicht“, sagt etwa der sächsische Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt. Denn gegenüber der politischen Linken habe Kretschmer durchaus Berührungsängste: „Der Ministerpräsident hätte tausend Möglichkeiten, Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger zu erfahren und mit ihnen zu sprechen. Dazu muss er nicht Leuten seine Aufwartung machen, die mit Mythen und Falschinformationen um sich werfen.“

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Von Jörg Schurig, dpa

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