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Mitteldeutschland Linken-Abgeordneter Klaus Bartl macht sich für Gefangene im Frauenknast stark
Region Mitteldeutschland Linken-Abgeordneter Klaus Bartl macht sich für Gefangene im Frauenknast stark
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22:19 29.01.2018
Der Landtagsabgeordnete Klaus Bartl (Linke). Quelle: dpa
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Dresden

So kurios die Geschichte klingen mag, sie hat einen handfesten Ursprung – wie meistens in der Politik. Alles fing damit an, dass es im Knast in der Reichenhainer Straße in Chemnitz zu einem spektakulären Intermezzo kam. Ein Wärter, immerhin ein Staatsbediensteter also, hatte mit einer Gefangenen angebandelt, anschließend wurde diese auch noch schwanger. Damit ließ sich das Ganze nicht mehr unter der Decke halten. Mit erheblichen Folgen, nicht nur für den Wärter. Denn die Justizoberen zogen blank, von nun an sollten Männlein und Weiblein voneinander ferngehalten werden – was zwar allgemein als gängige Methode gilt, aber die Sache nicht immer einfacher gestaltet. Vor allem nicht in einem Frauengefängnis.

So kam es, wie es kommen musste. Die Schließer männlichen Geschlechts wurden versetzt, mehr Frauen sollten her. Die Wärterinnen von auswärts aber zierten sich, und die weiblichen Gefangenen nicht minder. „Zickenkrieg im Frauenknast“, titelte eine Chemnitzer Boulevard-Zeitung, „die Insassinnen wollen ihre Männer zurück“. Und selbst die Anstaltsleitung räumte Unzufriedenheiten und Probleme ein – nicht zuletzt auch, weil schlicht Mitarbeiterinnen fehlten.

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Das war die Stunde von Klaus Bartl, seines Zeichens Anwalt aus Chemnitz und linkes Urgestein im Landesparlament. Mancher mag sich da verwundert die Augen reiben: Ausgerechnet Bartl, dieser alte Haudegen und gewiefte Strippenzieher aus SED- und PDS-Tagen, wird nun zum gefühligen Vorkämpfer für Frauenrechte?

Mit der ihm eigenen Vehemenz ging der Linke das Thema an, schließlich handelte es sich für ihn um ein Heimspiel in doppelter Hinsicht. Zum einen spielte das Ganze in Chemnitz, Bartls Heimatstadt; zum anderen ging es um Zoff im Justizbereich – was für jeden Rechtspolitiker der Opposition an sich schon ein gefundenes Fressen ist. Also machte sich Bartl für die weiblichen Gefangenen stark, startete diverse Initiativen, unter anderem auch parlamentarischer Art. Und wie er das tat. Kostprobe: „Die Gefangenen klagen über Spannungen und Stress, weil Männer als ausgleichendes Element fehlen. Sie giften sich an“, lautete eins seiner Statements. „Wo gibt’s denn schon ein Leben ohne Männer?“, so der Tenor ein anderes Mal.

Bei den Frauen im Chemnitzer Gefängnis kam das gut an. So jedenfalls wird es in der vierten Etage im Landtag nun gern erzählt. Dort sitzt die Fraktion der Linken, und auch Bartl hat da sein Büro. Damit hat der Jurist aus Chemnitz sein ganz spezielles Image weg, was auch angenehme Folgen für ihn hat. So soll Bartl, das zumindest sagen enge Vertraute, sein bestes Ergebnis bei der letzten Landtagswahl genau in jener Reichenhainer Straße in Chemnitz eingefahren haben. Zwar lässt sich dies mit harten Zahlen nicht belegen, da Einzelstimmen zwar gezählt, aber nicht statistisch ausgewertet werden. Als wohltemperierte These aber klingt es allemal plausibel – Frauenquote einmal anders herum.

Von Jürgen Kochinke

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