Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Linke: Sachsen noch immer Niedriglohnland
Region Mitteldeutschland Linke: Sachsen noch immer Niedriglohnland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:07 29.04.2020
ARCHIV - 04.12.2018, Sachsen, Dresden: ILLUSTRATION - Zahlreiche Banknoten zu 10, 20 und 50 Euro liegen auf einem Tisch. (Zu dpa "Studie: Sparer setzten zu Beginn der Corona-Krise auf Bargeld") Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: Monika Skolimowska/dpa
Anzeige
Zwickau

In Sachsen wird auch drei Jahrzehnte nach der deutschen Einheit deutlich weniger verdient als im Westen. „Sachsen ist immer noch ein Niedriglohnland. Das muss sich ändern und davon darf auch nicht die aktuelle Corona-Krise ablenken“, sagte die sächsische Linke-Politikerin Sabine Zimmermann in ihrer Botschaft zum Tag der Arbeit am Freitag: „Wenn die sächsischen Arbeitgeber gute Fachkräfte haben wollten und möchten, dass sächsische Beschäftigte aus dem Westen zurückkehren, geht dies nur mit höheren Löhnen und guten Arbeitsbedingungen.“

Die Zwickauer Politikerin ist im Bundestag Sprecherin der Linken für Arbeitsmarktpolitik und erfragt regelmäßig Daten zu diesem Thema. Demnach lag Ende 2018 das Entgelt westdeutscher Arbeitnehmer mit einem Vollzeitjob um ein Drittel höher als das der sächsischen. Das sogenannte Medianentgelt lag damals im Freistaat bei 2587 Euro brutto. In Ostdeutschland insgesamt waren es 2707 Euro, in Westdeutschland 3434 Euro. Im sächsischen Vergleich war es im Landkreis Görlitz am geringsten (2272 Euro), in der Stadt Dresden am höchsten (3089 Euro). Median bedeutet, dass es genauso viele Menschen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Entgelt gibt.

Anzeige
Sabine Zimmermann, Sprecherin der Linken für Arbeitsmarktpolitik im Bundestag. Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Linke wollen Kurzarbeitergeld auf 90 Prozent anheben

Zudem arbeitete in Sachsen 2018 über jeder dritte Arbeitnehmer in Vollzeit zu einem Niedriglohn. Bei 35,1 Prozent dieser Beschäftigten lag er unterhalb der bundeseinheitlichen Schwelle des unteren Entgeltbereichs von 2203 Euro brutto, erläuterte Zimmermann. Bundesweit habe dieser Anteil nur 19,3 Prozent betragen.

„Die Corona-Krise darf nicht bedeuten, dass nun die Beschäftigten jahrelang auf berechtigte Forderungen verzichten müssen“, sagte Zimmermann. Die Krise zeige vielmehr den Handlungsbedarf für bessere Arbeitsbedingungen in vielen wichtigen Berufsfeldern wie dem Gesundheitswesen, der Logistik, dem Einzelhandel und noch viele mehr. Zudem werde gerade jetzt sächsischen Beschäftigten das niedrige Lohnniveau zum Verhängnis, da so das Kurzarbeitergeld sehr niedrig ausfällt. Die Linken sind für eine Anhebung des Kurzarbeitergeldes auf 90 Prozent des Nettoentgeltes. Für Beschäftigte, die nur gesetzlichen Mindestlohn bekommen, sollen es 100 Prozent sein.

„Niedrige Löhne sind direkte Folge einer mangelnden Tarifbindung“

„Niedrige Löhne sind direkte Folge einer mangelnden Tarifbindung. Nur 40 Prozent der Beschäftigten in Sachsen haben Tariflöhne. Ohne eine stärkere Tarifbindung bleiben niedrige Löhne in Sachsen an der Tagesordnung“, erklärte Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach: „Deshalb brauchen wir ein modernes Vergabegesetz, damit bei öffentlichen Aufträgen der den Zuschlag bekommt, der ordentlich bezahlt und nicht Dumping als Geschäftsmodell hat.“ Hier stehe die Politik in der Pflicht, auch nach Corona für ordentliche Bedingungen zu sorgen.

Von RND/dpa