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Mitteldeutschland Leipzigs Wirtschaft trotzt dem Abschwung: Stimmung legt überraschend zu
Region Mitteldeutschland Leipzigs Wirtschaft trotzt dem Abschwung: Stimmung legt überraschend zu
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15:10 11.06.2019
2er BMW aus dem Leipziger Werk warten in Bremerhaven auf das Verschiffen in die USA. Quelle: Ingo Wagner/dpa
Leipzig

Leipzigs Betriebe stemmen sich gegen die aufziehende Flaute. Während die Stimmung in der Wirtschaft sonst überall sinkt, ist davon in Leipzig keine Spur. Im Gegenteil: Im Frühjahr legte das Geschäftsklima sogar noch zu – und lag nur knapp unter dem bisherigen Rekordwert von vor einem Jahr. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt die Leipziger Industrie- und Handelskammer (IHK) in ihrer am Dienstag veröffentlichten Frühjahrsumfrage.

„Befürchtungen, die Wachstumsdynamik könnte sich auch in der Wirtschaftsregion Leipzig deutlich abschwächen, bestätigen sich erfreulicherweise nicht“, sagte Leipzigs IHK-Präsident Kristian Kirpal. „Im Gegenteil: Mit einer Geschäftslage auf Spitzenniveau, optimistischen Erwartungen und einer nach wie vor ausgeprägten Investitionsbereitschaft bleibt die Stimmung der regionalen Wirtschaft – allen widrigen Umständen zum Trotz – ausgesprochen zuversichtlich.“

Mit 136,1 Punkten lag der Geschäftsklimaindex, den die IHK dreimal im Jahr ermittelt, 3,9 Punkte höher als noch zum Jahresauftakt – und lag nur 1,5 Punkte unter dem bisherigen Spitzenwert von vor einem Jahr. Nach zwei Rückgängen in Folge konnte damit der Abwärtstrend gestoppt werden. „Das ist ein starkes Signal in einem weltweit eher schwierigen konjunkturellen Umfeld, das von globalen Risiken und internationalen Handelskonflikten überschattet ist“, sagte Kirpal. Einen höheren Wert hat die IHK seit Auflage der Umfrage vor 24 Jahren nur zweimal ermittelt – beide 2018.

Leipzigs Betriebe zuversichtlicher als im Rest von Sachsen

Damit schwimmt Leipzig auch in Sachsen gegen den Trend. Im Freistaat insgesamt kühlte sich das Geschäftsklima im Frühjahr deutlich ab. Landesweit ging der Index bereits zum vierten Mal Folge zurück. Das hatten die drei Kammern im Freistaat erst vor zwei Wochen mitgeteilt. Dieter Pfortner, Präsident der IHK Chemnitz und derzeit Sprecher der drei IHKs im Freistaat, hatte da sogar von „einer sich verfestigenden Flaute“ gesprochen. Und auch Kirpal sagte damals: „Das Fahrwasser für die sächsische Wirtschaft wird schwieriger.“

Im Kammerbezirk Leipzig, zu dem neben der Stadt auch die Landkreise Leipzig und Nordsachsen gehören, kann davon aber keine Rede sein. „Entgegen der verhaltenen Geschäftsaussichten zu Beginn des Jahres hat sich die gewerbliche Wirtschaft im IHK-Bezirk im Frühjahr konsolidiert“, heißt es in dem Bericht. „Der insgesamt schwächere Konjunkturverlauf hat die geschäftliche Situation der Unternehmen bisher kaum beeinträchtigt.“

62 Prozent der Unternehmen zeigten sich mit der aktuellen Lage zufrieden, genauso viele wie bei der vorigen Umfrage zu Jahresbeginn. Bei den Erwartungen für die nächsten Monate gab es nach der Eintrübung Ende 2018 sogar wieder einen Anstieg: 27 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, vier Punkte mehr als zu Jahresbeginn.Vor einem Jahr hatte der Wert allerdings noch bei 30 Prozent gelegen.

Inlandsgeschäft gleicht schwächelnden Export aus

Geschuldet wird das aber nur der guten Nachfrage im Inland. Vom Export erwarten die Unternehmer dagegen wenig: Nur noch 18 Prozent rechnen hier mit einem Anstieg. Zu Jahresbeginn waren es noch 24 Prozent gewesen. „Dies verwundert nicht, denn die Rahmenbedingungen für den Welthandel haben sich nicht verbessert“, so die IHK. „Die Ungewissheit ist mit Blick auf die aktuellen Handelskonflikte und den offenen Brexit vielfach noch gestiegen und dämpft die Exporterwartungen der Unternehmen deutlich.“

Vor allem die Industrie in und um Leipzig schwimmt hier gegen den Trend. Denn während sich gerade in diesem Bereich im Rest des Freistaats die Stimmung eintrübte, legte sie in Leipzig sogar nicht zu. Und auch die sich eintrübenden Exportaussichten haben kaum Spüren hinterlassen. Grund: „Die Betriebe können sich nach wie vor auf eine stabile Inlandsnachfrage verlassen“, so die IHK.

Ein Wegbrechen der Inlandsnachfrage ist dementsprechend auch die größte Sorge der Betriebe. Allerdings, so gibt die IHK zu bedenken: Noch lasse sich nicht abschätzen, wie sich die schwelenden Handelskonflikte – vor allem mit den USA – auf die stark exportorientierte Autoindustrie in Leipzig auswirken werde.

Stimmung am Bau so gut wie nie

Noch besser sieht es im Baugewerbe aus, das auch im Rest von Sachen weiter auf Hochtouren läuft. Im Kammerbezirk Leipzig erreichte die Stimmung sogar ein neues Allzeithoch. „Aufgrund der stabilen Auftragseingänge und hohen Auftragsbestände beurteilen die Unternehmen ihre aktuelle Lage so gut wie nie“, meldete die IHK. 86 Prozent der befragten Bauunternehmen sprachen von einer guten Lage. Und ein Ende des Booms am Bau ist nicht in Sicht: 21 Prozent rechnen sogar mit einer weiteren Verbesserung. „Dies deutet auf eine Fotzsetzung der dynamischen Baukonjunktur hin.“

Von Frank Johannsen

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