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Mitteldeutschland Leipziger Bürgerrechtler: „Lichtfest wird immer schlechter und belangloser“
Region Mitteldeutschland Leipziger Bürgerrechtler: „Lichtfest wird immer schlechter und belangloser“
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22:06 29.01.2018
Bürgerrechtler Uwe Schwabe steigt aus bei der „Initiativgruppe Tag der Friedlichen Revolution – Leipzig 9. Oktober 1989“.  Quelle: Andreas Döring
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Leipzig

 Rund um die Gestaltung des Lichtfestes ist ein Streit entbrannt, der nun im Rücktritt eines profilierten Revolutionärs von 1989 aus der „Initiativgruppe Tag der Friedlichen Revolution – Leipzig 9. Oktober 1989“ gipfelt. Uwe Schwabe, Vorstandschef des Archivs Bürgerbewegung und bislang Mitglied der Gruppe, hat seinen Rückzug angekündigt. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen die „Leipzig Tourismus und Marketing GmbH“ (LTM), gegen die Stadtspitze und auch gegen Mitglieder der Initiativgruppe.

Die Initiative fühlt sich „der Erinnerung an die Friedliche Revolution und besonders der Rolle Leipzigs verpflichtet“, versteht sich als „bestimmende Kraft für ein lebendiges Erinnern an 1989/90“. In ihr sind Bürger, Organisationen, Museen und andere Institutionen versammelt. Schwabe gehört zu den Gründern.

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„Wir lassen uns seit Jahren belügen und belügen uns selbst“, schreibt Schwabe nun. Die Initiativgruppe habe keinerlei Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung des Lichtfestes. Die LTM habe ein eigenes Beratergremium installiert, lasse die Initiative links liegen. Beim vergangenen Lichtfest habe LTM-Chef Volker Bremer die Gruppe erst auf Nachdruck zum abendlichen Empfang eingeladen. „Persönlich bedauere ich das Ausscheiden von Herrn Schwabe, der über viele Jahre die Initiativgruppe als Mitglied konstruktiv begleitet hat“, erklärte Bremer dazu gestern gegenüber der LVZ. „Der Zeitpunkt kommt für mich überraschend, da es gerade in der letzten Zeit einige Versuche der Annäherung unter dem neuen Vorstand der Initiative und verschiedenen Mitgliedern gegeben hat.“ Grundsätzlich sei es mit dem Lichtfest gelungen, jedes Jahr Zehntausende auf den Augustusplatz zu locken, darunter viele junge Menschen. Der LTM sei es als Veranstalter immer wichtig gewesen, Anregungen aus der Initiativgruppe zu erhalten, aber auch in den kreativen Austausch mit Persönlichkeiten unterschiedlichster Bereiche zu treten, um neue Blickwinkel und Denkanstöße aufzunehmen. „So entstand die Idee eines Lichtfest-Workshops, in dem aber stets Mitglieder der Initiative 89 vertreten waren.“

Dem Oberbürgermeister wirft Uwe Schwabe Feigenblatt-Politik vor: Burkhard Jung (SPD) betone öffentlich die Bedeutung der Initiativgruppe und könne dann bei Kritik an der Gestaltung des Lichtfestes argumentieren, die wichtigsten Player der Geschichtsaufarbeitung säßen mit am Tisch. „Faktisch aber geht es auch dem OBM nicht darum, dass die, die in Leipzig zentral für die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und deren Beseitigung durch die Friedliche Revolution stehen, entscheidend in die Ideenfindung und die Abstimmungsprozesse einbezogen werden.“

Die Ideen der Bürgerrechtler seien essenziell, damit das Lichtfest von einer starken gesellschaftlichen Kraft getragen werde, entgegnete Jung gestern. „Der Erfolg liegt im professionellen Zusammenspiel aller Akteure. Dieses war in der Vergangenheit nicht immer reibungslos, hier hoffe ich auf mehr Kompromissbereitschaft aller Beteiligten.“

Der Versuch einiger Mitglieder, die Initiativgruppe durch Umgestaltung und Verkleinerung wieder arbeitsfähig zu machen und zu den Kernthemen der Friedlichen Revolution zurück zu führen, sei durch eigene Unfähigkeit, Intrigen, Indiskretionen und vor allem persönliche Machtspiele verhindert worden, kritisiert Schwabe auch das eigene Team.

Das inhaltliche Niveau des Festes nehme seit dem 25. Jubiläum jedes Jahr ab, so der Bürgerrechtler. „Es wurde immer schlechter und immer belangloser.“ Letztes Jahr habe er die Veranstaltung selbst gar nicht mehr besucht. Das Fass zum Überlaufen gebracht habe das Thema des kommenden Lichtfestes „ich die wir“. Es gebe keinen Bezug zur Friedlichen Revolution und zur Überwindung der kommunistischen Diktatur in der DDR. Dabei lägen die Themen auf der Hand. „Gerade mit Blick auf die Verwerfungen in den osteuropäischen Ländern“, sagt Schwabe mit Blick nach Ungarn und Tschechien.

Jung und Bremer haben das 89er-Gedenken an die Wand gefahren und ein x-beliebiges Kunstfestival aus dem Lichtfest gemacht“, kritisierte am Montag CDU-Stadtrat Ansbert Maciejewski.

Von Björn Meine und Klaus Staeubert