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Mitteldeutschland Leipziger Buchmesse wegen Coronavirus abgesagt – Schwerste Entscheidung in 70 Jahren
Region Mitteldeutschland Leipziger Buchmesse wegen Coronavirus abgesagt – Schwerste Entscheidung in 70 Jahren
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13:39 04.03.2020
Aufgrund der Corona-Pandemie bleibt die Neue Messe zur Buchmesse-Zeit in diesem Jahr leer. Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Leipzig

Die Leipziger Buchmesse findet in diesem Jahr aufgrund der Gefahren durch das Coronavirus nicht statt. Gleiches gilt auch für das begleitende Lesefest „Leipzig liest“ und die Manga-Messe „Comic-Con“. Diese Entscheidung hat Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Dienstag gemeinsam mit Gesundheitsamt und den Veranstaltern getroffen.

Ob der Preis der Leipziger Buchmesse sowie der Buchpreis zur Europäischen Verständigung trotzdem vergeben werden, ist bisher noch unklar. Das werde in den kommenden 24 Stunden entschieden, so eine Messesprecherin. Eigentlich sollte die international bedeutende Literaturschau vom 12. bis 15. März auf dem Gelände der Neuen Messe stattfinden, parallel dazu waren überall in der Stadt Lesungen geplant.

Grund für die Absage der Veranstaltungen seien Vorgaben des Bundesgesundheitsministeriums. Die Behörde von Jens Spahn (CDU) verlange im Zuge der Corona-Pandemie von den lokalen Gesundheitsämtern, dass auch Teilnehmer von Großevents hinsichtlich ihrer Kontakte überprüfbar bleiben. Es sei dringend empfohlen worden, „dass jeder Messeteilnehmer schriftlich belegen muss, nicht aus definierten Risikogebieten zu stammen oder Kontakt zu Personen aus Risikogebieten gehabt zu haben“, hieß es aus dem Neuen Rathaus. Angesichts von erwarteten 2.500 Ausstellern und 280.000 Besuchern sei dies für die Leipziger Buchmesse nicht zu gewährleisten gewesen.

„Die Gesundheit unserer Bürger und der Stadt steht für uns an erster Stelle“, sagte OBM Jung. Leipzigs Messechef Martin Buhl-Wagner ergänzte: „Sicherheit geht vor“. Das Risiko für die Gesundheit der Aussteller, Besucher und Mitarbeter sei einfach zu groß.

Zille: Bitter für die gesamte Buchbranche

Buchmesse-Direktor Oliver Zille bedauerte die Absage am Dienstag indes sehr: „Solch eine schwere Entscheidung mussten wir in den letzten sieben Jahrzehnten der Leipziger Buchmesse noch nie treffen. Sie ist bitter für uns und für die gesamte Buchbranche.“ Zille dankte allen Ausstellern, Partnern und Besuchern, bat um Verständnis. Bereits gekaufte Tickets für die abgesagte Literaturschau werden erstattet, hieß es. Zudem kündigte Zille an: Die nächste Leipziger Buchmesse werde vom 18. bis 21. März 2021 stattfinden.

Unterstützung erhielten die Leipziger am Dienstag sowohl aus der Branche als auch aus der Politik. „Die Verantwortlichen in Leipzig haben die richtige Entscheidung getroffen“, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Die Absage sei allerdings auch ein schwerer Schlag für den gesamten Wirtschaftszweig. „Die Strahlkraft, die von der Leipziger Buchmesse in die Gesellschaft ausgeht, und das Interesse und die Begeisterung für Bücher, die sie vermittelt, sind enorm.“

MP Kretschmer: Gesundheit geht vor

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) stellte am Dienstag fest: „Gesundheit und Sicherheit gehen in diesem Fall ganz klar vor.“ Ziel der Maßnahme sei es, die sächsische Bevölkerung zu schützen und eine Ausbreitung des Coronavirus so weit wie möglich einzudämmen und zu bekämpfen.

Martin Dulig (SPD), stellvertretender Ministerpräsident, bedauerte den notwendigen Schritt. „Die Absage der diesjährigen Leipziger Buchmesse ist eine sehr verantwortungsvolle Entscheidung. Seit Tagen stehen wir mit der Messeleitung im direkten Gespräch, ob das Risiko, die Messe stattfinden zu lassen, tragbar ist oder nicht.“ Letztlich sei die Entscheidung eine Abwägung zwischen wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten und denen des Gesundheitsschutzes gewesen.

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) nannte die Absage „eine sehr traurige, aber richtige Entscheidung“, die von großer Verantwortung für Besucher, Autoren und Verleger zeuge. „Auch wenn die Absage der Buchmesse sehr schmerzt, Leipzig ist und bleibt eine international bedeutsame Buchstadt. Ich hoffe sehr auf das Verständnis der Lesefreunde, die sich auf die Messe gefreut haben“, so Köpping weiter.

RKI: Ernst zu nehmende Situation

Der Krisenstab der Bundesregierung hatte in der vergangenen Woche festgelegt, dass Großveranstaltungen grundsätzlich stattfinden können. Allerdings sollten sie regional einer Risikobewertung nach Kriterien des Robert-Koch-Institutes (RKI) unterzogen werden. Dort wird die Gesundheitsgefahr in Deutschland zwar insgesamt nur als mäßig eingeschätzt – es gibt mit „stark“ und „sehr stark“ noch zwei höhere Stufen. Gleichwohl warnte das RKI auch: „Auf globaler Ebene handelt es sich um eine sich sehr dynamisch entwickelnde und ernst zu nehmende Situation. Bei einem Teil der Fälle sind die Krankheitsverläufe schwer, auch tödliche Krankheitsverläufe kommen vor. Mit weiteren Fällen, Infektionsketten und Ausbrüchen muss in Deutschland gerechnet werden.“

Vor der Leipziger Buchmesse hatten bereits einige andere Messen eine Terminverschiebung auf den Herbst oder ins kommende Jahr hinein beschlossen. Die Berliner Touristikmesse ITB, die eigentlich vom 4. bis 8. März stattfinden sollte, wurde für dieses Jahr aufgrund des Coronavirus komplett gestrichen.

Auch Buchmesse in Paris wurde abgesagt

In anderen Ländern machten die staatlichen Behörden klarere Vorgaben. So wurde die für den 20. bis 23. März geplante Pariser Buchmesse an der Porte de Versailles aufgrund von Vorgaben abgesagt. „Nachdem die Regierung beschlossen hatte, begrenzte Zusammenkünfte von mehr als 5.000 Personen zu verbieten, haben wir mit Bedauern die Entscheidung getroffen, die Ausgabe 2020 abzusagen", erklärte der Pariser Messe-Präsident Vincent Montaigne laut regionaler Medien.

Lesen Sie auch: Liveblog zum Coronavirus: Knapp 190 Infizierte in Deutschland - 13 Bundesländer betroffen

Am Montag wurde auch in Sachsen die erste Infektion mit dem gefährlichen Virus bestätigt. Wie das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mitteilte, habe sich ein Rentner infiziert, der gemeinsam mit einer Corona-infizierten Person aus der Region Hannover mit dem Bus von Italien nach Deutschland gereist war. Der Mann befinde sich mit seiner Frau in häuslicher Isolation. Aus welchem Ort der Infizierte genau kommt, ist nicht bekannt.

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