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Mitteldeutschland Langhaarig durch die Krise – Wie Corona das Leben in Sachsen verändert hat
Region Mitteldeutschland Langhaarig durch die Krise – Wie Corona das Leben in Sachsen verändert hat
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16:27 01.05.2020
Der Lockdown macht aus Kurzhaarschnitten ungewollte längere Frisuren. Aber Besserung ist in Sicht. Quelle: Katja Lenz/dpa
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Dresden/Leipzig

Vor zwei Monaten, am 2. März, ist in Sachsen erstmals eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen worden. Seitdem hat sich das Leben dramatisch verändert. Die Landesregierung hat dem Freistaat einen Shutdown verordnet, Spielplätze wurden abgeriegelt, Vorratskäufer leerten die Supermarkt-Regale. Ein Überblick über das Leben im Corona-Modus.

EINKAUFEN: Klopapier war der Verkaufsschlager des Monats März. Wegen Hamsterkäufen waren wochenlang die Regale leer gefegt Der Absatz stieg im Vergleich zum Vormonat bundesweit um sagenhafte 700 Prozent, wie der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels mitteilte. Voriges Jahr wurden in Deutschland 1,05 Milliarden Tonnen Klopapier hergestellt. Mehr als die Hälfte davon kommt aus Nordrhein-Westfalen. Die fünf größeren Betriebe dort meldeten einen Produktionsrekord. Ein Viertel mehr Rollen als üblich verließen die Firmenhallen. Lesen Sie auch: Einkaufen in Zeiten der Coronakrise – Möge der Zellstoff mit euch sein

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HAARE: Knapp drei Zentimeter wachsen Haare durchschnittlich innerhalb von zwei Monaten. Der Lockdown macht aus Kurzhaarschnitten ungewollte längere Frisuren. Aber Besserung ist in Sicht. Ab 4. Mai sollen die Friseure in Sachsen unter Sicherheitsvorkehrungen wieder die Schere anlegen dürfen.

KRIMINALITÄT: Veränderungen machen sich auch bei der Kriminalität bemerkbar. Seit Inkrafttreten der ersten Corona-Verordnung ist die Zahl der Straftaten laut Innenministerium um etwa ein Viertel gesunken. Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz sind dabei nicht berücksichtigt. Diebstähle hätten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Drittel abgenommen, etwa Wohnungseinbrüche und Kfz-Diebstähle. Die Menschen würden sich häufiger zu Hause aufhalten, das Diebesgut sei schwerer ins Ausland zu verbringen.

STRASSENVERKEHR: Corona bedeutet für viele Menschen Homeoffice. Dadurch ist auf den Straßen deutlich weniger los. An einer Fahrrad-Zählstelle in der Leipziger Innenstadt wurden nach Angaben des Verkehrsamtes zwischen 16. März und 19. April 42 Prozent weniger Radfahrergezählt als im Vorjahreszeitraum.

FLUGHAFEN: Gemessen am Passagieraufkommen rangiert der Flughafen Leipzig/Halle nicht unter den Top Ten in Deutschland. Doch ausgerechnet in der Corona-Krise ist er nach Angaben von Eurocontrol (Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt) zeitweilig zum verkehrsreichsten Airport in Europa geworden. Grund ist das Frachtgeschäft, das weiterhin brummt. An dem Flughafen betreibt die Posttochter DHL ein europäisches Drehkreuz.

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SPORT: Fitnessstudios, Sportplätze und Schwimmhallen mussten im März schließen. Das hat die Jogger-Dichte in den Parks merklich erhöht. Auch Spaziergänger sieht man mehr als gewöhnlich. Der Leipziger Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar geht davon aus, dass der derzeitige Spaziergeh-Trend auch nach der Krise anhält.

NÄHEN: Spätestens seit der bundesweiten Maskenpflicht dürfte das Ansehen von Menschen mit Nähmaschine deutlich gestiegen sein. Im Netz finden sich ganz unterschiedliche Anleitungen. Und wer Mund und Nase doch lieber mit professionellen Modellen abdecken möchte, wird bei Designern fündig - oder bei Theaterwerkstätten. Leipzigs Theaterwerkstätten wollen bis Juli rund 46.000 Schutzmasken nähen.

PENDELN: Weil wegen der Corona-Krise die Grenzen zu Polen und Tschechien geschlossen wurden, gestaltete sich der Arbeitsweg für Tschechen und Polen, die in Sachsen arbeiten, als schwierig. Laut DGB arbeiten in Sachsen mehr als 11.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus Tschechien und etwa 20.000 aus Polen. Davon kommen demnach als 9.000 Menschen aus Tschechien regelmäßig über die Grenze zu ihrer Arbeitsstelle in Sachsen, mehr als 10.000 aus Polen. Tschechien lockerte die Regeln inzwischen etwas, für die Polen bleibt es schwierig.

KULTURLEBEN: Viele Theater, Konzert- und Opernhäuser sind in der Corona-Krise auf Online-Angebote umgestiegen. Statt normaler Kinos garantieren neue Autokinos genug Abstand. Clubs in Sachsen sammeln Spenden, um ihre Mieten zahlen zu können. Gleichzeitig organisieren sie Streaming-Angebote fürs heimische Wohnzimmer. Damit sich die Clubliebhaber nicht an „kulturelle Abstinenz“ gewöhnen, wie Jörg Kosinski vom Livekombinat Leipzig sagt.

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Von Theresa Held und Birgit Zimmermann/dpa