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Mitteldeutschland Kaum jeder dritte Sachse glaubt an Veränderung nach der Landtagswahl
Region Mitteldeutschland Kaum jeder dritte Sachse glaubt an Veränderung nach der Landtagswahl
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13:38 28.03.2019
Am 1. September wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Dass sich danach politisch etwas im Freistaat etwas ändert, glaubt nur eine Minderheit. Quelle: Foto: Bodo Schackow/dpa
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Leipzig

Dass sich nach der Landtagswahl im Freistaat Sachsen politisch viel verändern wird – daran glaubt nicht einmal jeder dritte Sachse. Das geht aus dem Meinungsbarometer der Leipziger Volkszeitung zu aktuellen Themen hervor. Danach stimmen nur 31 Prozent dieser These zu, während 65 Prozent meinen, die Verhältnisse blieben konstant.

Es fällt auf, dass Männer (37 Prozent) deutlich mehr einen politischen Wandel erwarten als Frauen (24 Prozent). Die Erwartungen sind bei den 30- bis 49-Jährigen (35 Prozent) und bei den Schulabgängern bis Klasse 8 (42 Prozent) noch am höchsten. Unter den Anhängern der einzelnen Parteien sind es dann vor allem die AfD-Wähler, von denen eine Mehrheit (48 Prozent) mit starken Veränderungen rechnet. Auch 38 Prozent der Grünen-Anhänger vermuten eine solche Entwicklung, während dies bei den CDU-Wählern (23 Prozent) auf die größte Skepsis stößt.

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Studienleiter Andreas Czaplicki interpretiert das so: „Die einen werden solche Veränderungen erhoffen, die anderen werden sie befürchten. Eine klare Mehrheit geht offenbar davon aus, dass sich auch nach der Wahl wenig verändern wird. Auf einen grundlegenden Umschwung in der Landespolitik deutet das nicht hin.“

Der Leipziger Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky sieht sich in seinen Thesen bestätigt: „Ich interpretiere das so, dass die zur Wahl stehenden Parteien sich nicht wesentlich unterscheiden. Das vertretene Meinungsspektrum ist so eng geworden, wie es das in der Geschichte der Bundesrepublik wahrscheinlich noch nie gab.“ In der alten Bundesrepublik sei das Meinungsspektrum viel breiter gewesen. „Die Wähler hatten eine echte Wahl zwischen weit auseinanderliegenden Meinungen. Das ist heute anders“, folgert Jánszky.

Ziemlich klar ist laut Umfrage auch die Haltung der Sachsen zu der Frage, ob der Freistaat neben politisch Verfolgten nur die Zuwanderer aufnehmen sollte, die sich der Kultur anpassen, arbeiten und auch Steuern zahlen. Vier von fünf Befragten bejahten das. Bei den über 50-Jährigen waren es über 87 Prozent und bei den Schulabgängern bis zur Klasse 8 sogar 94 Prozent. Noch radikaler als die potenziellen AfD-Wähler (93 Prozent) waren hier die FDP-Sympathisanten. 96 Prozent der Befragten stimmten dafür, die restlichen vier Prozent enthielten sich der Stimme. Dagegen waren – null Prozent.

Dass es wichtig ist, dass Zuwanderer nach Sachsen kommen, weil Arbeitskräfte fehlen, meinen immerhin noch 57 Prozent. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 78 Prozent und unter den Grünen-Wählern satte 88 Prozent. Deutlich skeptischer dagegen auch hier die Sympathisanten der AfD (23 Prozent).

Nur noch 36 Prozent votieren für die These, dass sich der Freistaat weltoffen zeigt und großzügig Flüchtlinge aufnimmt. Nein sagten dabei 97 Prozent der AfD-Wähler, ja 84 Prozent der Grünen-Wähler.

Weniger präsent ist das Thema Mobilität. Ein Kampf Sachsens gegen ein künftiges Diesel-Fahrverbot oder der persönliche Kauf eines Elektro-Autos kommt jeweils nur für eine Minderheit in Frage. Für den Selbstzünder hielt nur ein Drittel politisches Engagement für sinnvoll – quer durch alle Bildungsschichten. Am wenigsten die jungen Leute zwischen 18 und 29 Jahren. Hier gaben nur 21 Prozent ihre Stimme für eine solche Kampagne ab.

Umgekehrt können sich gleichfalls nur wenige Sachsen (13 Prozent) für den Kauf eines Elektro-Autos in den kommenden fünf Jahren erwärmen, Männer (16 Prozent) noch mehr als Frauen (11 Prozent). Die Jüngeren bis 29 (20 Prozent) und die Gebildeteren mit Abitur, Fach- oder Hochschulabschluss (16 Prozent) noch am ehesten. Dagegen lehnten Abgänger der 10. Klasse, der Mittel- oder der Realschule mit 87 Prozent einen derartigen Kauf rundweg ab.

Für den Stimmungstest waren in der ersten Märzhälfte 700 Sachsen über 18 Jahre repräsentativ vom Leipziger Institut IM Field im Auftrag der LVZ befragt worden.

Mehr Datenjournalismus der LVZ: www.lvz.de/fakten

Von Roland Herold