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Mitteldeutschland Kritik an sächsischen Tiertransporten in Drittländer
Region Mitteldeutschland Kritik an sächsischen Tiertransporten in Drittländer
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15:59 29.03.2019
Im Schnitt etwa 30 Rinder befinden sich in jedem Tiertransport. (Archivfoto) Quelle: dpa
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Leipzig

Tausende sächsische Rinder werden jedes Jahr mit Tiertransporten in alle Welt gebracht – darunter auch in Staaten außerhalb der EU. Allein im vergangenen Jahr gab es 245 solcher Fuhren in sogenannte Drittstaaten, teilte Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) auf Anfrage des Landtagsabgeordneten Volkmar Zschocke (Grüne) mit.

Ein großer Teil der zuletzt transportieren 7920 Paarhufer ist vor allem nach Russland gegangen, auf der Liste mit den Zielländern stehen aber auch fünfzehn weitere Staaten außerhalb der Wertegemeinschaft – unter anderem in Nordafrika und Zentralasien. Im Jahr davor waren es sogar 9136 Rinder, die von Sachsen aus auf lange Reisen gehen mussten. Beim Geflügeltransport in Drittstaaten potenzierte sich die Zahl der exportieren Hühner, Gänse und Co. zuletzt von 761.000 auf 5,8 Millionen Tiere, die in 15 verschiedene Staaten außerhalb der EU gefahren wurden.

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Grüne zweifeln an Einhaltung des Tierschutzes

Sachsens Grüne sehen die Entwicklung mit Sorge. Denn während innerhalb der Europäischen Union klare Regelungen für den Tierschutz gelten und diese angesichts häufiger Kontrollen nur schwer zu umgehen sind, ist die Lage in anderen Ländern weniger eindeutig. „Unter den Zielländern sind Staaten wie Ägypten, Aserbaidschan, Irak, Kasachstan, Libanon, Türkei, Turkmenistan oder Usbekistan, bei denen erhebliche Zweifel daran bestehen, ob die Tierschutzstandards durchgehend beim Transport bis zum Zielort eingehalten werden“, befürchtet Volkmar Zschocke.

Sozialministerin Klepsch hält entgegen, dass seit Anfang 2018 ein Erlass ihres Ministeriums für die Abfertigung in Richtung Drittländer existiere, in dem festgelegt sei, dass Veterinärämter bei langen Transporten die Navigationsdaten der Lkws überwachen müssen. Ohne Zugang zu diesen Daten werde der Transport schon am Versandort nicht abgefertigt und könne somit Deutschland auch nicht verlassen.

Zudem werde am Startpunkt auch der Transportplan hinsichtlich der EU-Standards für Tiertransporte geprüft. Bei augenscheinlichen Problemen gebe es keine Transporterlaubnis, so Klepsch weiter. Dazu gehöre unter anderem auch ein Blick auf die aktuellen Wetter-Bedingungen. Bei mindestens 25 Grad müssen Ventilatoren in den Viehanhängern installiert werden, bei 30 Grad sollen die Tiertransporte an der deutschen Grenze gar nicht abgefertigt werden – weil die Ventilatoren bei einem Stillstand des Fahrzeugs nicht für ausreichend kühler Luft sorgen könnten.

„Es ist gut, dass es diesen Erlass gibt“, sagt der Grünen-Politiker Zschocke. Allerdings habe er Zweifel, dass dieser in der Realität tatsächlich ausreicht. „Internationale Tiertransporte müssen generell auf den Prüfstand und deutlich reduziert werden. Die Tiere leiden auf derart langen Transporten und die Überwachung der Einhaltung von Tierschutzvorschriften wird immer nur begrenzt möglich sein“, sagte er am Freitag. Zur notwendigen Kontrolle gehöre beispielsweise auch, dass bei Tiertransporten in zentralasiatische Staaten ausreichende Versorgungsmöglichkeiten an der Strecke nachgewiesen werden müssen.

Zentrale soll Daten über Zielstaaten sammeln

Um den Verwaltungsaufwand organisieren zu können, schlägt Zschocke vor, eine zentrale Stelle im Freistaat zu schaffen, in der alle Informationen zu den Zielstaaten und den Bedingen für Tiere vor Ort gesammelt werden und aus der es für die regionalen Veterinärämter anschließend einheitliche Empfehlungen gibt. Zudem forderte er die Sozialministerin auf, sich dafür stark zu machen, „dass in Staaten mit kritischen Haltungs-, Transport- oder Schlachtungsbedingungen überhaupt keine Tiertransporte mehr stattfinden“.

Zum Jahresende 2018 wurden in Sachsen 480.000 Rinder gehalten – darunter 181.000 Milchkühe. Nur etwa fünf Prozent aller Rinder werden älter als zwei Jahre. Mehr als 81.000 Rinder gibt es allein im Landkreis Mittelsachsen, gefolgt vom Erzgebirgskreis (62.000) und dem Landkreis Sächsische SchweizOsterzgebirge (49.000). 2017 wurden in Sachsen 4200 Tonnen Rindfleisch produziert, Mitte der 1990er Jahre war die Produktionsmenge noch fünf Mal so hoch.

Von Matthias Puppe