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Mitteldeutschland Kritik an Westdeutschen: „Sachsen-Bashing völlig unangebracht“
Region Mitteldeutschland Kritik an Westdeutschen: „Sachsen-Bashing völlig unangebracht“
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08:38 09.07.2019
Jürgen Reiche, Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig, kritisiert die Ignoranz vieler Westdeutscher gegenüber den Ostdeutschen. Quelle: Andre Kempner
Berlin /Leipzig

Der Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig, Jürgen Reiche, hat ein anhaltendes westdeutsches Desinteresse an Ostdeutschland sowie Sachsen-Bashing beklagt. Es herrschten vielfach „Desinteresse und Selbstgefälligkeit“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Deutschland hört hinter Helmstedt auf“

„Westdeutsche wissen eigentlich nicht viel über die neuen Bundesländer. Früher hörte Deutschland vom Westen aus gesehen hinter Helmstedt auf. Und das ist bei vielen immer noch so. Das ist auch deshalb bedauerlich, weil es im Osten eine reiche Kulturlandschaft gibt und unheimlich interessante Leute“, so Reiche.

Lesen Sie hier das gesamte Interview

Die Zugewandtheit vieler Bundestagsabgeordneter ist aus Reiches Sicht und trotz der anstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen ebenfalls nicht sehr ausgeprägt. „Ich wäre froh, wenn wir hier im Haus mehr Parlamentarier hätten, die sich der Diskussion stellen. Ich kann da nur eine Einladung aussprechen.“ Bisher ziehe es die Abgeordneten mit ihren Besuchergruppen eher in westliche Gefilde oder nach Berlin, so Reiche. „Sie haben den Osten scheinbar nicht auf der Agenda.“

Durch Sachsen-Bashing wird nur Trotz ausgelöst

Der Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums sagte weiter: „Es gibt zwar im Osten sehr viel rechtsradikale Gewalt. Der Rechtsextremismus ist hier auch breiter aufgestellt. Das alles kann man nicht wegleugnen.“ Freilich gebe es Rechtsextremismus in Westdeutschland ebenso, und zwar seit dem Oktoberfest-Attentat 1980.

Zudem werde insbesondere Sachsen heute als rechts stigmatisiert. „Da gibt es so ein Sachsen-Bashing, das völlig unangebracht ist. Es ist auch kontraproduktiv. Denn dieses Bashing hilft nicht, Menschen zum Umdenken zu bewegen. Da stellt sich eher Trotz ein. Die Stimmung heizt sich auf, die Sprache wird aggressiver, und nicht wenige sagen auch: ,Nur so geht´s. Endlich werden wir überhaupt mal gehört.‘“

„Anliegen der AfD-Wähler können wir nicht ignorieren“

Ohnehin müsse man sich mit dem „Zuspruch für die AfD auseinandersetzen. Man kann die Leute nicht einfach abstellen und sagen, mit denen wollen wir nichts zu tun haben. Wir müssen die Wähler der AfD stärker in den Blick nehmen. Es sind zu viele, wir können ihre Anliegen nicht ignorieren.“

Von Gordon Repinski

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