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Mitteldeutschland Kretschmer: Gastro und Kultur bis nach Ostern zu – Kritik von Dehoga, Linken und Grünen
Region Mitteldeutschland

Kretschmer: Gastro und Kultur bis nach Ostern zu – Kritik von Dehoga, Linken und Grünen

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20:01 14.02.2021
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hält Öffnungen in Gastronomie und Kultur erst nach Ostern für möglich. (Archivfoto)
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hält Öffnungen in Gastronomie und Kultur erst nach Ostern für möglich. (Archivfoto) Quelle: dpa
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Dresden

Angesichts der weiterhin hohen Ansteckungsgefahren durch das Corona-Virus und seine Mutationen wäre laut Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) auch ein Urlaub in den Osterferien noch unangebracht. „Ich bin dafür, Wahrheiten auszusprechen. Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben. Zu große Mobilität etwa durch Reiseverkehr und Tourismus bereits im April ist Gift. Wir würden alles zerstören, was wir seit Mitte Dezember erreicht haben“, sagte Kretschmer der „Bild am Sonntag“.

Sachsens Regierungschef kündigte im diesem Zusammenhang auch an, dass Gaststätten und Hotels über die Feiertage Anfang April noch weiterhin geschlossen bleiben müssten. Auch der Kulturbetrieb in Opernhäusern und Theatern könne frühestens erst nach den Osterfeiertagen wieder aufgenommen werden. Ostermontag ist in diesem Jahr am 5. April, die Ferien dauern bis einschließlich 11. April.

Gebhardt: Niemand weiß, wie die Zahlen im April aussehen

Die oppositionelle Linke im Sächsischen Landtag reagierte gestern mit Verwunderung auf die Aussagen. „Meine Kinder dürfen ab Montag in die Grundschule gehen, mit vielen weiteren Kindern aus vielen Haushalten – aber der Ministerpräsident erklärt mir heute schon, dass ich zu Ostern nicht in ein Ferienhaus fahren darf“, wunderte sich Fraktionschef Rico Gebhardt. Kretschmer provoziere Erwartungen und Enttäuschungen. „Niemand weiß heute, wie die Zahlen in anderthalb Monaten aussehen. Die Staatsregierung sollte lieber endlich eine Exit-Strategie entwickeln, die mit entsprechenden Szenarien auf die Entwicklung der Pandemie reagiert“, so Gebhardt gegenüber der LVZ.

Rico Gebhardt, Fraktionschef der Linken im sächsischen Landtag. (Archivfoto von 2019) Quelle: dpa

Auf Kretschmers Koalitionsbank teilt man zumindest die Zurückhaltung beim Thema Öffnen: „Wir alle habe ich die Nase von den Corona-bedingten Einschränkungen voll. Dennoch müssen wir weiter sehr vorsichtig sein, zum Wohle der gesamten Bevölkerung – so schwer das für viele auch ist“, sagte SPD-Fraktionschef Dirk Panter. Für Gerhard Liebscher (Grüne) ist das Klammern an konkrete Daten ohnehin nicht zielführend: „Wir müssen weg von dem Fokus auf einzelne Lockerungen zu einem bestimmten Datum hin zu einer echten Perspektive auf wissenschaftlicher Basis.“ Niemand könne mit Blick auf die Corona-Mutationen sagen, wie sich die Infektionszahlen entwickeln werden. Seine Partei will deshalb einen Perspektivplan, der transparent machen soll, unter welchen Bedingungen welche Dinge möglich sind. „Alles andere ist aus meiner Sicht ein Blick in die Glaskugel, der niemandem hilft“, so Liebscher.

Im Hotel- und Gaststättengewerbe war bereits die Verlängerung des Lockdowns am vergangenen Mittwoch mit Argwohn beobachtet worden. Laut einer Umfrage der Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) bangen drei von vier Unternehmen in Sachsen um ihre Existenz.

Dehoga: Unser Ziel ist es, Ostern wieder zu öffnen

Für Kretschmers aktuelle Aussagen hat Sachsens Dehoga-Hauptgeschäftsführer Axel Klein deshalb nur wenig Verständnis. „Unser Ziel ist es, dass Hotels und Gaststätten zu Ostern wieder öffnen können, vorausgesetzt natürlich, die Inzidenzwerte gehen weiter nach unten“, sagte er gestern. Man müsse den Unternehmen die Chance geben, unter Einhaltung der Hygieneregeln vorsichtig wieder den Betrieb aufzunehmen, sonst seien viele weg vom Markt. Klein plädierte gegenüber der LVZ dafür, gemeinsam mit der Politik Wege zu finden, wie die Unternehmen den langen Lockdown überleben könnten. Die Überbrückungshilfen reichten dafür nicht aus.

Das sieht auch Eike Rabich, Chef des Wirtshauses am Monarchenhügel in Leipzig so. „Man weiß nicht, wie es weitergeht. Diese Ungewissheit zerrt nun immer länger an den Nerven. Es gibt doch gute Konzepte, wie wir wieder mit Bedacht öffnen können. Uns fehlen auch die Veranstaltungen als wichtige Einnahmequelle“, so der Wirt.

Gewandhausorchester will am 1. April starten

Zumindest in den großen Kulturhäusern sah man die Aussagen gestern noch gelassen. „Da wir die kommende Woche wieder mit einem vorsichtigen Probenbeginn starten können, sind wir auf eine Öffnung jederzeit vorbereitet“, so Leipzigs Opern-Intendant Ulf Schirmer auf LVZ-Nachfrage. Gewandhausdirektor Andreas Schulz sagt: „Wir wissen, dass wir bis Ende März geschlossen bleiben, und von der Stadt haben wir die Information, dass es abhängig von der Entwicklung der Inzidenz-Zahlen um Ostern wieder losgehen kann.

Gewandhausdirektor Andreas Schulz (Archivfoto aus dem Sommer 2020) Quelle: Christian Modla

Schulz geht davon aus, dass am 1. April mit der Johannespassion in der Leipziger Thomaskirche wieder in den Spielbetrieb gestartet wird. „Darauf arbeiten wir mit aller Kraft zu. Ansonsten warten wir ab, was der nächste Gipfel der Kanzlerin mit den Länder-Chefs bringt. Aber ich gehe noch davon aus, dass wir am 8. März mit unserem neuen Spielplan in den Vorverkauf gehen können, der am 1. April beginnt.“

Von Anita Kecke, Peter Korfmacher und Matthias Puppe