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Mitteldeutschland Streitatlas 2019: So zanken die Sachsen
Region Mitteldeutschland Streitatlas 2019: So zanken die Sachsen
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09:23 23.11.2019
Im Erzgebirge, im Kreis Görlitz und Mittelsachsen gibt es am wenigsten Zoff, in Leipzig, Dresden und Nordsachsen sieht es laut Streitatlas schon anders aus. Quelle: Grafik: Generali Deutschland
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Leipzig

Sachsen gelten ja weithin als gutmütig und umgänglich. Untermauert wird dieser landläufige Ruf auch von „Deutschlands großem Streitatlas 2019“, der jetzt veröffentlicht wurde und die Sachsen als relativ friedfertigeinstuft. Nur Thüringer und Bayern bemühen noch seltener Anwälte.

Allerdings schlägt Sachsens größte Stadt gänzlich aus der Art: Leipziger sind mit 30,7 Streitfällen pro 100 Einwohner nach den Kölnern (32,2) bundesweit am deutlichsten auf Krawall gebürstet. Selbst die für ihren rauen Ton bekannten Berliner haben mit 29,3 Fällen weniger Zoff als die Messestädter. Die Landeshauptstadt Dresdenlandet mit einer Streitquote von 25,3 Prozent im Mittelfeld. Unter den deutschen Großstädten nimmt sie den 13. Platz ein. Der bundesweite Schnitt liegt bei 24,7 Streitfällen pro 100 Einwohner.

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Die Studie, die Generali Deutschland auf Basis von rund 400 000 Fällen ihres Rechtsschutzversicherers Advocard aus dem Jahr 2018 erstellt hat, will Einblicke in die Streitkultur hierzulande bieten. „Durch die Veröffentlichung möchten wir die Gesellschaft für das steigende Risiko sensibilisieren, selbst im Alltag in Rechtsstreititigkeiten verwickelt zu werden“, erklärte Giovanni Liverani, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland AG.

Großstadt sorgt für Stress auf engstem Raum

Warum Leipzig, Köln, Berlin und andere Großstädte mit relativ friedfertigem Umland den meisten Stress haben, erklärt Peter Stahl, Vorstandssprecher des Rechtsschutzversicherers Advocard, so: „Viele Menschen auf vergleichsweise engem Raum steigern die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Konflikte entstehen.“

Und Leipzig zählt erwiesenermaßen zu den dynamischsten Städten mit steigender Einwohnerzahl. „Dabei beobachten wir, dass die Menschen immer häufiger und heftiger miteinander streiten - insbesondere das private Umfeld bietet hierzu viele Anlässe“ sagt Peter Stahl.

Streit kostet Zeit, Geld und Nerven

Fast die Hälfte aller Streitfälle zieht sich über zwölf Monate und länger hin, wofür vor allem langwierige Gerichtsverfahren als Grund ausgemacht wurden. Was lange währt, wird meist teuer. Bei jedem zehnten Streit liegt der Streitwert bei mehr als 10.000 Euro. Im Vergleich zum vorherigen Streitatlas ist dies ein Anstieg um 2,8 Prozent.

„Unserer Erfahrung nach können die Verfahrenskosten ein Vielfaches des eigentlichen Streitwerts ausmachen. Daher ist es sinnvoll, so früh wie möglich eine einvernehmliche Einigung anzustreben – manchmal funktioniert es sogar, eine neutrale Person als Vermittler, beispielsweise einen Mediator, hinzuzuziehen und Streitigkeiten schnell abzuwenden“, so Peter Stahl.

Remmidemmi im Ruhrpott

Im Vergleich der Bundesländer sind die Stadtstaaten Berlin mit 29,2 Streitfällen pro 100 Einwohner und Hamburg (28,8) besonders streitlustig. Aber auch im bevölkerungsreichsten Flächenland Nordrhein-Westfalen brennt oft die Luft (28,2). Wesentlich seltener werden Anwälte in Sachsen (23,5) und Thüringen (22,5) bemüht. Der dritte und größte Freistaat im Bunde wurde als besonders entspannt ausgemacht. Bayern haben laut Studie mit 21,5-prozentiger Quote die geringste Lust auf Rechtsstreitigkeiten.

Viele Gründe für Streit

Im Land der Autoliebhaber entbrennt rund ein Drittel aller Streitfälle im Straßenverkehr. Reichlich jeder Vierte davon streitet wegen vermeintlich ungerechtfertigtem Blitzen oder zu hohem Tempo. Weitere konkrete Streitgründe sind Verkehrsunfälle (23 Prozent) oder Auseinandersetzungen wegen Mängeln beim neuen Fahrzeug (zehn Prozent), die zu großen Teilen im Zeichen des Dieselskandals stehen.

Ein Klassiker der Streitgründe vor Gericht: Konflikte unter Nachbarn. Quelle: gms

Noch mehr fechten die Menschen in Deutschland Konflikte im Privat- und Strafrecht aus – auf diese Kategorie entfallen rund 38 Prozent aller Streitfälle: Von Familienangelegenheiten bis hin zu Reisemängeln sind die Gründe sehr unterschiedlich. Das Arbeitsumfeld (13,1 Prozent) belegt den dritten Platz, auf Platz vier landet der Bereich Wohnen und Miete (11,3 Prozent) und auf Platz fünf Behörden und Finanzen (7,3 Prozent).

Zoff um Miete und Lohn

Im Arbeitsumfeld hängen die Gründe für Dispute häufig mit der Vergütung, Arbeitszeugnissen oder der Kündigung des Arbeitsverhältnisses zusammen. Die Vergütung ist dabei der Hauptgrund (30,9 Prozent). Allerdings ist der Anteil an Streitfällen zu Arbeitsthemen in diesem Jahr leicht rückläufig (-0,3 Prozent).

Wohnungskündigungen und zu hohe Mietkosten sind überall gewichtige Streitgründe: Gerade auf den heiß umkämpften Wohnungsmärkten der Großstädte ist ein deutlicher Anstieg der Streitfälle in diesem Bereich zu verzeichnen. Berlin liegt dabei sogar 50 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Doch auch Nebenkostenabrechnungen erzürnen Mieter und lassen es zu Disputen mit dem Vermieter kommen. Ein weiterer Klassiker der Streitgründe: Streit unter Nachbarn. Ob zu laute Musik, falsch abgestellte Kinderwagen oder die über den Zaun ragenden Äste von Nachbars Apfelbaum – die Gründe dafür sind vielfältig.

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Männer streiten öfter

Generell werden knapp zwei Drittel aller Streitigkeiten von Männern ausgetragen (66,5 Prozent), Frauen scheinen das sanftere Geschlecht zu sein und sind lediglich mit 33,5 Prozent in Auseinandersetzungen verwickelt.

Bei Männern kocht der Zorn schneller hoch, wenn es um Verkehr und Mobilität geht. Hier streitet sich jeder Dritte (32,8 Prozent). Frauen hingegen liegen bei Disputen im Bereich Privat- und Strafrecht vorn (40,0 Prozent vs. 37,6 Prozent der Männer). „Möglicherweise zeigt sich hier auch das Klischee, dass Frauen bei persönlichen Angelegenheiten das Zepter in der Hand halten und Männer sich eher ums Auto kümmern“, sagt Stahl.

In der Mitte des Lebens sind die Menschen anscheinend besonders rechthaberisch: Im Alter zwischen 46 und 55 Jahren streiten sie sich – statistisch gesehen – am häufigsten (27,5 Prozent aller Streitfälle). Insgesamt nimmt jedoch auch der Anteil der jüngeren Streithähne deutlich zu: Vor zehn Jahren (2009) waren junge Erwachsene unter 36 Jahren für nur 13,9 Prozent aller Streitfälle verantwortlich – heute sind es bereits 23,7 Prozent.

Von Winfried Mahr

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